Kultur
Oper Schloss Hallwyl: Defizit trotz 12'000 erfreuten Zuschauern

Die fünfte Spielzeit der Oper Schloss Hallwyl ist zu Ende. Mozarts «Zauberflöte» zog 12000 Zuschauer an, doch dies reicht nicht für eine ausgeglichene Rechnung.

Fritz Thut
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Das magische Glockenspiel von Vogelfänger Papageno (Jonathan Sells) konnte bei der «Zauberflöte» im Schloss Hallwyl ein Defizit nicht verhindern. Chris Iseli

Das magische Glockenspiel von Vogelfänger Papageno (Jonathan Sells) konnte bei der «Zauberflöte» im Schloss Hallwyl ein Defizit nicht verhindern. Chris Iseli

Chris Iseli/AZ

Minutenlange Standing Ovations am letzten Samstag nach der 21. und letzten Vorstellung von «Die Zauberflöte» waren ein weiterer Beweis für die künstlerisch überzeugende, ja begeisternde Produktion des Vereins Oper Schloss Hallwyl.

Nach der glanzvollen Derniere bot sich Gelegenheit zu einer ersten Bilanz. 12 000 Zuschauer haben bei mehrheitlich schönem Wetter – nur eine Aufführung musste verschoben werden – die märchenhafte Inszenierung von Regisseurin Regina Heer verfolgt. «Wir haben fast nur positive Reaktionen erhalten», so Produktionsleiter Christoph Risi am Dernierenabend.

Szene aus der Zauberflöte
8 Bilder
Szene aus der Hauptprobe
Gut oder böse? In der «Zauberflöte» kann sich das schnell ändern und auch Sarastro (im Bild, Ulrich Schneider), der Pamina entführen liess, kann beides.
Magisch und verspielt: Mozarts «Zauberflöte» wirkte unter dem Gewittersturm auf Schloss Hallwyl besonders lebendig
Das Schloss Hallwyl bietet eine schöne Kulisse
Auf Schloss Hallwyl wird dieses Jahr die Zauberflöte aufgeführt
Bei der Premiere wurden Darsteller und Publikum nass
Bei den Proben machte das Wetter noch mit, bei der Premiere zogen Gewitter auf

Szene aus der Zauberflöte

Chris Iseli

Aufwendige Inszenierung

Die künstlerischen Glanzleistungen im Hof des Seetaler Wasserschlosses reichten nicht aus, um die Rechnung des Veranstalters ausgeglichen zu gestalten: «Wir haben die schwarze Null verfehlt», verriet Risi dem SRF-Regionaljournal. Wie gross das Defizit tatsächlich sein wird, ist noch nicht bekannt.

Gründe für den erwarteten Fehlbetrag gibt es einige. Auf der Ausgabenseite ist zu berücksichtigen, dass «Die Zauberflöte» opulenter ausfällt als andere Opern: Mehr Chorsänger, mehr Solisten, dadurch mehr Kostüme.

Bei den Einnahmen fällt neben einem abgesprungenen Grosssponsor vor allem ins Gewicht, dass der Beitrag des Kantons gegenüber der letzten Produktion im Jahr 2012 zurückgefahren wurde: Gemäss dem Regionaljournal sank der Zustupf aus dem Swisslos-Fonds von 720 000 auf 400 000 Franken. Ohne eine frühzeitige Zusage für ein weiteres substanzielles Engagement des Kantons ist laut Trägervereinspräsidentin Esther Egger die Zukunft der Schlossoper infrage gestellt (az vom 13. August).

Die «Zauberflöte»-Protagonisten liessen sich von solch durchzogenen Aussichten nicht beirren und boten zum Abschluss ususgemäss einige übermütige Einlagen. Douglas Bostock, Musikalischer Leiter und Dirigent der argovia philharmonic, sprach an der Dernierenfeier von einem «fantastischen Sommer» und der «besten Produktion in Hallwyl». Und schloss zuversichtlich: «Nach der Oper ist vor der Oper.»

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