Lenzburg
Nur wenige wollen noch Maler werden – ein Projekt soll helfen

Vor zehn Jahren waren es noch 60 Bewerber, heute noch deren drei: Viele Gewerbebetriebe müssen sich heute aktiv um Lehrlinge bemühen, so auch Malermeister Stefan Weber. Er erklärt, wieso er bei «Go for work» mitmacht.

Ruth Steiner
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Chef Stefan Weber mit Lernenden auf der Baustelle für das neue Alterszentrum Obere Mühle, Lenzburg.

Chef Stefan Weber mit Lernenden auf der Baustelle für das neue Alterszentrum Obere Mühle, Lenzburg.

Mario Heller

60 Bewerbungen erhielt Malermeister Weber vor zehn Jahren auf die Ausschreibung für eine freie Lehrstelle. Der heutige Chef des Lenzburger Familienbetriebes, Stefan Weber, muss sich mit deren drei begnügen. Maler zu lernen ist für die Jungen heutzutage offensichtlich wenig reizvoll und gehört zu jenen Gewerben, die mehr und mehr Mühe bekunden, ihre Lehrstellen überhaupt zu besetzen.

Das Projekt «Go for work» ist für den 30-jährigen Jung-Unternehmer Weber deshalb «ein einfacher und guter Weg, wie Schülerinnen und Schüler im Berufsfindungsprozess in Kürze einen Einblick in ein Berufsbild erhalten und feststellen können, ob der Beruf zu ihnen passt.»

Der Gewerbeverein Lenzburg und Umgebung und die Regionalschule Lenzburg organisieren für die Schülerinnen und Schüler im 8. Schuljahr am 16. September einen Schnuppertag in verschiedenen Unternehmen in der Region. Man will ihnen die Möglichkeit geben, einen Beruf unverbindlich kennenzulernen, bevor sie dann ihre persönlichen beruflichen Weichen stellen müssen.

«Die Schüler können sich heutzutage oftmals gar nicht genau vorstellen, was sich hinter einem Berufsbild konkret versteckt», sagt Markus Jägle. Der Schnuppertag, bei dem im Betrieb auch Hand angelegt werden kann, soll dies ändern. «Es gibt dem Schüler zudem die Möglichkeit, zu einem unverbindlichen Erstkontakt mit einem potenziellen Ausbilder», ergänzt Patrick Iseli. Er ist zusammen mit Markus Jägle beim Gewerbeverein für das Projekt verantwortlich. Im letzten Jahr war es zum ersten Mal durchgeführt worden. 110 Schülerinnen und Schüler haben vom freiwilligen Angebot profitiert.

Das Gewerbe ist gefordert

Bisher machen 130 Betriebe am Schnuppertag am 16. September mit. Jägle hofft, dass es am Schluss etwa 170 Unternehmen sein werden. Noch sind beim Gewerbe nicht alle mit im Boot: In Zeiten knapper Ressourcen ist die Bereitschaft nicht überall da, Zeit einzusetzen, wenn der Schüler von seiner beruflichen Zukunft noch weit entfernt ist. Ein Argument, das Malermeister Weber nicht gelten lässt. «Das Gewerbe muss den Tag einfach als Investition sehen», sagt Stefan Weber. «Wir tun das für uns und unseren Nachwuchs, sonst haben wir in zehn Jahren keinen mehr.»

Weber ist es ein Anliegen, dass auch gute Schüler diese Chance ergreifen und sich am Schnuppertag von der praktischen Arbeit begeistern lassen. «Man kann auch über eine Berufslehre Karriere machen.» Er hat sich nach der Grundausbildung bis zum eidg. dipl. Malermeister weitergebildet und auswärts die Sporen abverdient, bevor er den elterlichen Betrieb übernommen hat. Hier haben seit Bestehen rund einhundert junge Berufsleute das Malerhandwerk erlernt.

An der Bez ist Trend feststellbar

Dass es nicht unmöglich ist, leistungsstarke Schüler für eine Berufslehre zu gewinnen, wird vonseiten der Schulleitung der Regionalschule Lenzburg bestätigt. Dort heisst es, dass sich an der Bezirksschule ein Trend abzeichne und dass eine praktische Ausbildung in den letzten Jahren für Bez-Abgänger zunehmend eine gute Alternative zum schulischen Weg darstelle. Eine Chance, welche das Gewerbe nutzen und den jungen Menschen auch die Entwicklungsmöglichkeiten in der Branche aufzeigen sollte.

Zu den Trendberufen gehören Informatiker/Mediamatiker und der Gesundheitsbereich. «Letztes Jahr haben wir fast einen ‹Hoselupf› gemacht, auf allen möglichen Kanälen nach Firmen gesucht, um den Schülern die gewünschten Berufsbilder zeigen zu können», sagt Markus Jägle. Deshalb ist man froh um die Unterstützung durch den «Lebensraum Lenzburg Seetal» (LLS). Deren Geschäftsführer Jörg Kyburz ist jedoch überzeugt, dass die tragende Rolle weiterhin den lokalen Gewerbevereinen und dem Gewerbe selber zukommt, soll dem Projekt der gewünschte Erfolg beschieden sein.

Eine Meinung, die Jungunternehmer Weber stützt. Sein 10-Mann-Betrieb gibt bei «Go for work» vier Schülerinnen und Schülern Gelegenheit, den Pinsel selber in den Farbkübel zu tauchen. Und zwar auch jenen, die im Moment mit dem Malerberuf noch nicht viel am Hut haben.