Niederlenz
Wahlpodium zu Kampfwahlen in Niederlenz: Steuern senken oder attraktives Bauen fördern?

Ob Steuerfusserhöhung, falsche Bescheidenheit bezüglich der Gemeindeattraktivität oder die Wichtigkeit der Parteizugehörigkeit: Am Podium stellten sich die sieben Kandidierenden in Niederlenz teils provokanten Fragen.

Valérie Jost
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Die Bisherigen Rita Eigensatz (FDP), Toni Grob (parteilos) und Ammann Jürg Link (SP) sowie die neu Kandidierenden Ariane Bhunjun-Fankhauser (SP), Claudia Kull-Meyer (SVP), Daniel Bucher (SVP) und Remo Gspandl (parteilos mit Sympathien zur Bürgerlichen, v.l.).

Die Bisherigen Rita Eigensatz (FDP), Toni Grob (parteilos) und Ammann Jürg Link (SP) sowie die neu Kandidierenden Ariane Bhunjun-Fankhauser (SP), Claudia Kull-Meyer (SVP), Daniel Bucher (SVP) und Remo Gspandl (parteilos mit Sympathien zur Bürgerlichen, v.l.).

Valérie Jost

Im Gegensatz zu anderen Gemeinden sind die Stimmberechtigten in Niederlenz am 26. September in einer fast schon luxuriösen Situation: Sie können für die fünf Gemeinderatssitze aus sieben Kandidierenden auswählen, darunter drei Bisherige und vier Neue.

Vorgestern organisierte der Gewerbeverein ein Wahlpodium, an dem sich alle Kandidierenden der Bevölkerung vorstellten. Mit rund 70 Anwesenden war der Saal in der Gemeindebaute besser gefüllt als erwartet.

Auch wenn der Fokus auf den politisch weniger bekannten Neuen lag, erhielten auch die drei Bisherigen nochmals die Chance, sich zu präsentieren. Als erstes Ammann Jürg Link, der nach 16 Jahren im Gemeinderat (davon acht als Ammann) für eine weitere Legislatur antritt. Ob es ihm nicht verleide, fragte ihn SRF-Journalist Maurice Velati, der den Abend moderierte. «Überhaupt nicht, es macht Spass, etwas zu bewegen», antwortete Link.

Die beiden anderen Bisherigen, Rita Eigensatz und Toni Grob, kandidieren neben dem Gemeinderatsamt auch als Vizeammann; der momentane Vize, Heiri Zobrist, tritt nicht mehr an. Warum sie das Amt wollen? «Es ist weniger der Gedanke an einen Aufstieg, ich finde einfach, ich würde mich als Vizeammann eignen», so Grob. Eigensatz schloss sich dieser Aussage an. Konkurrenzgedanken scheint die Doppelkandidatur nicht geschürt zu haben; beide sagten, den jeweils anderen auch als Vize zu sehen.

Mehr als der «Wurmfortsatz von Lenzburg»

Auch die Neuen äusserten sich zur ihrer Motivation. Claudia Kull, die in Niederlenz die SVP-Ortspartei präsidiert, ist es etwa wichtig, «dass die SVP weiterhin im Gemeinderat vertreten bleibt». Ihr Parteikollege Daniel Bucher stellt jedoch klar: «Auch wenn wir natürlich das SVP-Gedankengut haben, ist Niederlenz immer wichtiger als das Parteibuch.» Dasselbe sagte Ariane Bhunjun, die für die SP antritt: «Die Partei ist sekundär, zuerst kommt die Sache.» Und bei der Parteifrage präzisierte der parteilose Kandidat Remo Gspandl, seine Sympathien lägen tendenziell auf der bürgerlichen Seite.

Die Parteiorientierungen waren etwa bei den finanziellen Fragen spürbar. «Wir müssen schon schauen, was wir ausgeben und wie», fand Bucher. Eine Steuerfusssenkung als Ziel würde eigentlich zur SVP passen, doch sei allenfalls auch eine Erhöhung nötig – etwa, wenn die Kiesgrube leer ginge. Ammann Link gab zu bedenken, dass viele Kosten, etwa Gesundheit oder Soziales, kaum beeinflussbar seien. Und zum Steuerfuss: «Mit 117 Prozentpunkten stehen wir nicht so schlecht da.»

Gspandl wandte hier ein, dass Niederlenz Gutverdienende wenig anziehe. Dazu sagte Bhunjun: «Mit Steuerfusserhöhungen machen wir das Problem schlimmer. Stattdessen sollten wir die Bau- und Nutzungsordnung so ausrichten, dass moderne, attraktive Siedlungen geschaffen werden können, die wiederum Gutverdienende anziehen.» Grob stimmte zu, gab aber zu bedenken, dass die Gemeinde neue Bauprojekte nicht komplett kontrollieren könne.

Bei diesem Punkt, der Attraktivität der Gemeinde, war man sich ansonsten einig: Als Moderator Velati bewusst provokant fragte, ob Niederlenz nicht einfach «der Wurmfortsatz von Lenzburg» sei, protestierten sowohl Publikum als auch Kandidierende. Sogar Gspandl, der erst seit einem Jahr in Niederlenz wohnt und die Gemeinde früher nur als Durchfahrtsort wahrnahm, fand: «Die Nähe zu Lenzburg ist ein attraktiver Punkt.» Und Bhunjun kritisierte einzig, dass Niederlenz sich ein bisschen verstecke: «Wir haben ein aktives Vereinsleben und machen viel für die Jugend, das dürften wir gegen aussen gern noch mehr zeigen.»

Die einzige Frage aus dem Publikum betraf die Schule und die baldige Umstrukturierung, da die Schulpflege abgeschafft wird. Von den Neuen gab einzig Bhunjun eine klare Präferenz für das Schulressort an: «Das wäre mein Wunschressort.» Kull, Gspandl und Bucher sahen sich aufgrund ihrer Erfahrungen weniger im Schulressort, würden sich bei einer Zuteilung aber einarbeiten.

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