Hallwilersee

Ohne «Burgunderblut» ist das Wasser so klar wie noch nie

Letztes Jahr noch färbten die Burgunderblutalgen den Hallwilersee dunkelrot – in diesem Frühling war der See klar. Archiv/Thomas Moor

Letztes Jahr noch färbten die Burgunderblutalgen den Hallwilersee dunkelrot – in diesem Frühling war der See klar. Archiv/Thomas Moor

Der Hallwilersee färbte sich in den letzten Jahren im Frühjahr regelmässig rot. Schuld daran war die Blaualge. Dieses Jahr ist das anders: Laut Experten ist das bezüglich der Wasserqualität allerdings ein gutes Zeichen.

In den letzten Jahren wurden Spaziergänger entlang des Hallwilersees im Frühjahr oft durch die satt-dunkelrote Wasseroberfläche erschreckt. Ein Blütenteppich von Burgunderblutalgen war, besonders bei schönem, windstillem Wetter, für die Einfärbung verantwortlich.

Die auslösende Blaualge mit dem wissenschaftlichen Namen «Planktothrix rubescens» galt als Indiz für die Verbesserung der Qualität des Hallwilerseewassers. In diesem Frühling blieb das «Burgunderblut» erstmals aus. Das ist laut Experten aber kein Rückfall, sondern eine weitere Stufe der Gesundung des Sees, der noch Mitte des letzten Jahrhunderts fast tot war.

Neu gibt es Kieselalgen

Mit verschiedenen Massnahmen – einer Abwasserringleitung, Auflagen für die Landwirtschaft und der Seebelüftung ab 1986 – hat man die grundsätzlich schädliche Phosphorkonzentration sukzessive reduzieren können.

Wie man in den 90er-Jahren das erstmalige Auftauchen des Burgunderbluts nach mehreren Jahrzehnten Pause als positives Zeichen gefeiert hat, ist man bei der Abteilung für Umwelt im kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) nun überzeugt, dass das erstmalige Ausbleiben des Burgunderbluts eine weitere Verbesserung einläutet.

Seit 2008 bewege sich der Phosphorgehalt innerhalb des vordefinierten Zielbereichs von 10 bis 20 Milligramm pro Kubikmeter Seewasser, schreibt die Kommunikationsabteilung des BVU und fährt fort: «Nun reagiert auch das Plankton – nicht nur mit einem Rückgang der Algenbiomasse, sondern auch mit einer veränderten Artenzusammensetzung.»

Die Burgunderblutalgen machen vermehrt Kieselalgen Platz. Allgemein wird eine Zunahme der Artenvielfalt beobachtet. Bei den Kieselalgen handelt es sich laut Arno Stöckli, dem Fachspezialisten Oberflächengewässer im BVU, vor allem um das Schwebesternchen.

Sehr grosse Sichttiefe

Gemäss Stöckli wird das Hallwilersee-Plankton seit 1985 monatlich untersucht. Das Phytoplankton (zu dem die Algen gehören) wird bis zu einer Seetiefe von 13 Metern erfasst und ausgewertet. Die Zählung des Zooplanktons (mit Kleinkrebsen) erfolgt anhand eines Netzfangs von 0 bis 43 Metern Tiefe; also bis fast auf den tiefsten Grund bei 46 Metern.

Seit dem letzten milden Winter mit einer kurzen Kältephase im Februar hat man beim «Vorkommen von Burgunderblutalgen im See einen markanten Rückgang» festgestellt. Der Wechsel zu Kieselalgen hat bei der letzten Probenentnahme zu einer speziellen Erkenntnis geführt. Arno Stöckli: «Die Sichttiefe betrug 5,4 Meter, was für den Hallwilersee in dieser Jahreszeit unüblich klares Wasser bedeutet.» Diese Beobachtung wird durch Fischer und regelmässige Spaziergänger bestätigt.

200 Tonnen Sauerstoff

Der Wissenschafter hält jedoch fest, dass sich «die Zusammensetzung der Algenarten von Monat zu Monat stark ändern kann». Der nahe bei der Sättigung liegende Sauerstoffgehalt und der durchschnittliche Phosphorgehalt von 12 Milligramm pro Kubikmeter am Ende des Winters sei eine «gute Ausgangslage für den kommenden Sommer». Stöckli: «Alles sehr positive Zeichen bezüglich der weiteren Gesundung des Sees.»

Anders sieht die Situation beim zuliefernden Baldeggersee aus. Die Luzerner Stellen sind mit der Sauerstoffanreicherung aus Spargründen vorübergehend zurückgefahren. Im Aargau will man den Weg bis zur restlosen Gesundung nicht gefährden: «Bezüglich der Belüftung im Sommer führen wir 2015 das gleiche Regime durch wie 2014 und 2013 und werden rund 200 Tonnen Sauerstoff eintragen, teilweise mit Druckluft und teilweise mit Reinsauerstoff», so Arno Stöckli.

Ein Indiz über den Zustand des Hallwilerseewassers abseits von Zahlen sind die Fischvorkommen. «Wir stehen in regelmässigem Kontakt mit den Berufsfischern», hält Arno Stöckli fest. Die Abteilung für Umwelt beteilige sich am Monitoring über die Felchenentwicklung: «Leider funktioniert die natürliche Fortpflanzung der Felchen erst vereinzelt», räumt Stöckli ein. Also liegt der Hallwilersee weiter im Krankenbett.

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