Wenn die Kleinsten klöpfen, ist man froh um jeden Knall. Sind aber die Grossen dran, lohnt es sich, Gehörschutzpfropfen zu montieren. Oder – wie Klein-Adrian - den Militärpamir von Papa. Das 24. Regionale Wettchlöpfen in Schafisheim fand bei herrlichem Wetter vor der Mehrzweckhalle statt: kalt aber sonnig. Und einige Asylbewerber aus Afrika liessen es sich nicht nehmen, den eigenartigen Regionalsport der Eingeborenen mit dem Handy zu dokumentieren.

Sechs Kriterien zählen

176 Teilnehmende aus den Gemeinden Ammerswil, Hunzenschwil, Schafisheim, Staufen, Niederlenz, Othmarsingen, Möriken-Wildegg, Seon, Seengen, Hausen, Hallwil, Lenzburg, Hendschiken, Dintikon, Egliswil und Rupperswil-Auenstein, die sich in kommunalen Ausmarchungen qualifizieren mussten, massen sich gestern Nachmittag.

Dabei ist die Lautstärke samt Regelmässigkeit – der Knall links soll dem Knall rechts nicht nachstehen – nur eins von sechs Kriterien. So werden auch Standfestigkeit und die Bewegung der Füsse und des Oberkörpers beurteilt. Aber auch das Auftreten, das Eintreten und Verlassen des Kreises, der beim Vortrag nicht übertreten werden darf. Abzug gibts, wenn der Zwick den Boden berührt. Die Jury wird bereits am Morgen «justiert», auf dass es gerecht zu und her gehe und die Gewichtung einigermassen einheitlich sei.

Geisselmacher hatte zu tun

Auch Geisselmacher Röbi Werren ist auf dem Platz, wenn seine Erzeugnisse im Ernsteinsatz sind. «Von den 4,5 Meter langen musste ich noch nachproduzieren», sagt er. Ein gutes Jahr für ihn, und er ist auch nicht hässig wegen des trockenen Herbstes: Es gab weniger zu reparieren.

Geklöpft wird in vier Alterskategorien; Weiblein und Männlein werden getrennt bewertet. Urs Schwager schickt die Jüngsten mit aufmunternden Worten in den Kreis, wo sie klöpfen müssen. Bei den Jüngsten ist das Klöpfen noch in. Er stellt jedoch eine «Pubertätslücke» fest: eine Zeit, in der das Klöpfen als wenig sexy angeschaut wird. Nicht so bei Florim Bunjaku, 13, aus Rupperswil-Auenstein, der zwar Fussball spielt, aber auch die Geissel schwingt: «Es macht Spass; meine Kollegen machen auch mit.»

Glühwein und Bratwurst

«Chlemm di!», sagt ein Vater seinem Sprössling vor dem Wettkampf. «Ich probiers», meint der Bub. Man sieht den Vätern und Müttern den Stolz an, und es werden Erinnerungsfotos geschossen.

Einen Preis gewinnen alle: einen Pin. Die besten Klöpferinnen und Klöpfer erhalten einen Geschenksack, gefüllt mit gesponserten Produkten. Auch das Publikum muss nicht Hunger leiden, geschweige denn Durst. Der Jodlerklub verkauft Glühwein und Apfelpunsch, derweil der Männerturnverein für die Festwirtschaft zuständig ist.

Als Attraktion des Nachmittags treten vier Geisslechlöpfer aus dem Luzernischen Buttisholz auf. Sie machen einen Vierer, also eine akustische Choreografie. Das knallt gewaltig und man glaubt ihm, wenn der mehrfache Regionalsieger Christoph Jaberg sagt, er habe einen Gehörschaden vom Klöpfen. Warum wohl gibts gratis Gehörschutzpfropfen?