Wettingen/Niederlenz
Note 5,5 – sie hat als beste Schnitttechnikerin der Schweiz abgeschlossen

Elisa Kalt aus Wettingen hat als beste Schnitttechnikerin der Schweiz abgeschlossen. Gelernt hat sie die Technik in Niederlenz. Im az-Interview sagt sie, wie man Schnitttechnikerin wird und für wen sie gerne in Zukunft arbeiten würde.

David Egger
Drucken
Teilen
Elisa Kalt mit ihrer Diplomarbeit, dem blauen Kleid ganz links im Bild. Auch das Kleid auf dem rechten Bild hat sie entworfen und gefertigt

Elisa Kalt mit ihrer Diplomarbeit, dem blauen Kleid ganz links im Bild. Auch das Kleid auf dem rechten Bild hat sie entworfen und gefertigt

AZ

Elisa Kalt ist gelernte Schneiderin (oder Bekleidungsgestalterin auf Neudeutsch). Und die 26-Jährige ist die Beste aller 17 Schweizer Schnitttechnikerinnen, die Mitte Juli ihren Abschluss feierten: Kalt erreichte die Note 5,5.

Das Diplom für den dreijährigen Studiengang «Technikerin Fashion Design & Technology» wird nur von der Schweizer Textilfachschule an der Hallwylstrasse in Zürich vergeben.

Die Lehre hat Elisa Kalt beim Atelier Mode Elle des Niederlenzer Berufsbildungszentrums absolviert, wo sie heute als Assistentin der Betriebsleiterin Heidi Frey Leitch arbeitet.

Kalt wohnt in Wettingen, arbeitete auch schon als Modeberaterin in einem Aarauer Jeansladen und war Praktikantin des Zürcher Labels «Amok». Ihr Erfolg ist Grund genug, sie während ihrer Ferien im Tessin anzurufen.

Frau Kalt, pro Jahr werden rund 20 Schnitttechnikerinnen ausgebildet. Sie sind die Beste. Reissen sich die Arbeitgeber schon um Sie?

Elisa Kalt: Nein, in der Schweizer Textilbranche gibts nur wenige Stellen. Der Einstieg in die Branche läuft über Praktika.

Vermutlich Tieflohn-Praktika. Obwohl ihre Ausbildung fast 5000 Franken pro Halbjahr kostete.

Schneiderin wird man nicht wegen des Geldes. Man muss wirklich gern Kleider entwerfen und herstellen. In der Freizeit nähe ich auch für mich selber, meistens Kleider aus Jersey-Stoffen.

Was gefällt Ihnen an der Arbeit?

Mir ist es wichtig, mich auf die Arbeit zu freuen, wenn ich am Morgen erwache. Jeder Tag ist anders. Die Kunden, Stoffe, Techniken und Designs ändern sich laufend. Das macht es vielseitig.

Angenommen, ein Billigkleiderladen fragt Sie an, ob Sie für einen Traumlohn die nächste Kollektion entwerfen wollen. Nehmen Sie an?

Ich arbeite als Schneiderin und weiss darum, wie viel Arbeit auch hinter einer einfachen Hose steckt. Wenn man das weiss und dann den tiefen Preis sieht, merkt man, dass in Bangladesch oder wo auch immer jemand nicht den Lohn erhält, den er verdient hätte.

Wo würden Sie gerne arbeiten?

Ich bin erst ein Jahr lang Assistentin bei «Mode Elle». Dort will ich vorerst bleiben. Aber Funktionskleidung zu designen, zum Beispiel für Mammut oder Odlo, würde mir gefallen. Dort arbeitet man mit speziellen Stoffen. Für meine Diplomarbeit habe ich auch Kleidungsstücke mit Softshell-Stoffen hergestellt. Zudem arbeitet man für Funktionskleidung immer wieder mit anderen Techniken, zum Beispiel mit einer Schweissmaschine, um wasserdichte Nähte herzustellen.

Und was schneidern Sie im Atelier Mode Elle in Niederlenz?

Vor allem massangefertigte Kleider. Wir erfüllen die Wünsche der Kundinnen. Ein Kleid kostet dann zwar mehrere hundert Franken, dafür sitzt es perfekt und hält jahrelang. Zurzeit ist ein Trend erkennbar, dass die Leute bereit sind, Kleider zu kaufen, die sie mehrere Saisons lang tragen können. Zudem haben wir auch eine kleine
Kollektion mit herkömmlichen Kleidergrössen.

Aktuelle Nachrichten