Niederlenz
Niederlenzer Gemeindeammann Maurice Humard tritt zurück

Nach 20 Jahren im Gemeinderat, 16 davon als Gemeindeammann, tritt Maurice Humard Ende 2013 zurück. Im Interview spricht er über seine Zukunft, die zeitliche Belastung als Gemeindeammann – und die Wunden, die anonyme Vorwürfe hinterlassen haben.

Pascal Meier
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Maurice Humard.HO

Maurice Humard.HO

Herr Humard, sind Sie amtsmüde?

Maurice Humard: Davon kann keine Rede sein. 20 Jahre im Gemeinderat sind aber eine lange Zeit – und ich spüre schon, dass die Energie nachlässt. Dies ist aber nicht der Hauptgrund für meinen Rücktritt auf Ende Jahr. Ich habe die Möglichkeit, die Leitung unseres Alters- und Pflegeheimes zu übernehmen, wo ich seit 2011 Co-Leiter bin.

Ist es nicht möglich, neben diesem Vollzeit-Job Gemeindeammann zu bleiben?

Humard: Nur, wenn man auf vieles verzichtet, zum Beispiel auf Freizeit und Familienleben. Das Amt des Gemeindeammanns ist in den vergangenen Jahren auf ein 30- bis 40-Prozent-Pensum angewachsen. Es braucht immer mehr Engagement und Professionalität; ein Handschlag zur Einigung reicht schon lange nicht mehr und die Arbeit eines Gemeinderates wird deutlich mehr kritisiert und hinterfragt als früher. Was einst ein Ehrenamt war, ist heute ein Managerjob.

Das tönt etwas verbittert.

Humard: Überhaupt nicht. Dies ist eine Feststellung. Es waren spannende und lehrreiche Jahre im Gemeinderat, die ich nicht missen möchte. Und es wird für mich auch nicht einfach, nach 20 Jahren aufzuhören.

Der Gemeinderat war 2012 von einer anonymen Gruppe der Korruption beschuldigt worden. Bewiesen wurde dies nicht und die Urheber sind bis heute unbekannt. Treten Sie auch deshalb zurück?

Humard: Am Rande hat das auch eine Rolle gespielt. Es ist schade, mit etwas so unerfreulichem konfrontiert zu werden. Das hat Wunden hinterlassen. Es handelt sich jedoch um Einzelpersonen, die anonym operieren. Insgesamt habe ich in all den Jahren viel positives erlebt. Und nur das zählt.

Welche Bilanz ziehen Sie denn über die vergangenen 20 Jahre?

Humard: Ich stolz auf das, was aus Niederlenz geworden ist. Wir haben einen gut funktionierenden Gemeinderat mit langjährigen Mitgliedern und ein gutes Einvernehmen mit der Bevölkerung. Zudem konnten wir das finanzielle Fiasko bewältigen, das wegen der vorübergehenden Auszonung der «Millionenmatte» im Lenzhard entstanden war. Finanziell bleibt die Lage aber angespannt, unter anderem wegen des Renovations- und Erweiterungsbedarfs an Schulraum.

Ihr Nachfolger hat also alle Hände voll zu tun.

Humard: Ja. Niederlenz wächst und stösst an Grenzen. Gleichzeitig nimmt in der Bevölkerung die Bereitschaft ab, sich zu engagieren. Mir ist es deshalb wichtig, dass meine Nachfolge gut geregelt ist. Es braucht jetzt Kontinuität; am besten aus den Reihen des heutigen Gemeinderates.