Hallwilersee
Nur fünf Windtage – trotzdem kämpfen Kitesurfer weiter

Aktive Sportler werben bei Politikern um Verständnis für ihre Passion auf dem Hallwilersee. Sie verlangen ein Probejahr, um zu zeigen, dass das Kite-Surfen unproblematisch sei auf dem Aargauer See.

Fritz Thut
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Karikatur zum Kitesurfen auf dem Hallwilersee.

Karikatur zum Kitesurfen auf dem Hallwilersee.

Swen

«Es ist nicht fair, dass wir, nur weil wir die Letzten sind, unseren Sport auf dem Hallwilersee nicht ausüben dürfen.» Trotz dem klaren Verdikt von 100 zu 24 Stimmen in der ersten Beratung durch den Grossen Rat kämpfen Aargauer Kitesurfer weiter darum, dass der Hallwilersee nach der generellen Kitesurf-Zulassung in der Schweiz keine Verbotsinsel bleibt.

Konkret geht es um das aargauische Einführungsgesetz zum Bundesgesetz über die Binnenschifffahrt, das der Grosse Rat am 5. Mai erstmals beraten hat. Der Bund will mit der geänderten Binnenschifffahrtsverordnung (BSV) das bisherige Verbot «des Fahrens mit Drachensegelbrettern» (wie das Kitesurfen auf Gesetzesdeutsch heisst) auf Mitte Februar 2016 aufheben.

Nur selten genug Wind

Auf dem Hallwilersee, dem einzigen Aargauer Gewässer, das für diese Sportart überhaupt infrage kommt, soll das Verbot wegen dem Natur-, Landschafts- und Vogelschutz sowie aus Sicherheitsbedenken weiter bestehen. Dies hat der Regierungsrat beantragt und der Grosse Rat vorerst so beschlossen.

Mit diesem für sie negativen Entscheid wollen sich die beiden aktiven Kitesurfer Marco Brun (Reinach) und Christoph Stirnimann (Beinwil am See) nicht abfinden. Sie kämpfen an verschiedenen Fronten, damit der grossrätliche Entscheid bei der zweiten Beratung, voraussichtlich im August, gedreht werden kann.

Christoph Stirnimann (links) und Marco Brun, Kitesurfer. «Wir bitten den Grossen Rat ja bloss um ein Probejahr, denn nur so können wir beweisen, dass Kitesurfen total unproblematisch ist.»

Christoph Stirnimann (links) und Marco Brun, Kitesurfer. «Wir bitten den Grossen Rat ja bloss um ein Probejahr, denn nur so können wir beweisen, dass Kitesurfen total unproblematisch ist.»

Fritz Thut

Nach eigenen Angaben hat es auf dem Hallwilersee nur selten, «an etwa 5 Tagen im Jahr, vorwiegend im Spätherbst und Winter», genügend Wind, um kitesurfen zu können. Lohnt sich der grosse Einsatz für lediglich fünf Gelegenheiten? «Das haben wir uns auch schon gefragt, aber uns geht es ums Grundsätzliche», so die Antwort.

Für Brun und Stirnimann geht es hier um «ein Gesetz, das es gar nicht braucht». Von den kantonalen Stellen und den Verbotsbefürwortern fühlen sich die beiden falsch verstanden; alle vorgebrachten Argumente könnten sie widerlegen, hielten sie an einer Medienorientierung im Meisterschwander «Delphin» fest. Zur zusätzlichen Belastung des an schönen Sommertagen ohnehin schon überstrapazierten Hallwilersees würden sie nicht beitragen: «Wir gehen nur bei Starkwind raus, wenn sonst niemand am oder auf dem See ist», so Brun.

Um die raren Starkwinde nützen zu können, führen die Kitesurfer ihre Fahrmanöver in der Seemitte aus. Die sensiblen Uferzonen würden nicht tangiert. «Kitesurfen ist eine der umweltfreundlichsten Sportarten überhaupt», ist Brun überzeugt. Das kleine Board unter den Füssen mache sie «extrem gut manövrierfähig».

Referendum wird erwogen

Auf jeden Vorbehalt der Verbotsbefürworter haben die Kitesurf-Vertreter eine Antwort. «Wir wollen nur eine Gleichberechtigung mit anderen Wassersportlern, etwa den Seglern. Man hat uns bei der Anhörung nicht ernst genommen», begründen sie ihr neuerliches Engagement – auch auf dem politischen Parkett. In der Mittagspause des nächsten Sitzungstages am kommenden Dienstag laden die Vertreter vom Kitesurf-Club Schweiz die Grossräte zu einer Informationsveranstaltung ein.

Sollte das Verbot im Spätsommer gleichwohl bestätigt werden, erwägen die Kitesurf-Exponenten die Möglichkeit eines Referendums, um das Volk entscheiden zu lassen. «Uns geht es ums Prinzip der Fairness», so Stirnimann. Und sein Kollege Brun wird konkreter: «Wir bitten den Grossen Rat ja bloss um ein Probejahr, denn nur so können wir beweisen, dass Kitesurfen total unproblematisch ist.» Ein solches Probejahr läuft gegenwärtig auf dem Zürichsee.