Staufen
Nick Alpiger: «Mit Abstand der grösste Moment meiner Karriere»

Der neue Kranzschwinger Nick Alpiger weiss, wem er seinen Erfolg am Eidgenössischen Schwingfest zu verdanken hat.

Ruth Steiner
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Nick Alpiger am Eidgenössischen
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Nick Alpiger zu Hause mit dem eidgenössischen Kranz: «Es ist ein unbeschreibliches Gefühl.»
Im 8. Gang kassiert Nick Alpiger (rechts) zwar gegen Samuel Giger eine Niederlage – den Kranz holt er sich trotzdem.
Nick Alpiger (links) im 5. Gang gegen Andi Imhof.

Nick Alpiger am Eidgenössischen

zvg

Freundin Larissa strahlt über das ganze Gesicht. Mehr als Nick Alpiger selber. Er freue sich innerlich, sagt er bescheiden. Am Eidgenössischen Schwingfest den Kranz holen, das sei sein erklärtes Ziel gewesen, dafür habe er alles gegeben, sagt er. Der junge Mann gibt sich selbstbewusst. «Ich bin nicht nach Estavayer-le-Lac gereist, um mitzumachen. Ich wollte den Kranz holen.» Lange haben die Nordwestschweizer auf Schwingernachwuchs warten müssen. Jetzt ist er da.

Am frühen Montagnachmittag ist die ganze Familie Alpiger heimgekehrt, das Auto vollgepackt mit Taschen als kämen sie von mehrwöchigen Ferien retour. Dabei waren sie nur wenige Tage weggewesen. Sie haben bei Bekannten in der Festregion übernachtet. Und die Nacht nach dem Fest ist, wen wundert’s, kurz gewesen. «Ich habe wenig, aber gut geschlafen.»

Als Bub Thürig nachgeeifert

Und wie fühlt man sich als «Eidgenoss»? Nullkommanichts hellt sich das Gesicht des jungen Schwingers auf und die Müdigkeit ist wie weggeblasen. «Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Mit Abstand der grösste Moment meiner Karriere.» Und die ist noch jung.

Nick Alpiger ist erst 19 Jahre alt. Trotzdem: Die acht Gänge sind dem jungen Mann schon etwas in die Knochen gefahren. Im Moment spüre er immer noch den ganzen Körper von den harten Kämpfen. Doch das spielt keine Rolle. Die Freude über das erreichte Ziel überdeckt jeden Schmerz. Am Sonntag trug er das Eichenlaub noch auf dem Kopf und präsentierte es stolz den Zuschauern in der Arena von Estavayer-le-Lac. Gemeinsam mit dem Möriker Mario Thürig, der ebenfalls gekränzt wurde. Jetzt liegt das nur wenige Gramm schwere, aber goldwerte Stück vor Alpiger auf dem Esstisch daheim in Staufen.

Als Jungschwinger hat Nick dem zwölf Jahre älteren Thürig nachgeeifert. «Er war mein grosses Vorbild.» Jetzt hat der Junge den Älteren im Klassement hinter sich gelassen. Alpiger winkt ab. Das spiele überhaupt keine Rolle, der Zusammenhalt im Team der Nordwestschweizer Schwinger sei sehr gross. Man unterstütze einander, freue sich mit über einen Sieg und mache einander nach einer Niederlage wieder Mut. In Estavayer-le-Lac haben sich die Nordwestschweizer zudem am Morgen jeweils zu einem gemeinsamen Einlauftraining getroffen.

Vom Publikum angefeuert

Auf dem Weg zum «Eidgenoss» ist Nick Alpiger achtmal in den Sägemehlring gestiegen. Nein, nervös sei er nicht gewesen. Ebenso habe ihm die Hitze wenig zu schaffen gemacht. «Ich habe Maurer gelernt. Wir arbeiten auf der Baustelle bei jeder Witterung draussen und sind uns Hitze und Kälte gewohnt.» Der erste Gang war ein gestellter. Für Alpiger war es jedoch ein «kleiner Sieg». Nötzli Bruno war auf dem Papier der stärkere Gegner. Anschliessend hat er dann nichts mehr anbrennen lassen. Gleich alle drei nächsten Gegner landeten auf dem Rücken im Sägemehl. Das war am Samstag. Auch am Sonntag endete der erste Gang gestellt.

Wiederum gegen einen stärkeren Gegner. Diesmal Imhof Andi. Zu Beginn habe er zwar voll angegriffen, erinnert sich Nick Alpiger. Als er jedoch realisierte, dass er ihn nicht packen könne, habe er taktiert. Auch diese Rechnung ist ihm letztendlich aufgegangen. Welches war der schwierigste Gang? Nick überlegt nicht lange. «Der siebte, da ging es um die Wurst. Ich wusste, wenn ich den gewinne, bin ich ‹Eidgenoss›.»

Der frischgekürte Schwingerkönig 2016 heisst Matthias Glarner.
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Matthias Glarner triumphiert.
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Ein kleiner Senn mit grossen Tieren.
Mario Thürig trägt Matthias Sempach
Es war der Kampf des Tages: Sempach (helles Hemd) gegen Orlik, Berner gegen Bündner. Sempach gewann, doch für Orlik ist alles offen.
Es war der Kampf des Tages: Sempach (helles Hemd) gegen Orlik, Berner gegen Bündner. Sempach gewann, doch für Orlik ist alles offen.
Siegermuni "Mazot de Cremo" wird auf einem Rundgang präsentiert
Die Zuschauer unter dem schattenspendenden Schirm
Andere Besucher nutzen die Mittagspause für ein kurzes Schläfchen
Christian Stucki erfrischt sich am Brunnen vor dem zweiten Gang.
Nicht nur die Schwinger brauchen Abkühlung
Sie sorgen dafür, dass der Sägemehlring perfekt ist.
Die Spydercam liefert spektakuläre Bilder von oben.
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Der frischgekürte Schwingerkönig 2016 heisst Matthias Glarner.

Keystone

Dass er sein Ziel erreichen konnte, verdanke er seinem Team, den Helfern, den Eltern. Und nicht zuletzt einem fantastischen Publikum am Sonntag. Vor einer derart grossen Zuschauerkulisse mit über 50 000 Leuten zu schwingen, sei ein unbeschreibliches Gefühl. «Man spürt das Fiebern auf den Rängen bis auf den Wettkampfplatz. Das geht unter die Haut und setzt zusätzliche Energie frei.» Da spielt es überhaupt keine Rolle mehr, dass er sich im achten Gang vom späteren zweitplatzierten Giger Samuel das Sagmehl von den Schultern wischen lassen muss.

Hätte er nämlich den letzten Gang auch noch gewonnen, wäre für den 19-Jährigen noch mehr drin gelegen. Doch darüber will Nick Alpiger gar nicht spekulieren. Deshalb winkt er ab bei der Frage, ob mit diesen Erfolgen Gelüste auf den Königtitel geweckt worden sind. Zug, wo das nächste Eidgenössische Schwingfest ausgetragen wird, ist noch weit weg. «Das geht jetzt noch drei Jahre. Will man den Titel gewinnen, muss im Moment alles stimmen.» Er gehe Schritt für Schritt.