Lenzburg
Ob auf Bühne oder in Beiz: Dieser Theatermacher «füttert» Menschen

Theatermann Mark Wetter versteht sich als Gastgeber. Auf der Theaterbühne ebenso wie in der Besenbeiz, die er seit zwei Jahren im Garten seines Einfamilienhauses betreibt. Seine Gäste sind Hungrige, Geniesser - und Neugierige.

Ruth Steiner
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Mark und Véronique Wetter in ihrer Besenbeiz an der Brunnmattstrasse.

Mark und Véronique Wetter in ihrer Besenbeiz an der Brunnmattstrasse.

Pascal Meier

Schneemann Jeda hat hochfliegende Pläne. Er will im Frühling nicht schmelzen – er will einmal den Sommer erleben. Ein sonderbarer Kauz, dieser Schneemann. Die Charaktere, die Theatermann Mark Wetter auf der Bühne verkörpert, hat er sich eigenhändig auf den Leib geschrieben. Mal schräg, mal nachdenklich, mal lustig – doch immer ideenreich und originell. Dafür liebt ihn seine vornehmlich jüngere Fangemeinde.

Die Hauptrolle spielt Wetter nun auch in der lauschigen Besenbeiz, die er im grossen Garten seines Einfamilienhauses eingerichtet hat. In der Klause, wie er das mit dunkelbrauner Farbe lasierte Holzhäuschen nennt, bewirtet er seit zwei Jahren regelmässig Gäste.

Bei Nässe und Kälte wird drinnen aufgetischt, bei Sonnenschein und warmen Temperaturen im Freien serviert. Dann tafeln bis zu 25 Personen an den langen Holztischen unter den Sonnenschirmen und schattenspendenden Bäumen auf dem Kiesplatz.

Beizern und Theatermachen – geht das zusammen? Die Frage liegt auf der Hand. «Natürlich», sagt Wetter. Auf der Bühne wie auch hinter den Kochtöpfen sei er Gastgeber und «füttere» Menschen: «Im Theater bekommen die Gäste geistige Nahrung, in der Klause werden sie kulinarisch verwöhnt.» Und er steht mittendrin – in der Beiz gemeinsam mit seiner Frau Véronique.

Elfi Casty als Inspirationsquelle

Auf den Tisch kommt, worauf der Koch selber gerade Lust hat, was Saison ist und, wenn immer möglich, auch in der Region produziert wurde. «Das Rindfleisch kommt aus einem Biobetrieb unweit von hier», bringt er als Beispiel vor. Das sei wichtig.

Dem kritischen Auge der Gäste entgehe nichts, das zeige die Erfahrung. Kürzlich habe er schöne Himbeeren geschenkt erhalten und mit diesen den exotischen Fruchtsalat der Gäste dekoriert, erzählt Wetter. Prompt wurde reklamiert, dass keine Beerensaison sei. Machte Wetter früher einen weiten Bogen um Kochbücher, so lässt er sich heute von der Kochautodidaktin und Herzblutköchin Elfi Casty inspirieren.

Der Hobbykoch will sich jedoch ungern auf ein Lieblingsgericht festlegen. Höchstens, dass er einen Hang zur mediterranen Küche entwickelt habe: «Doch muss das Essen primär ausgewogen und gut sein.» Dass auch die Komposition des Menüs letztendlich stimmt, dafür sorge Véronique, sagt er.

Wer sind seine Gäste? «Das ist einfach, Hungrige, Geniesser und dann noch die Gwundrigen.» Die meisten kommen aus der Region, Leute, die ihn kennen halt. Er mache viel zu wenig Werbung, sagt er.

Und das glaubt man ihm aufs Wort: Mark Wetter ist keiner, der aus kommerziellen Überlegungen agiert, vielmehr treibt ihn seine innere Überzeugung an: «Wenn Leute, die sich vom Sehen kennen, hier bei mir ins Gespräch kommen, gefällt mir das. Es hat hier schon manch wunderschöne Begegnung gegeben», weiss er. Nicht von ungefähr stehen in der Bar hinter der Theke die Neujahrsblätter der vergangenen Jahre.

«Oft dreht sich das Gespräch um das Geschehen und Geschichten in der Stadt.» Da ist er froh, die Lenzburger «Bibel» rasch zur Hand zu haben.

Auch spontane Gäste willkommen

Mark Wetters Broterwerb ist nach wie vor sein «Theaterschöneswetter», dessen Vorhang sich vor zwölf Jahren zum ersten Mal hob (vorher trat er unter seinem Namen auf). Die Öffnungszeiten der Besenbeiz richten sich nach den Spielzeiten auf der Theaterbühne. «Im Moment haben wir normalerweise mittwochs oder donnerstags geöffnet.» Auf Wunsch öffnet er die Beizentür aber auch für Familienfeste und einen gemütlichen Abend im Freundeskreis, wenn er keine andern Verpflichtungen hat.

Wer essen möchte, reserviert sich seinen Tisch am besten frühzeitig. Doch, «ist genug Essen da und Platz vorhanden, sind auch spontane Gäste willkommen.» Und weil er nicht nur auf der Bühne, sondern auch in der Besenbeiz am liebsten vor «vollem Haus spielt», wünscht sich Gastgeber Wetter, dass auch Leute, die gerne einfach ein Glas Wein trinken möchten, vermehrt den Weg in meine Klause an der Brunnmattstrasse 1 finden.»

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