Niederlenz
Trotz roter Zahlen: «Eine Steuerfuss-Erhöhung wäre verfrüht»

Das Budget 2022 zeigt ein Minus. Trotzdem will der Gemeinderat den Steuerfuss bei 117 Prozent belassen. Ausserdem entscheidet die Wintergmeind über vier neue Vollzeitstellen und 120'000 Franken Beteiligung an der Verlängerung der Ringstrasse Nord.

Valérie Jost
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Hier soll das neue Betreibungsamt einst einziehen: das Mühlegebäude in Niederlenz mit der Gemeindeverwaltung.

Hier soll das neue Betreibungsamt einst einziehen: das Mühlegebäude in Niederlenz mit der Gemeindeverwaltung.

Roland Solloso

«Die finanzielle Lage ist wirklich angespannt», sagte Ammann Jürg Link am Infoanlass vom Montagabend. Der Gemeinderat informierte die rund 30 Anwesenden über die drei grossen Themen der Wintergmeind vom 26. November – der Hauptbrocken war das Budget 2022, das einen roten Aufwandüberschuss von 200’400 Franken zeigt.

Im Vergleich zur Rechnung 2020 wird mit mehr als einer halben Million Franken weniger Steuerertrag gerechnet (-2,3 Prozent). Die Ausgaben steigen vor allem in den Bereichen Gesundheit (+19,6 Prozent) und Soziale Sicherheit (+12,1 Prozent). «Diese Punkte sind kaum beeinflussbar», so Link. Man habe jedoch bereits viele Sparmassnahmen getroffen, so übernimmt etwa die Ortsbürgergemeinde mehr als bisher (Schulprojektwochen, Jugendfest, Bibliothek, Lokalzeitung «Dorfgeischt»). Ein Teil der Massnahmen werde seine Wirkung erst noch zeigen: «Wir hoffen auf ein besseres Resultat als das, welches wir kalkuliert haben», so der Ammann. «Jetzt eine Steuerfusserhöhung zu beantragen, wäre deshalb eine verfrühte Übersteuerung.»

Gemeinde will 400 Stellenprozente mehr

Eine der Massnahmen ist die Reorganisation des Betreibungsamts per 2023, womit das für die Gemeinde defizitäre Sportelsystem abgeschafft würde (AZ vom 22. September). Per 2020 habe man zwar schon die Grundentschädigung pro Betreibung von 15 auf 5 Franken gesenkt, so Link. «Die Kosten sind jedoch weiterhin zu hoch.» Vor allem, da etwa Seon mit dem gemeindeinternen Amt sogar einen Ertrag erwirtschafte. Gemäss einer Berechnung könnte der Systemwechsel das Niederlenzer Budget um 99’000 Franken jährlich entlasten. Etwas Skepsis war bei den Anwesenden zu spüren: So verlangten zwei Votanten eine genauere Modellrechnung, die gemäss Link jedoch existiert und in die Gmeindsunterlagen kommt.

Für die Umstellung, bei der auch Möriken-Wildegg und Brunegg mitmachen, sind 300 Stellenprozente beantragt. Die bisherigen Betreibungsbeamten (an deren Arbeit man «nichts zu meckern» habe, so Link) dürfen sich bewerben, noch bevor die Stellen ausgeschrieben werden.

Eine weitere 100-Prozent-Stelle soll bei der Gemeindekanzlei entstehen: Die Verwaltung sei unter anderem wegen des Bevölkerungswachstums, des komplexer werdenden Sozialwesens und mit der Abschaffung der Schulpflege seit der letzten Anpassung 2009 mehr belastet. Zudem sollen der Stellenplan allgemein und das Personalreglement (seit 2002 in Kraft) überarbeitet werden. Bis Ende Monat werden die Angestellten dazu angehört.

120’000 Franken für die Ringstrasse Nord

Als Letztes wurde über den Gemeindeanteil an der Verlängerung der Ringstrasse Nord informiert, die auch in Lenzburg traktandiert ist (AZ vom 6. Oktober). Es geht um einen Projektierungskredit von 120’000 Franken, mit dem Niederlenz entsprechend den angeschlossenen Arbeitszonenflächen 21 Prozent (bis 2019 aufgelaufene Planungskosten) bzw. 24 Prozent (zusätzliche Planungskosten) tragen würde. «Niederlenz profitiert vom Projekt enorm, da es unter anderem unsere Hammermatte erschliesst», so Gemeinderat Thomas Hofstetter.

Ein Bus könnte zur Kletterhalle und dem neuen Turnzentrum fahren. Auch soll die «bolzengerade» Staufbergstrasse, die zur Missachtung von Tempo 30 einlade, umgestaltet werden. Zur Vorlage meldeten sich sehr viele Anwesende – etwa zum genauen Verlauf der Buslinien oder zum Veloweg über den Aabach. Die Diskussion dürfte an der Wintergmeind weitergehen.

An dieser geht es auch um drei Reglemente (Musikschule, Bau-Gebühren, Gebühren-Feuerwehr), zwei Kredite (Umlegung der Kanalisation am Brunnrain, genereller Entwässerungsplan GEP der 2. Generation) und fünf Kreditabrechnungen (Radwanderweg, Römerweg, ehemaliger Kugelfang, Kanalisationen Stampfimatt und alte Lenzburgerstrasse).

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