Niederlenz
Nach Sparkurs der Gemeinde: Aufgabenhilfe kann dank Sponsor weitergeführt werden

Als die Gemeinde Niederlenz die bewährte Aufgabenhilfe wegsparte, übernahm ein Sponsor die Löhne der heute neun Leiterinnen. Brigitt Angelini aus dem Team freut sich darüber sehr – wünscht sich aber auch, dass Auslastung und Zahlungsmoral der Elternbeiträge etwas besser wären.

Valérie Jost
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Brigitt Angelini (l.) und «Tschegi» Rudolf sind zwei der am längsten engagierten Leiterinnen der Aufgabenhilfe.

Brigitt Angelini (l.) und «Tschegi» Rudolf sind zwei der am längsten engagierten Leiterinnen der Aufgabenhilfe.

Valérie Jost

«Die finanzielle Lage ist wirklich angespannt», sagte der Niederlenzer Ammann Jürg Link letzten Oktober. So zeigt das Gemeindebudget 2022 ein Minus von 200’400 Franken. Doch der Gemeinderat hat bereits vor einiger Zeit Sparmassnahmen getroffen: So schlug ihm die Schulleitung unter anderem vor, auf die langjährige Aufgabenhilfe für Schulkinder von der 1. bis zur 6. Klasse zu verzichten.

Der Gemeinderat, der die verantwortlichen – damals elf – Frauen bis dahin entlöhnt hatte, folgte dem Vorschlag. Per Ende Januar 2021 wurden die Arbeitsverhältnisse aufgelöst, berichtete der «Dorfgeischt».

Sowohl Schulleitung als auch Gemeinderat sei der Entscheid «nicht leicht gefallen». Doch da mit dem Lehrplan 21 geplant sei, die Hausaufgaben in den Regelunterricht zu integrieren, sei der Entscheid «vertretbar», schrieb der Gemeinderat dazu.

Unerwartet einen Sponsor gefunden

Brigitt Angelini ist seit 30 Jahren im Team der Aufgabenhilfe. «Hier wird ein Angebot gestrichen, das einmal mehr die Schwächsten in unserem System trifft», sagte sie nach dem Entscheid gegenüber dem «Dorfgeischt». Mittlerweile möchte sie dazu nichts mehr sagen: «Das ist jetzt Wasser die Aare herunter, ich möchte niemanden kritisieren. Damals war einfach die Enttäuschung präsent.»

Doch diese ist nun Geschichte: Denn das Angebot konnte unerwartet weitergeführt werden. Ein Sponsor, der anonym bleiben möchte, übernimmt die Löhne der Verantwortlichen. «Es freut uns natürlich sehr, dass wir das Angebot so am Leben erhalten können.»

«Am Leben» ist der passende Ausdruck für die Aufgabenhilfe. Am Donnerstagnachmittag trudeln kurz nach 15 Uhr die ersten Kinder ein, Schultheks werden geöffnet, Jacken fliegen herum, aufgeregte Stimmen erfüllen das Zimmer.

Ein Mädchen muss den Buchstaben N üben, sie schreibt nacheinander: «malen», «Plan», «Melone». Ihr Bruder ist mit seinen Hausaufgaben schon fertig, er kommt dazu: «Schau, das T kannst du einfacher schreiben!» Nebenan übt ein Junge einen Dialog ein, Brigitt Angelini übernimmt die Rolle des Gegenübers.

Angebot soll reger genutzt werden

Was sich trotz des Ausstiegs der Gemeinde nicht geändert hat, ist der symbolische Beitrag der Eltern, so Angelini. Drei Franken pro Besuch ihres Kindes müssen sie übernehmen. Davon wird grösstenteils Material wie Schreibblöcke, Notizhefte und Schutzmasken gekauft. «Die Zahlungsmoral könnte aber besser sein», so Angelini. Teilweise müsse die Kassenverantwortliche Kleinstbeträgen nachrennen. «Das macht mich manchmal etwas traurig, schliesslich entlasten wir die Eltern.»

Die Aufgabenhilfe wird vom neunköpfigen Team (vor Ort sind jeweils zwei) am Montag, Dienstag und Donnerstag gleich nach Schulschluss und für rund zwei Stunden angeboten. Sie richtet sich speziell an zugezogene ausländische Kinder, aber auch Kinder aus Schweizer Familien sind dabei. Gemäss Brigitt Angelini sind momentan rund 20 Kinder angemeldet; je nach Tag kommen davon unterschiedlich viele. «Es würde mich sehr freuen, wenn unser Angebot noch reger genutzt würde. Damit wir es nicht irgendwann doch einstellen müssen.»

Da das ehemals gelbe (heute graue) Schulhaus renoviert wird, ist die Aufgabenhilfe momentan im roten Schulhaus einquartiert. Und gemäss Angelini wird das Angebot auch weiterhin hier stattfinden aus organisatorischen Gründen, um ein erneutes Zügeln zu vermeiden und «weil die Kinder so auf dem Heimweg direkt daran vorbeigehen, was sie allenfalls dazu bewegt, noch bei uns vorbeizukommen».

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