Eine Schifffahrt, die ist lustig. Das dachten sich auch der Direktor vom Museum Aargau, Marco Castellaneta und seine Mitarbeiter, als sie sich am Dienstagmorgen bei der Seoner Sigismühle ans Aabachufer aufmachten. In Kostümen aus dem 19. Jahrhundert; Castellaneta hat sich als Hero-Gründer Gustav Henckel verkleidet. Anlass für die Bootstour ist die Erweiterung des Industriekulturpfads.

Ab März 2018 werden Besucher mit dem Smartphone verschiedene Touren absolvieren können. Noch lebende und historische Zeitzeugen erzählen von der industriellen Vergangenheit am Aabach. Weil sie sich so lange mit dem Aabach beschäftigt haben, entschied sich das Team von Museum Aargau für eine Bootstour auf dem Flüsschen. Mit einem historisch korrekten Weidling.

Sponsorenfahrt des Museum Aargau: In Kostümen aus dem 19. Jahrhundert und verkleidet als Hero-Gründer auf Bootstour auf dem Aabach.

Vor und nach der Fahrt ist die Gruppe in verschiedenen Industriebetrieben zu Gast um Geld zu sammeln. «Crowdfunding in Persona für ein virtuelles Projekt», sagt Geschichtsvermittlerin Carmen Kiser.

«Eigentlich ist gar nicht belegt, ob auf dem Aabach überhaupt Weidlinge in Gebrauch waren», sagt eine Mitarbeiterin. «Auf der Aare, der Limmat und der Reuss wurden Weidlinge für den Transport von Waren und Personen verwendet», sagt Fährmann J-C Weihersmüller. «Es gibt ein Bild vom Müllerhaus mit Weidlingen im Vordergrund», weiss eine Mitarbeiterin. «Ein Fake», sagt Weihersmüller.

In der nächsten Stunde wird die Bootscrew feststellen, warum der Kapitän wohl recht hat. Sein Weidling ist authentisch undicht, sodass während der Fahrt immer wieder Wasser geschöpft werden muss. Castellaneta hat seine Schuhe schon beim Einsteigen ausgezogen. Die anderen Passagiere können sich aber derweil nicht der Aussicht ins Täli hingeben, sondern müssen den Brombeerranken und Haselsträuchern ausweichen, die ihnen ins Gesicht peitschen. Ab und zu hackt J-C mit der Machete im Dickicht. Auf den letzten Metern vor der Messer AG in Lenzburg ist der Kanal endlich baumfrei. «So haben wir uns das vorgestellt», sagt eine Dame.