Lenzburg

Neugestaltung der Bahnhofstrasse: Velofahrer haben das Nachsehen

Auf der Visualisierung beginnt der Velostreifen erst hinter der Bushaltestelle. Talwärts ist keiner vorgesehen.

Auf der Visualisierung beginnt der Velostreifen erst hinter der Bushaltestelle. Talwärts ist keiner vorgesehen.

Pro-Velo-Präsident Michael Oberle äussert Bedenken über die Sanierungspläne für die Lenzburger Bahnhofstrasse. Diese sei auch bei Tempo 30 für Velofahrer stressig.

Am 3. Juni ist der Welt-Velo-Tag. Er wurde von zwei Jahren von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen. Velos gibt es aber schon länger. Doch auf den hiesigen Strassen bleibt oft kein Platz für sie. Aktuelles Beispiel ist das Projekt der Sanierung der Lenzburger Bahnhofstrasse. Die Visualisierung zeigt eine Strasse mit mehr Bäumen als heute, einem Trottoir auf gleicher Höhe wie die Fahrbahn und behindertengerechten Bushaltestellen in beide Richtungen. Tempo 30 soll für Velofahrerinnen und Fussgänger mehr Sicherheit bieten. Bei genauerer Betrachtung stellt man jedoch fest, dass die neue Bahnhofstrasse eher velofeindlich wird. Bahnhofwärts beginnt der Velostreifen erst nach der Bushaltestelle. Talwärts gibt es nach wie vor keinen Velostreifen.

Michael Oberle, Präsident von Pro Velo Lenzburg, bereitet die geplante Bahnhofstrasse Sorgen. «Die abgesenkten Trottoirs und die Baum-Allee sind optisch schön», sagt er. «Die Tempo-30-Reduktion begrüsse ich auch.» Doch es würden sich mit den Änderungen auch Probleme ergeben. «Rechtlich gesehen, müssen mit Tempo 30 keine Fussgängerstreifen und Velowege gebaut werden. Das finde ich für eine Strasse wie die Bahnhofstrasse sehr schlecht.» Die Achse zwischen Bahnhof und Zentrum ist stark befahren, Messungen haben ergeben, dass pro Tag in beide Richtungen über 100 Lastwagen über die Bahnhofstrasse donnern. «Auf einer wenig befahrenen Quartierstrasse kann Tempo 30 eine deutliche Beruhigung und mehr Sicherheit für Velos bringen», sagt Oberle. Auf der Bahnhofstrasse dagegen sei es auch mit Tempo 30 für Velofahrer viel Stress, wenn sie keinen eigenen Streifen haben und ständig überholt werden. Das sei faktisch auch schon heute oft der Fall, da die Autos bei viel Verkehr meistens gar nicht viel schneller als Tempo 30 fahren würden.

Verdrängungskampf auf der Bahnhofstrasse

Er vergleicht die Situation mit der Augustin-Keller-Strasse, wo mit der Einführung von Tempo 30 die Velostreifen verschwunden sind. «Doch auch hier fahren die Autos nicht deutlich langsamer als zuvor.» Die Signalwirkung der Velostreifen sei jedoch verloren gegangen. Oft würden die Velofahrer aufs Trottoir ausweichen. Dies könnte auch bei der Bahnhofstrasse der Fall sein, wenn es zu heiklen Situationen komme. «Durch die abgesenkten Trottoirs können die Velos leicht rüberschwenken», sagt Oberle. Doch das sei auch keine Lösung, sondern ein Verdrängungskampf. Pro Velo Lenzburg hat konkrete Forderungen für die Neugestaltung der Lenzburger Bahnhofstrasse: «Einen durchgehenden Radweg auf beiden Seiten», sagt Oberle. Zudem sei es extrem wichtig, gerade für die Schulwegsicherheit, dass es auch einen Fussgängerstreifen gebe.

Nach der Lockerung des Coronaregimes sind die kurzzeitig angenehmen Strassenverhältnisse für Velofahrerinnen wieder vorbei. Michael Oberle fährt jeden Tag mit dem Velo zur Arbeit in Aarau. Was braucht es, damit mehr Menschen auf das Velo umsteigen? Bessere Bedingungen, schreibt Pro Velo Schweiz. Das sieht auch Oberle so. «Wenn man gute Velorouten ausbaut, werden diese auch genützt.» Er nennt als gelungenes Beispiel den Veloweg auf dem alten Trassee der Seetalbahn zwischen Lenzburg und Niederlenz.

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