Niederlenz
Niederlenzer Berufsbildungszentrum muss Schule schliessen

Nicht nur dem KV Lenzburg droht das Aus. Der Kanton schliesst auch den Schulbetrieb im Berufsbildungszentrum (BBZ) Niederlenz. Im Gegensatz zur KV-Schule hat sich dieser Schritt jedoch abgezeichnet.

Ruth Steiner
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Noch büffeln die angehenden Zierpflanzengärtner die Theorie in den eigenen Schulräumen des BBZ Niederlenz.

Noch büffeln die angehenden Zierpflanzengärtner die Theorie in den eigenen Schulräumen des BBZ Niederlenz.

zVg

Sinkende Schülerzahlen (aktuell 39) führten in den vergangenen Jahren zu einer tieferen Auslastung der Schulräume des Berufsbildungszentrums Niederlenz (BBZ). Zuletzt waren es im Durchschnitt noch 40 Prozent. Damit markierte Niederlenz im Reigen der kantonalen Bildungs-Institutionen bei einer kürzlichen Erhebung weit abgeschlagen das Schlusslicht.

Für die Verantwortlichen des BBZ kommt das Verdikt aus Aarau nicht überraschend, bestätigt Schulvorstandspräsidentin Priska Stalder. Es hat jedoch weitreichende Konsequenzen für den Zierpflanzengärtner-Nachwuchs. Sie erhalten in Niederlenz nur noch die praktische Ausbildung. Zur Schule müssen sie ins künftige Kompetenzzentrum für die grünen Berufe in Zofingen oder Brugg. In Kraft gesetzt wird das neue Konzept auf das Schuljahr 2017/18.

Für die Schulvorstandspräsidentin bedeutet die Einstellung des Schulbetriebs einen weiteren Meilenstein im Änderungs-Prozess, in welchem sich das BBZ befindet. «Wir machen uns seit einiger Zeit Gedanken über die Zukunft der Institution. Der Kanton hat nun in einem wichtigen Punkt Klarheit geschaffen», sagt Stalder.

Entscheid von grosser Tragweite

Das ist die Situation, wie sich im Moment präsentiert. Doch, so wie es aussieht, kommt die Gartenbauschule wie die Institution im Volksmund auch noch Jahre nach der Umfirmierung in Berufsbildungszentrum genannt wird, nicht darum herum, sich in ihrem wichtigsten Standbein, der Ausbildung zum Zierpflanzengärtner so etwas wie neu zu erfinden. Und zwar aus folgendem Grund: «Der klassische Zierpflanzengärtnerberuf steckt in der Sackgasse. Es gibt kaum Jobs und keine Weiterbildungsmöglichkeiten», weiss Priska Stalder. Die grüne Branche habe es verpasst, das Berufsbild den sich verändernden Bedürfnissen anzupassen. Nur wenige wollten heute noch Zierpflanzengärtner lernen.

Ein wegweisender Eckpfeiler für das BBZ ist laut Stalder das Gespräch mit dem Kanton über die Erneuerung des Rahmenvertrages für die praktische Ausbildung. Die Verhandlungen sind auf Ende Sommer angesetzt. Über den möglichen Ausgang will Stalder sich jetzt nicht äussern. «Das wäre alles rein spekulativ», sagt sie. Dieser Entscheid wird für das BBZ von grosser Tragweite sein. «Die Zukunft der Werke Niederlenz kann erst dann definitiv festgelegt werden», sagt Stalder. Auf alle Fälle sind tiefgreifende strukturelle Anpassungen und eine umfassende Sanierung der Infrastruktur nötig.

Betrieb muss saniert werden

Das aktuelle Ausbildungskonzept ist mit der neuen Ausrichtung wohl zur Makulatur geworden. Mit dem integrierten Schulunterricht kann das BBZ heute auch leistungsschwächeren Schülern eine Ausbildung ermöglichen. Das etwas «exotische» Konzept wird mit einem externen Schulbetrieb kaum aufrechterhalten werden können.

Zudem müssen die Gebäude saniert und der Betrieb modernisiert werden. Nicht nur die Schulräume, auch das institutionseigene Internat ist seit Jahren unterbesetzt. Priska Stalder betont jedoch, man sei im Schulvorstand nicht untätig geblieben und habe nach Lösungen gesucht, um die betriebswirtschaftlichen Folgen aus der sinkenden Schülerzahl abzufedern. So werden leerstehende Schulräume tageweise untervermietet. Und es ist den Verantwortlichen gelungen, die überbetrieblichen Kurse und Qualifikationsverfahren (Abschlussprüfungen) der grünen Branche nach Niederlenz zu holen.

In den Werken Niederlenz werden nebst den Zierpflanzengärtnern auch noch Floristen und Bekleidungsgestalter ausgebildet. Sie gehen bereits heute extern zur Schule.

Über die Zukunft des BBZ entscheidet letztlich dessen Trägerorganisation. Das ist der SGF Dachverband Schweizerischer Gemeinnütziger Frauen. Deren Präsidentin ist ebenfalls Priska Stalder.