Der Lindwald in den Gemarkungen von Lenzburg, Othmarsingen und Niederlenz ist steinreich. Die Sage sagt, dass hier im «Gufenstädtli» einst ein abscheulich entartetes Volk wohnte und von Gott dafür mit einem Feuer- und Steinregen vernichtet wurde. Der Lenzburger Geologe Hans-Peter Müller vermutet, dass die Steine vor 180 Millionen Jahren vom Reussgletscher in unsere Gefilde getragen wurden. So auch der tonnenschwere steinharte Quarzit, den man im Othmarsinger Bann fand.

Vor drei Jahren wurde im Zusammenhang mit dem Waldinformationsprojekt der Forstdienste Lenzia auf 413 Metern über Meer der Berggipfel von Niederlenz ermittelt und 2015 mit dem Findling aus dem Nachbardorf gekrönt. Statt auf bürokratischem Weg wurde der Stein damals mit einer an Frevel grenzenden Entführung über die Grenze geholt. Jedenfalls wurde der Diebstahl in Othmarsingen ruchbar. Obwohl dies keine diplomatischen Trübungen zur Folge hatte, sah sich Niederlenz jetzt zu einer versöhnenden Geste genötigt: einem Steinfest.

Am Steinfest haben die drei Nachbargemeinden auf Einladung nach Verursacherprinzip die guten Beziehungen gefestigt. Beim «corpus delicti» im Bollhölzli, dem kleinen Niederlenzer Waldstück südlich der Autobahn, gaben sich Jürg Link, Gemeindeammann von Niederlenz, Hans Rätzer, Vizeammann von Othmarsingen, und der Lenzburger Stadtrat Martin Stücheli die Hand. Der Findling steht hart auf der Grenze zu Lenzburg am Waldrand, das zugehörige Bänkli auf Lenzburger Boden. Dorfhistoriker Willi Bürgi, Präsident der Niederlenzer Landschaftskommission, führte die Delegierten der drei Gemeinden durch den Wald zur Hütte beim grössten Findling, dem Römerstein, wo trotz des Steins des Anstosses auf gute Nachbarschaft angestossen wurde. Und der Himmel sandte statt Steine seinen Segen, reichlich mit dem lang ersehnten Regen, auf den Schauplatz. Ende gut, alles gut.