Sportfischerverein

Ohne sie gäbe es keine Felchen mehr im Hallwilersee

Der Sportfischerverein Hallwilersee feierte am Samstag sein 50-jähriges Bestehen. Ein Einblick in die Zucht von Hecht und Felchen, die der Verein betreibt.

Früher Abend auf dem Hallwilersee. Ein Boot teilt das Wasser. Sanfte Wellen entstehen, in ihnen spiegelt sich das Orange-Rot des Sonnenuntergangs. An Bord sind Erwin Hert und Martin «Tinu» Fischer. Hert ist Präsident des Sportfischervereins Hallwilersee, Fischer der Vizepräsident. «An solchen Abenden ist meine Arbeit besonders schön», sagt Fischer und blickt aufs Alpenpanorama. Er ist 57 Jahre alt, wohnt in Tennwil und arbeitet als Chauffeur. Er sagt, dass er fast seine ganze Freizeit am See und in der Brutanstalt verbringt.

Dort werden Felchen und Hechte gezüchtet. Sie ist eine von drei Brutanstalten am Hallwilersee. Die anderen zwei sind beim «Delphin» in Meisterschwanden und in Birrwil. Nur die beim «Delphin» wird von Berufsfischern geführt. Und jene des Sportfischervereins Hallwilersee in Meisterschwanden, gleich beim Hotel Seerose, feiert wie der Verein am Samstag ihr 50-Jahr-Jubiläum.

«Ying und Yang muss stimmen»

In der Brutanstalt sind momentan 12 Gläser und Bassins voll mit Felchen-Laich. Im letzten Jahr waren es 53 Gläser. Die grünbraunen Eier werden von Seewasser durchspült. Dieses ist gefiltert, damit die Burgunderalge keinen Schaden anrichten kann. Die Alge produziert zu viel Sauerstoff – was die Felchen töten kann. Die frisch geschlüpften Fische, kaum einen Zentimeter lang, hat Fischer mit einem Schlauch in einen grossen Eimer gesogen.

Jetzt, auf dem See, kippt er den Eimer über die Reling und entlässt den Nachwuchs in die Freiheit. «Es überleben etwa 90 Prozent», sagt er. Würden die Fischer den Laich nicht in der Brutanstalt aufbewahren, läge die Überlebenschance der Felchen praktisch bei null. «Der Laich sinkt naturgemäss auf den Boden des Sees. Da der See aber lange nicht belüftet wurde, hat sich am Boden eine Schlammschicht angesammelt. Darauf würde der Laich verpilzen.» Fischer betont mehrmals: «Das Ying und Yang muss stimmen, es muss alles im Einklang sein. Wir machen hier etwas für die Natur, ohne die Brutanstalten gibt’s sonst bald keine Felchen mehr im See.»

Fischfang zurückgegangen

Zurück an Land. Fischer und Hert sitzen in der Stube der Brutanstalt. Ein Duschvorhang mit Fisch-Motiven grenzt den nächsten Raum ab. Tinu Fischer ist seit 32 Jahren bei den Sportfischern, Hert seit 10 Jahren. Hert ist 59 Jahre alt, wohnt in Reinach und ist hauptberuflich Kantonspolizist. Im Verein übernimmt er Administratives, wie Pachtverhandlungen, Finanzen oder Absprachen mit Kantonsbiologen. «Die machen DNA-Untersuchungen mit den Fischen, oder färben auch mal den Laich pink ein», erzählt er. «Sie wollen, dass die Fische ohne unsere Unterstützung brüten können – also erreichen, dass es keine Brutanstalten mehr braucht.» Das sei ein schönes Ziel, aber zumindest bei den Felchen sehr unrealistisch.

Der Sportfischerverein finanziert sich mit dem Verkauf von Fisch an Hotels und Restaurants, und immer samstags können Private bei der Brutanstalt frischen Fisch kaufen. Die Einkünfte daraus seien in den letzten Jahren stark zurückgegangen. «Wir haben im letzten Jahr eine Tonne Fisch gefangen und 500 Kilogramm verkauft. Noch in den 80er-Jahren waren es vier Tonnen und Einkünfte von über 75'000 Franken», sagt Tinu Fischer. Der Verein bekommt keine Unterstützung vom Kanton, muss alle Investitionen selbst tragen. «Zum Beispiel die Netze, die kosten pro Stück rund 1000 Franken.» Die beiden Präsidenten sind froh, noch einen Beruf zu haben und nicht vom Ertrag leben zu müssen.

Neider verübte Brandanschlag

An der Wand der Stube hängt ein hölzernes Schild. Darauf wird an einen Brandanschlag erinnert. «Das war ein junger Fischer. Er war neidisch», erzählt Tinu Fischer. Laut einer SDA-Meldung vom Juli 1992 hat der Brandstifter die Brutanstalt Seerose und Delphin angezündet. An einem Ort hinterliess er die Nachricht: «Wenn noch mehr Netze ausgelegt werden, brennen noch mehr Sachen ab.» Der Verein musste den Schaden von 400'000 Franken mit den eigenen Finanzen begleichen. «Heute herrscht Frieden mit den anderen Fischern», sagt Fischer. Zur Überwachung der Brutanstalt wurden trotzdem ein paar Kameras installiert.

Schwierige Zeiten waren auch die 1970er-Jahre. Damals grassierte die Hasli-Pest. «Die Leute haben an den Ufern massenweise tote Fische aufgesammelt.» Eine weitere Dezimierung des Fischbestands folgte, als die neue Belüftung im Hallwilersee in den 1990er-Jahren eingesetzt wurde. «Sedimente wurden aufgewirbelt und Gase freigesetzt. Daran starben viele Fische.»

Fischknusperli und Wein

Heute besteht der Sportfischerverein aus rund 100 Mitgliedern, darunter eine Frau. Und der Fischbestand in ihrer Fischenz ist eher stabil. Angeln darf man an den meisten Stellen vom Ufer aus. «Aber nur wenn man einen Sachkundenachweis und ein Patent vom Kanton eingeholt hat», sagt Tinu Fischer. Er und Erwin Hert fischen aber am liebsten vom Boot aus: «Da hat man seine Ruhe.»

Am Samstag ist die Brutanstalt zur Feier des 50-Jahr-Jubiläums für Besucher geöffnet. Es gibt Fischknusperli und Wein und bei gutem Wetter eine Fahrt auf den See.

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