Behinderten-Stiftung
«Orte zum Leben» restauriert und neu gebaut

Die Stiftung für Behinderte weihte am Wochenende ihren Wohnhaus-Umbau am Juraweg ein.

Heiner Halder
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«Planmässig wie der Gottharddurchstich ist auch unser Bauwerk abgeschlossen», freute sich Charly Suter. Die Stiftung für Behinderte Aarau-Lenzburg kommt aus dem Einweihen kaum heraus: zuerst die Aussenwohngruppe Zopfgasse Staufen, dann der Werkstattneubau an der Tiliastrasse Lenzburg und zu guter Letzt der Wohnhaus-Umbau am Juraweg in Staufen.

Der Stiftungsleiter ist erleichtert, denn der restaurierte «Ort zum Leben» ist ein Last-Minute-Projekt: Weil die Umsetzung des Neuen Finanzausgleichs von Bund und Kantonen verlangt, dass die Bauabrechnung bis Ende 2010 vorliegt und geprüft ist. So konnten mit grossem Effort an die 3,5 Millionen Franken Baukosten Beiträge von 1,7 Millionen gesichert werden.

Mehr Platz zum Leben

Nebst dem Finanzproblem war da primär auch das Platzproblem. Während 28 Jahren leistete das 1978 von den Architekten Barth und Zaugg Schönenwerd/Olten in so genannter technologischer «Jurasüdfussarchitektur» projektierte Wohnhaus für über 50 Bewohner gute Dienste. Heute sind die Anforderungen anders: Belegten vorerst bis zu drei Personen die Schlafräume, waren bis 2009 Zweierzimmer üblich. Solche sind jetzt für Paare möglich, ansonsten haben alle ein Zimmer für sich allein.

Für Architekt George Pfiffner bedeutete das die Reduktion von drei auf zwei Wohngruppen pro Stock, also sechs statt neun Wohnungen. Während die charakteristische weisse Eternitfassade nur gereinigt und die Wohnungen mit Blick auf den Staufberg mit grosszügigen Balkonen von rund 34 Quadratmetern Fläche ergänzt wurden, blieb im Innern «kein Stein auf dem andern». Es sei nach Aushöhlung und Wiederaufbau eine vollständig neue Situation entstanden, an welche sich alle zuerst gewöhnen müssten, meinte Charly Suter. Dies wird Bewohnern und Betreuern umso leichter fallen, als Pfiffners Projekt «mit Respekt und Achtung» vor dem Bestehenden, punkto Ausgestaltung der Klientenzimmer indes mit Materialien, Farben und Strukturen, «auf feine Art anregend», Räume für Menschen geschaffen wurden, wo sie sich wohl und geborgen fühlen.

Während auf dem Rundgang durch das umgebaute Wohnhaus mit Ausnahme des unveränderten Kafi- Träff im Gemeinschaftsbau gähnende Leere herrschte, reichten an der Einweihungsfeier am Samstag die Stühle im Festzelt nicht für alle aus. Bewohnerinnen, Bewohner, Angehörige, Bauleute und interessierte Besucher drängten sich unter dem schützenden Dach. Grund zur Freude gab es genug, das Hausorchester Musici gab sein Bestes, die Schlüsselübergabe erfolgte in Form von Zöpfen, welche am Markt übrigens bald ausverkauft waren; Lorenz Richner aus Schafisheim begeisterte mit Jonglagen und das Niederlenzer Duo Peter und Peter sorgte für musikalische Begleitung durch den nasskalten Tag.

Post festum folgt für drei Dutzend Bewohner die Züglete vom provisorischen Pavillon-Dörfli an der Schafisheimerstrasse zurück ins neu-alte Zuhause. 19 andere hatten schon vor dem Umbau die Aussenwohngruppe Zopfgasse bezogen. Auch für neue Untermieter ist gesorgt: Der Architekt übergab jeder Wohngruppe ein Eternit-Vogelhäuschen.