Plastikpalmen, Ledersofas, Discokugel. Das Dekor der «Disco Puls» entspricht nicht dem, was man von herkömmlichen Clubs gewohnt ist. Die Harley Davidson Attrappen auf der Bühne und die leise orientalische Musik im Hintergrund unterstreichen diesen Eindruck. «Ein Schweizer», gibt Geschäftsführerin Irina Mišarina zu, «verirrt sich nur sehr selten hierher.»

Bekannt war der Club an der Industriestrasse bis jetzt hauptsächlich als Treffpunkt für Albaner. Der Besitzer bot jeweils an den Wochenenden traditionelle albanische Musik an und engagierte albanische Musiker für Konzerte. Zudem nahm er es mit dem Gesetz nicht immer so genau: zu laute Musik und Nachtruhestörung mit Autolärm.

Interesse an andern Kulturen

Weniger Insider-Treff mehr multikulti, so stellt sich die neue Geschäftsführerin Irina Mišarina (sprich: Mischarina) die Zukunft der Diskothek vor. Die Fehler ihres Vorgängers will sie nicht wiederholen. «Ich wünsche mir, dass sich in der Disco Puls jeder willkommen fühlt», sagt sie.

Mit Multikulti kennt sich Mišarina bestens aus: Sie stammt aus Lettland, spricht fliessend Serbisch, Italienisch und Russisch, ist Mitglied im russischen Verein und war bis vor einem Jahr noch Inhaberin des «Multiclub» in Reinach. «Ich interessiere mich sehr für andere Kulturen. Wenn ich nicht ins Gastgewerbe gegangen wäre, würde ich jetzt wohl im Tourismus arbeiten.»

Neues Zielpublikum

Die 44-Jährige hat genug Erfahrung im Gastgewerbe gesammelt um eine klare Vorstellung davon zu haben, wie sie das Lokal voranbringen will: Eine Website muss her, Flyer sollen verteilt und die Technik erneuert werden. Ein Zielpublikum hat Mišarina ebenfalls im Auge: «Leute im mittleren Alter.» Diese würden weniger Ärger machen. «Ausserdem gibt es kaum einen Ort, an dem sie tanzen können, ohne sich deplatziert zu fühlen.» Eine Marktlücke, die Mišarina nutzen will.

Eine 180-Grad-Drehung von heute auf Morgen gibt es trotzdem nicht: «Das Wochenende gehört weiter unseren Stammkunden», sagt Mišarina bestimmt. Statt nur albanische soll aber ab März an den Wochenenden auch andere balkanische Musik laufen. Dazu braucht man genug Feingefühl, erklärt sie: «Albaner, zum Beispiel, hören auch serbische Musik, Serben aber keine albanische Musik. Da muss man aufpassen.»

Sound für Latin-Fans

Ab dem Sommer wird man an einem Abend in der Woche zu lateinamerikanischer Musik tanzen können. «In der Region gibt es einige Tanzschulen, die Salsa und Merengue anbieten. Die Leute brauchen einen Ort, an dem sie ihre Tanzkunst demonstrieren können.» Mišarina ist auf der Suche nach weiteren Ideen, um ihre Vision von einem multikulti Club zu verwirklichen.