Rupperswil

Nun soll es definitiv werden: Erneute Abstimmung um Tempo 30

Pro-Komitee: Michael Frei, Hans Berger, Rodrigo Salgado, Lukas Meier, Boris Annaheim und Claudio Gygax (v. l.). Es fehlt: Reto Parolini.

Nach dem Referendum im Sommer stimmt Rupperswil noch einmal ab. Die Befürworter gehen in die Offensive.

Soll man in Rupperswil innerorts nur noch 30 fahren dürfen? Darüber stimmen die Bürger am 20. Oktober ab. Eigentlich haben sie das bereits gemacht, am 7. Juni an der Gmeind. Und sie sagten Ja.

Ja zu Tempo 30 auf allen Quartierstrassen. Lange hielt dieser Entscheid nicht: Die Gegner konterten mit dem Referendum. Und erzwangen damit den Showdown in knapp drei Wochen.
Wer schon viele Jahre in Rupperswil wohnt, dürfte sich fragen: Hatten wir dieses Hin und Her nicht schon mal?

Richtig: Hatten sie. Am 3. März 2013 kam die Einführung von Tempo 30 bereits an die Urne. Zuvor hatten die Befürworter ein Referendum gegen das Nein der Gemeindeversammlung eingereicht. Letztlich blieb Tempo 30 mit 760 Ja- zu 988 Nein-Stimmen auf der Strecke. Danach ruhte das Thema.

Tiefe Gräben offenbarte der damalige Abstimmungskampf. Es wurde mit harten Bandagen gekämpft, beide Lager stritten unerbittlich – und unschön. Der Krach eskalierte, als Plakate des Pro-Komitees mit Spraydosen verunstaltet wurden.

Auf gescheiterte Initiativen folgt der erste Durchbruch

Die ganze Debatte mit am längsten verfolgt hat Hans Berger. Der Pensionär setzte sich schon vor sechs Jahren für Tempo 30 ein, und er tut es nach wie vor: in der IG Pro Tempo 30 Rupperswil.

Das siebenköpfige Team hat sich in der Zwischenzeit neu formiert. Neuzuzüger sind dabei, wie Rodrigo Salgado und Boris Annaheim. Die beiden haben Initiativen eingereicht, damit Autos zumindest in einzelnen Quartieren auf die Bremsen steigen müssen.

Bislang ohne Erfolg: Alle Vorstösse wurden abgewiesen. Trotzdem sagt Annaheim heute: «Rupperswil ist reif für Tempo 30.» Doch warum gerade jetzt?

Zu tun hat das mit der Schweizistrasse, im Nordosten des Dorfs. Eine Strasse mit Kindergarten am einen, und einem Kieswerk am anderen Ende. Vor kurzem beschloss der Gemeinderat dort verkehrsberuhigende Massnahmen.

Die Anwohner würden leiden, sagt Annaheim. Unter Lärm und gefährlichem Verkehr. «Ständig mussten sie sich beschweren. Irgendwann wurde der Druck zu gross, und der Gemeinderat hat reagiert.»

Andere Strassen seien ebenfalls betroffen, sagt Rodrigo Salgado. Er nennt etwa die Aarestrasse, die Käterlistrasse, die Lenzhardstrasse und den Lottenweg. «Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es in weiteren Quartieren Vorstösse gibt.»

Dann könne man die Geschwindigkeit ja gleich flächendeckend reduzieren, findet Salgado. «Das käme günstiger». Für die Einführung von Tempo 30 veranschlagt der Gemeinderat Kosten von knapp 184 000 Franken. Eine schrittweise Etappierung mit Verkehrsberuhigungen könnte fast doppelt so teuer werden, schätzt man beim Pro-Komitee.

Alles wiederholt sich – auch die Vorwürfe

Zieht man als Vergleich 2013 heran, wird klar: Die Argumente von Befürwortern und Gegnern sind immer noch die selben. Kürzere Bremswege, Vernunft und Sicherheit im einen Lager, Eigenverantwortung, Freiheit und Selbstbestimmung im anderen.

Auch in einem weiteren Punkt ähneln sich die Vorzeichen: Auf die Gegenseite ist niemand wirklich gut zu sprechen. Vor sechs Jahren hätten Tempo-30-Gegner ihnen etwa vorgeworfen, ihr Referendum verletze den Volkswillen, erzählt Berger. «Und was ist dieses Jahr passiert? Sie machen genau das Gleiche.»

Mit «sie» meint Berger jene, die alles beim Alten lassen wollen. Viele würden in ruhigen Strassen leben, wo kaum mal ein Auto durchfahre. Von ihnen vermisst Berger Solidarität. Für diejenigen, die an den grossen Achsen wohnen.

Am liebsten wäre es ihm, wenn sich einige am 20. Oktober aus Rücksicht enthalten, oder aus Perspektive der Betroffenen stimmen.

Den Gemeinderat haben die Befürworter auf ihrer Seite, im Wahlzettel ruft er Tempo 30 zur Empfehlung aus. Trotzdem geht das Pro-Komitee im Abstimmungsendspurt in die Offensive. Seit Freitag liegen Flyer in den Rupperswiler Haushalten, in Facebook-Gruppen (auch jener der Gegner) soll die Diskussion mit Kommentaren angekurbelt werden.

Auf Fakten wolle man setzen, sagt Hans Berger. Nicht auf Emotionen. Damit die Stimmung nicht wieder überschwappt.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1