Othmarsingen
Nur noch Feinschliff fehlt: Hier erhalten bis 80 Jugendliche eine «Riesenchance»

Die Realisierung des Heilpädagogischen Zentrums für Werkstufe und Berufsbildung (HZWB) in Othmarsingen ist angelaufen: Das kantonale Departement für Bildung, Kultur und Sport (BKS) hat die letzte Projektphase freigegeben.

Carla Stampfli
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Karin Marti (links), die Leiterin des Geschäftsbereichs Schule und Therapie der Stiftung Schürmatt, mit der neuen Projektleiterin und künftigen Schulleiterin des HZWB Othmarsingen, Andrea Capol-Kofmel. Carla Stampfli

Karin Marti (links), die Leiterin des Geschäftsbereichs Schule und Therapie der Stiftung Schürmatt, mit der neuen Projektleiterin und künftigen Schulleiterin des HZWB Othmarsingen, Andrea Capol-Kofmel. Carla Stampfli

Nun steckt die Leiterin des Zentrums, die Stiftung Schürmatt in Zetzwil, mitten in den Detailplanungen für den Start. Denn ab dem Schuljahr 2015/2016 werden bis zu 80 Jugendliche aus den Heilpädagogischen Schulen Aarau, Bremgarten, Döttingen, Lenzburg, Wettingen, Windisch, Wohlen und Zetzwil das HZWB besuchen. In zwei Schuljahren werden 15- bis 18-Jährige mit einer Intelligenzminderung auf die erstmalige berufliche Eingliederung vorbereitet.

«Wir sind unter anderem daran, das pädagogische Konzept zu schreiben, das Personal zu rekrutieren und die Stundenpläne festzulegen», sagte Karin Marti, Leiterin des Geschäftsbereichs Schule und Therapie der Stiftung Schürmatt.

Anlässlich eines Austausches mit verschiedenen Ausbildungsstätten für Jugendliche mit geistiger Behinderung im Einzugsgebiet des HZWB informierte Marti über die aktuellen Entwicklungen des Projekts.

An der Informationsveranstaltung, an denen Leitungspersonen und Ausbildungsverantwortliche anwesend waren, stellte sie auch die neue Projektleiterin sowie künftige Schulleiterin des HZWB Othmarsingen vor: Andrea Capol-Kofmel. Sie folgt auf Ernst Meier, der per Ende September die Stiftung verlässt.

Berufliche Integration im Fokus

Damit der Übergang von der Schule in den Arbeitsmarkt möglichst gut gelingt, sollen die Jugendlichen während der beiden Schuljahre regelmässig Praktika besuchen. «Das Herausgehen in die Gesellschaft ist von Bedeutung. Denn die Jugendlichen sollen das, worauf sie sich vorbereitet haben, bereits einmal erlebt haben», sagte die neue Projektleiterin. Hiernach sollen sich auch die Lehrer aktiv für die Praktika einsetzen.

«Es ist uns ein Anliegen, dass die Jugendlichen in viele verschiedene Ausbildungsstätten hineinschauen können. Sie sollen erfahren, wo ihre Ressourcen liegen und lernen, konzentriert, zuverlässig und ausdauernd entsprechend ihrer Möglichkeiten Ziele zu erreichen», sagte Karin Marti.

Offenheit und Transparenz

Auch wolle man sich wiederholt mit den Stätten austauschen sowie mit externen Stellen wie Behörden und Schulpflegen zusammenarbeiten. Transparenz, Offenheit, Vielfalt und kreative Nutzung individueller Potenziale und Kompetenzen sollen eine tragende Basis sein.

Für die beiden Frauen stellt das Zentrum in Othmarsingen nicht nur eine «Riesenchance» für die Jugendlichen dar, sondern auch für die Arbeitgeber: Während es auf Heilpädagogischer Werkstufe bislang nur Klassen mit wenigen Schülern gab, werden es mit dem Start des neuen HZWB bis zu 80 Jugendliche sein. «Auf diese Weise bleiben die Arbeitgeber am Ball und behalten regelmässig den Kontakt mit uns», sagte Karin Marti. Denn Arbeitgeber könnten nun jährlich mehrere Jugendliche einstellen statt wie bisher nur einige wenige — wenn überhaupt.

In dieser letzten Projektphase stellt die Stiftung Schürmatt nun die verbliebenen Weichen, nimmt die Detailplanungen vor und legt den Zuweisungsprozess fest. Andrea Capol-Kofmel und Karin Marti zeigten sich an der Informationsveranstaltung erfreut, die Jugendlichen bald auf ihrem Weg in den Arbeitsmarkt begleiten zu können.