Othmarsingen
Nun gibts eine Berufsvorbereitung für lernbehinderte Jugendliche

Am Montag nimmt das Heilpädagogische Zentrum mit 54 Schülern den Betrieb auf. Diese werden in sogenannte Bildungsgruppen eingeteilt, jedoch soll jeder Schüler seine Fähigkeiten optimal nutzen können.

Fritz Thut
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Der Othmarsinger Vizeammann Hans Rätzer, Stiftung-Schürmatt-Direktor Werner Sprenger und Schulleiter Heinz Linder auf der Baustelle des neuen Heilpädagogischen Zentrums für Werkstufe und Berufsvorbereitung.

Der Othmarsinger Vizeammann Hans Rätzer, Stiftung-Schürmatt-Direktor Werner Sprenger und Schulleiter Heinz Linder auf der Baustelle des neuen Heilpädagogischen Zentrums für Werkstufe und Berufsvorbereitung.

Fritz Thut

Noch wuseln Handwerker in der Othmarsinger Schulanlage Zelgli herum; die Sanierungsarbeiten, die die Gemeinde rund 8 Millionen Franken kosten, biegen auf die Zielgerade ein.

Ab nächstem Montag werden hier 54 Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren aus acht Aargauer Bezirken von 13 Betreuern und Lehrpersonen auf ein selbstständiges Berufs- und Gesellschaftsleben vorbereitet.

Das Besondere: Bei den Jugendlichen handelt es sich grossmehrheitlich um Abgänger von Heilpädagogischen Schulen (HPS); alle haben eingeschränkte kognitive Fähigkeiten und kommen deshalb für eine übliche Lehre nicht in Betracht.

Ein Pionier-Projekt

Das Othmarsinger Heilpädagogische Zentrum für Werkstufe und Berufsvorbereitung, die unhandlich lange offizielle Bezeichnung wird mit HZWB abgekürzt, ist in diesem Bereich ein landesweites Pionier-Projekt. Bislang gab es für HPS- oder schwächere Realschul-Abgänger keine zielführende Übergangslösung.

Die Jugendlichen, die den zweijährigen HZWB-Lehrgang absolvieren können, müssen gemäss Heinz Linder, dem interimistischen Schulleiter gewisse Voraussetzungen mitbringen: «Es kommen nur Jugendliche infrage, die die Voraussetzungen für eine spätere berufliche Tätigkeit in Anlehre oder Werkstatt mitbringen.»

Ein konkretes Kriterium ist da beispielsweise: Die Jugendlichen müssen den Schulweg selbstständig bewältigen können. Keine leichte Aufgabe für die Schüler, die sich aus acht der elf Aargauer Bezirke (nicht dabei sind Zofingen, Laufenburg und Rheinfelden) rekrutieren.

Für einen HPS-Abgänger aus dem Bezirk Zurzach kann der Weg nach Othmarsingen mit dem öV schon eine Knacknuss darstellen.

Praktika in der eigenen Küche

Die 54 Pionierschüler werden in sieben hier Bildungsgruppen genannte Klassen aufgeteilt. Dieser Rahmen wird jedoch häufig durchbrochen: «Wir bieten ein Kurssystem, bei dem alle gemäss ihren Talenten und Defiziten wählen können», so Linder.

Neben Blöcken wie Mathematik, Gastronomie, Gebäudeunterhalt findet man auch den Begriff Lebenswegplanung auf dem Stundenplan.

Praxistage, Berufsberatung oder das Einbinden in Junior-Firmen bilden weitere Eckpunkte der Ausbildung. Betriebsinterne Praktika in den Bereichen Betriebsunterhalt und Gastronomie ermöglichen das intensive Schnuppern in möglichen späteren Berufsfeldern.

Eine von der Trägerorganisation, der Stiftung Schürmatt, ausgerüstete professionelle Gastroküche beliefert die in der alten Turnhalle eingerichtete Mensa. Hier werden auch die Othmarsinger Mittagstisch-Schüler verpflegt und sorgen für einen Bezug zur Standortgemeinde.

«Wir haben hier von Anfang an das Wohlwollen der Bevölkerung gespürt», ist Werner Sprenger, der Direktor der in Zetzwil beheimateten Stiftung Schürmatt, froh über die «gute und pragmatische Zusammenarbeit mit den Othmarsinger Behörden».

Und die Gemeinde ist froh, dass auf Vermittlung kantonaler Stellen mit dem HZWB schnell eine Lösung für die nach dem Wegzug der Oberstufe freiwerdenden Schulräume gefunden wurde.

Für den Umbau und die ohnehin nötige Sanierung wurde gemäss dem zuständigen Vizeammann Hans Rätzer das grüne Schulhaus ausgehöhlt und «auf den Rohbaustatus zurückgesetzt». Der Mietvertrag mit der «Schürmatt» läuft – vorerst – über 15 Jahre.

Nun läuft der Schlussspurt des Innenausbaus. Der Bereich Unterricht ist am Montag bereit; die Küche und die Mensa in der umgebauten Turnhalle werden in vier bis fünf Wochen fertig.