Obergericht
Tankstelle in Hunzenschwil und «Saga Khan» überfallen: Auch Runde zwei am Obergericht endet mit hoher Freiheitsstrafe

Über 2500 Tage verbringt Danilo D. schon in Haft. Sie werden ihm angerechnet – an die zwölf Jahre Freiheitsstrafe, zu denen ihn das Obergericht nun verurteilt hat. Ein halbes Jahr weniger als beim letzten Urteil der Instanz und ein Jahr weniger, als das Bezirksgericht Lenzburg ursprünglich verhängt hatte.

Eva Wanner
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Die zweite Runde vor Obergericht brachten Danilo D. immer noch eine Freiheitsstrafe von 12 Jahren ein.

Die zweite Runde vor Obergericht brachten Danilo D. immer noch eine Freiheitsstrafe von 12 Jahren ein.

Sandra Ardizzone

Die Liste ist lang. Beziehungsweise: Die Listen sind lang. Jener Dinge, derer sich Danilo D. strafbar gemacht hat; darunter der Raubüberfall auf eine Tankstelle sowie der versuchte Raubüberfall auf das Restaurant Saga Khan in Mägenwil. Und jene der Instanzen, die sich mit dem 36-Jährigen auseinandergesetzt haben.

Zuletzt das Obergericht – zum zweiten Mal. Denn nach einer ersten Runde durch die Gerichte hatte das Bundesgericht das Urteil gegen Danilo D. an die Vorinstanz zurückgewiesen. So viel vorweg: Es bleibt bei einer hohen Freiheitsstrafe. Zwölf Jahre hat das Obergericht nun im zweiten Anlauf verhängt. Das Bezirksgericht Lenzburg hatte ursprünglich 13 Jahre gesprochen, das Obergericht in der ersten Runde 12,5 Jahre. Angerechnet werden dem Italiener die Tage in der Untersuchungshaft sowie der vorzeitige Strafvollzug. Beziehungsweise die Jahre: Seit dem 19. Mai 2015 sitzt der 36-Jährige ein.

Schulden wegen Drogen und Glücksspiel

Und damit zurück zur anderen langen Liste. Jener der Verbrechen und Vergehen von Danilo D. – und deren Hintergründe. Im neusten Urteil wird etwa beschrieben, dass er ein regelmässiges Einkommen von 4900 Franken netto hatte, mit dem er seine Familie versorgte. Wegen seines Drogenkonsums und wegen Glückspielen hatte er aber auch Schulden, die auf 100'000 bis 200'000 Franken beziffert werden.

Damit dürfte das Motiv geklärt sein für den Überfall auf die Shell-Tankstelle in Hunzenschwil im März 2012. Danilo D. hatte eine Schreckschusspistole dabei – einer der Komplizen eine echte und geladene Schusswaffe, die er auch benutzte.

Selbst geschossen hat Danilo D. rund drei Wochen später. Er wollte, diesmal mit einem anderen Komplizen, das Restaurant Saga Khan in Mägenwil überfallen. Es kam zu einem Handgemenge mit einem Angestellten, ein Schuss löste sich. «Nachdem das Projektil in die Holzdecke eingeschlagen habe, sei es abgelenkt worden, habe einen Dachbalken durchschlagen und sei weiter durch die Wandöffnung in den Esssaal geflogen, wo sich Gäste und Angestellte befunden hätten», rekonstruiert das Bundesgericht, was dann passierte. Das Obergericht hält fest, dass es beim Versuch eines Raubes geblieben sei. Aber nicht, weil Danilo D. eingesehen habe, dass sein Handeln unrecht sei, sondern wegen des Verhaltens des Restaurantpersonals.

Neun Mal eingebrochen

Über zwei Jahre später hat Danilo D. mit Mittätern in verschiedenen Konstellationen Einbruchdiebstähle in Serie begangen. Innert gut zwei Monaten ist die Bande neun Mal in Restaurants und Geschäftsräume eingestiegen. Rund 45'000 Franken haben sie dabei erbeutet – und einen Sachschaden von 40'000 Franken angerichtet. Das Obergericht konstatiert aber: «Ein Hausfriedensbruch ist für die Betroffenen meist schwerwiegender als der bei einem Einbruchdiebstahl verursachte Sachschaden, da damit die Privatsphäre aufs Gröbste verletzt wird und die Betroffenen in ihrem Sicherheitsgefühl gravierend und nachhaltig getroffen werden.»

Verurteilt wurde Danilo D. ausserdem wegen Drogenhandels – und diverser Strassenverkehrsdelikte. «Das wiederholte Fahren ohne Führerausweis und unter Drogeneinfluss zeugt von einer extremen Gleichgültigkeit gegenüber den herrschenden Gesetzen, welche im Rahmen des Strassenverkehrs besonders für die Sicherheit der weiteren Verkehrsteilnehmer sorgen.» Von 65 solcher Fahrten ist die Rede, von denen ihn auch seine Vorstrafen in diesem Gesetzesbereich nicht abhielten. Teilweise wurden unbedingte Geldstrafen ausgesprochen, teilweise bedingte; weder das eine noch das andere schien ihn bisher zu beeindrucken.

Reduziert wird die Strafe, weil im Verfahren das Beschleunigungsgebot verletzt wurde: Am 19. Mai 2015 wurde Danilo D. verhaftet, am 7. Mai 2018, also drei Jahre später, wurde Anklage erhoben. Acht Monate werden deshalb von der errechneten Freiheitsstrafe abgezogen. Es bleiben zwölf Jahre – und eine dritte lange Liste: jene der Schadensersatzansprüche von Privatklägerinnen und Privatklägern.

Obergerichtsurteil SST.2022.31