Schafisheim
Neues Coop-Verteilzentrum steht vor Vollendung – Verkehr nimmt kräftig zu

Schafisheim war eine Baustelle der Superlative. Nun kommt nach und nach Leben in die Bude. Das sorgt auch für Mehrverkehr. Neu werden allein für Coop-Logistik 210 statt 92 Lastwagen hier unterwegs sein.

Peter Brühwiler
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Eindrücke vom neuen Coop-Verteilzentrum in Schafisheim, der grössten Baustelle der Schweiz.
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Eindrücke vom neuen Coop-Verteilzentrum in Schafisheim, der grössten Baustelle der Schweiz.
Eindrücke vom neuen Coop-Verteilzentrum in Schafisheim, der grössten Baustelle der Schweiz.
Eindrücke vom neuen Coop-Verteilzentrum in Schafisheim, der grössten Baustelle der Schweiz.
Eindrücke vom neuen Coop-Verteilzentrum in Schafisheim, der grössten Baustelle der Schweiz.
Neues Coop-Verteilzentrum in Schafisheim

Eindrücke vom neuen Coop-Verteilzentrum in Schafisheim, der grössten Baustelle der Schweiz.

Sandra Ardizzone

Vier Jahre lang war es die grösste private Baustelle der Schweiz. Jetzt steht «Schafisheim» vor der Vollendung und wird in mehrerlei Hinsicht zum Nabel des Coop-Universums. Ab März geht stufenweise über mehrere Monate verteilt die Coop-Grossbäckerei in Betrieb. Sie darf sich mit dem Titel «grösste Bäckerei des Landes» schmücken und wird die Coop-Supermärkte von Genf bis Rorschach mit Produkten wie Tiefkühl-Teiglingen versorgen.

Im August folgt die Inbetriebnahme der Tiefkühlzentrale. Auch sie trägt das Label «national»: Alle rund 1200 Coop-Verkaufsstellen, die Tiefkühlprodukte verkaufen, erhalten diese künftig ab Schafisheim geliefert. Gleichzeitig bleibt der Standort ein regionales Verteilzentrum – allerdings eines mit erhöhter Reichweite. Die von hier belieferte Region umfasst neu das Gebiet von Basel über Zürich bis und mit Zentralschweiz und somit 40 Prozent aller Coop-Supermärkte.

Mit der Zentralisierung der Coop-Logistik kommt natürlich auch der Verkehr. Während am Standort Schafisheim bisher täglich 92 Lastwagen unterwegs waren, werden es neu 210 sein. «Dank der Nähe zu den Autobahnen in alle Himmelsrichtungen», betont der oberste Coop-Logistiker Leo Ebneter, «fahren unsere Lastwagen im Gegenzug aber insgesamt weniger Kilometer auf Kantonsstrassen».

Ebneter sieht dank der Coop-Tochter Railcare zudem zusätzliches Potenzial für die Verlagerung auf die Schiene. Während klassische Güterzüge mit rund 60 Stundenkilometern unterwegs sind und so das Schienennetz stark belegen, setzt Railcare auf kürzere, schnellere Züge, die im öffentlichen Personenverkehr «mitschwimmen» können. Das Unternehmen hat in den letzten Jahren eine fulminante Entwicklung hingelegt. So stieg die Zahl der transportierten Wechselbehälter zwischen 2011 und 2015 von 125'000 auf 237'000. 2018, prognostiziert Ebneter, werden es bereits 380'000 sein.

November 2012: 25 Meter in die Tiefe: erste Erdarbeiten auf der Coop-Baustelle.
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Februar 2015: 12 Meter in die Höhe: Einbau der 880 Tonnen schweren Passerelle.
Mai 2015: Der Rohbau steht: rechts im Bild Bäckerei und Tiefkühllager.
Februar 2016: Stufenweise Inbetriebnahme: Bald rollt das Brot durch die Passerelle.

November 2012: 25 Meter in die Tiefe: erste Erdarbeiten auf der Coop-Baustelle.

Toni Widmer

Ab Schafisheim wird Railcare alle Tiefkühltransporte ab einer Distanz von 90 Kilometern bis zur Verkaufsstelle übernehmen. Angedacht ist zudem, mittelfristig auch die Stadt Basel aus dem Verteilzentrum heraus mit Railcare zu beliefern. Vorläufig wird die Ware für die Basler Supermärkte aber noch in LKW auf die Strecke geschickt – zwischen 4.30 und 5 Uhr morgens, um den Stossverkehr zu vermeiden.

Zentralisierung bringt allerdings nicht zwangsläufig nur Mehrverkehr. Teiglinge beispielsweise werden heute von den Bäckereien in die Tiefkühlzentralen Hinwil und Givisiez transportiert – ein Weg, der mit Inbetriebnahme der neuen Grossbäckerei entfällt, weil diese an der Tiefkühlzentrale direkt angebunden ist. Und über die mit einem Förderband ausgestattete Passerelle, die im Februar 2015 vor Hunderten von Schaulustigen in die Höhe gehievt wurde, erreicht das Frischbrot die Spedition.

Verkehr hin oder her: Coop erhofft sich von der Zentralisierung natürlich primär Kosteneinsparungen. Die Bäckerei beispielsweise wird jährlich 60'000 Tonnen Backwaren produzieren – «eine Dimension, die wir von grossen europäischen Ländern kennen und die dadurch eine gewisse Automation zulässt», so Ebneter.

Auch im Tiefkühlbereich wird ab August automatisch verpackt, eingelagert und kommissioniert. 600 Millionen Franken hat Coop in den Ausbau investiert, rund 60 Millionen Franken sollen dadurch jährlich eingespart werden. Dass der Zentralisierungstrend in diesem Ausmass anhält und Schafisheim dereinst zum alleinigen Nabel des Coop-Universums werden könnte, glaubt Leo Ebneter trotzdem nicht. Die nach Umsetzung der Logistikstrategie noch bestehenden sechs regionalen Verteilzentren seien gut positioniert. «An dieser Struktur wird sich so schnell nichts ändern.»

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