Strom, Wasser, Kommunikationsnetze, Dienstleistungen etwa im Bereich Bauverwaltung: Die Regionalen Technischen Betriebe (RTB) mit Hauptsitz in Wildegg sind ein Grundversorger wie beispielsweise die SWL oder die Eniwa – einfach ohne Gas. Der Strompreis ist in Möriken-Wildegg und Niederlenz deutlich tiefer als in Lenzburg und Aarau (SAW vom 13. 10. 2018). RTB-Geschäftsführer Laszlo Körtvelyesi ist Chef von 37 Mitarbeitern (28 Vollzeitstellen). Davon sind 24 direkt von den RTB angestellt und 11 von den beiden Verbandsgemeinden (plus 2 Lernende). Die RTB bezeichnen sich als grösster unter den kleinen Aargauer Energieversorgern. Und sie sind kerngesund. Die Eigenkapitalquote beträgt 74 Prozent (Eniwa 57,4 %), seit der Jahrtausendwende wurden jährlich 1,17 Millionen Franken in die Modernisierung investiert.

Neu eine Konzessionsabgabe

Die RTB haben aus Sicht ihrer Besitzer, der beiden Gemeinden Möriken-Wildegg und Niederlenz (je 50 Prozent), nur einen Makel: Sie haben eine nicht mehr zukunftsgerichtete Rechtsform. Und das soll nun geändert werden, wie die Gemeindeammänner Hans-Jürg Reinhart und Jürg Link am Samstag an einer Medienkonferenz erklärten. Am 14. Juni sollen in beiden Orten die Gemeindeversammlungen die Umwandlung der RTB in eine Aktiengesellschaft genehmigen.

Gleichzeitig soll in beiden Dörfern eine Konzessionsabgabe eingeführt werden – so, wie das die allermeisten Gemeinden im Aargau bereits haben. Die Konzessionsabgabe müssen auch die Strombezüger zahlen, die ihre Elektrizität im liberalisierten Markt nicht mehr von den RTB beziehen. Die Einnahmen aus den Konzessionsabgaben dürften in Niederlenz 140 000 Franken und in Möriken-Wildegg 130 000 Franken betragen.

Je 80 000 Franken Dividenden

Eine Aktiengesellschaft zahlt in der Regel Dividenden. «Wir wollten die RTB AG nicht ausbluten», betonte Jürg Link. Und Hans-Jürg Reinhart erklärte: «Wir haben ein Interesse daran, dass der Kunde Strom, Wasser etc möglichst günstig bekommt. Aber es darf keine Querfinanzierung durch die Steuerrechnung geben.» Die beiden Gemeinden erwarten Dividenden-Einnahmen von je 80 000 Franken pro Jahr. Das ist vergleichsweise wenig.

Dank eines interkommunalen Steuer-Poolings wird die RTB künftig nicht nur in der Sitzgemeinde Möriken-Wildegg, sondern auch in Niederlenz Steuern zahlen (Erwartung: je 10 000 Franken).

Warum denn die Rechtsformänderung? Sind die RTB nicht mehr gross genug? Verwaltungsratspräsident Roger Cavegn dementiert: «Wir fühlen uns auch im veränderten Umfeld gross genug.» Es geht darum, die Entscheidungswege zu verkürzen. Die RTB gehören bisher einem Gemeindeverband. Dieser führt zwei Mal jährlich Abgeordnetenversammlungen durch, nach denen jeweils noch Referendumsfristen abgewartet werden müssen. Der Verwaltungsrat der AG, er soll aus fünf Mitgliedern bestehen, könnte schneller reagieren. Zum Beispiel, wenn es darum geht, Kooperationen einzugehen.

Volk müsste Verkauf absegnen

Die Rechtsformänderung sei weder eine Privatisierung, noch eine Restrukturierung, betonte Hans-Jürg Reinhart. Es gehe einfach darum, die Führung zukunftsgerichteter zu gestalten und zu professionalisieren.

Können die RBT künftig verkauft werden, ohne dass das Volk konsultiert werden muss? Nein. Erstens gibt es einen Aktienbindungsvertrag, der ein überraschendes Ausscheren einer der beiden Gemeinden verunmöglicht. Zweitens müssten beide Gemeindeversammlungen zustimmen, wenn an den Besitzverhältnissen etwas geändert werden soll.