«Die Eltern sind gebrochene Leute», berichtet Opferanwalt Markus Leimbacher gegenüber TeleM1. «Im Gegensatz zu ihrer Tochter und ihren Enkeln leben sie zwar noch. Und trotzdem sind sie irgendwie auch gestorben.»

Leimbacher hat in seiner Funktion als Anwalt viel Kontakt zu den Eltern der verstorbenen Carla Schauer (†48). Besonders um den Vater macht er sich Sorgen: «Er macht einen depressiven Eindruck auf mich. Manchmal denke ich mir: Hoffentlich überlebt er das Ganze.»

Wie Leimbacher sagt, würde die Angehörigen besonders zwei Fragen quälen: Warum Thomas N. diese Tat begangen hat und warum er sich gerade diese Opfer ausgesucht habe. 

Auch dem Anwalt geht der Vierfachmord sehr nahe. «Ich kann nicht länger als eine oder zwei Stunden an dem Fall arbeiten. Ich habe Mühe, in der Nacht zu schlafen. Ich erwache oft, weil ich Bilder oder Vorstellungen im Kopf habe. Ganz persönlich bin ich froh, wenn die vier Prozesstage vorbei sind.»

Opferanwalt Markus Leimbacher zum Fall Rupperswil

Opferanwalt Markus Leimbacher zum Fall Rupperswil

Markus Leimbacher erklärt, wie die Angehörigen leiden und warum auch er froh ist, wenn der auf vier Tage angesetzte Prozess vorbei ist.

Sichtlich betroffen wirkt Leimbacher auch, als er nach dem ersten Prozesstag nach seiner Einschätzung gefragt wird. «Besonders verstörend war, dass der Täter von seiner Zukunft gesprochen hat. Er geht offenbar davon aus, dass er das Gefängnis in mittelbarer Zeit verlassen und ein völlig normales Leben leben kann», antwortet er auf die Fragen der anwesenden Reportern. 

Die Forderung seiner Mandanten beinhalte immer noch eine lebenslängliche Verwahrung. «Sie ist noch nicht vom Tisch», so er. Die Aussagen der Gutachter seien nicht in allen Teilen ganz klar gewesen. Leimbacher verweist auf die Aussage von Psychiater Josef Sachs, der vor Gericht sagte, Pädophilie sei nicht therapierbar. Dennoch schliessen die beiden Gutachter eine Therapierbarkeit des Angeklagten nicht aus. 

Die Eltern von Carla Schauer sind nicht am Prozess dabei. Es sei für ihn selber schon unerträglich, zu hören, wie diese Personen richtiggehend abgeschlachtet worden sind, nachdem der Sohn noch sexuell missbraucht wurde. «Für Direktbetroffene ist das nicht aushaltbar.»

Der Lebenspartner von Carla Schauer ist dagegen am Prozess anwesend. Wie Experte Markus Melzl sagt, sei der Prozess der Verarbeitung sehr persönlich und individuell. Einigen helfe der Prozess, die Ereignisse zu verarbeiten, andere würden das nicht ertragen. «Jeder muss für sich selber entscheiden, wie er das macht. Wichtig ist, dass man immer die Wünsche der Angehörigen respektiert und es für sie so erträglich wie möglich macht.» (kob/sam)