Seon

Neuer Metzger setzt auf Regionales: «Ein Tier soll bis zuletzt mit Respekt behandelt werden»

Seit Juli dieses Jahres leiten Samuel und Martina Keller die Metzgerei Burkart.

Seit Juli dieses Jahres leiten Samuel und Martina Keller die Metzgerei Burkart.

Samuel und Martina Keller, die neuen Besitzer der Dorfmetzgerei Burkart, erklären, weshalb es sich lohnt, Schweizer Fleisch zu kaufen und weshalb sie das Lamm trotzdem noch immer aus dem Ausland beziehen.

Die Ladenglocke klingelt an diesem morgen in der Metzgerei Burkart in Seon im Minutentakt. Kundinnen lassen sich an der Theke von den Fachpersonen beraten und kaufen das nächste Abendessen ein. Die Metzgerei Burkart gehört seit vielen Jahren zum Dorf.

Während zweier Generationen wurde der Betrieb von der Familie Burkart geführt. Im Juli dieses Jahres haben Samuel (29) und Martina Keller (31) das Ruder übernommen. «René Burkart hat vor etwa vier Jahren begonnen, einen Nachfolger zu suchen, ich erfuhr davon und trat dann die Stelle als Metzger an», so Samuel Keller.

«Ich hatte schon früh einen Bezug zu Tieren»

Der 29-Jährige hat neben dem Beruf als Metzger (heute Fleischfachmann) auch die Ausbildung zum Koch absolviert. Dass er Metzger werden wollte, war für Samuel Keller schon früh klar: «Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und hatte schon früh einen Bezug zu Tieren. Ich möchte, dass ein Tier bis zuletzt mit viel Respekt behandelt wird – nirgends habe ich darauf so viel Einfluss, wie als Metzger.» 

Martina Keller arbeitet seit einem Jahr in der Metzgerei Burkart und leitet sie mit ihrem Mann. «Ich komme aus einer anderen Branche. Ich habe zuerst eine Detailhandelsausbildung in einem Kleidergeschäft gemacht und später noch das KV.» Martina Keller konzentriert sich vor allem auf das Büro und das Marketing für die Metzgerei.

Von der Schlachtung bis zur Verarbeitung

In der Metzgerei Burkart wird von der Schlachtung des Tieres bis zur Verarbeitung alles noch selbst gemacht. «Wir beziehen die Tiere aus der Region», erklärt Samuel Keller. «Ich versuche so gut wie möglich, das Fleisch aus dem Ausland aus dem Laden zu verbannen.» Ganz überall klappt es noch nicht. Das Lammfleisch bezieht der Metzger teilweise immer noch aus dem Ausland.

Aus zwei Gründen: «Viele wollen kein Schweizer Lammfleisch, weil sie der Meinung sind, dass es nicht ‹richtig› aussieht und ‹böckelet›.» Das andere Problem ist das Essverhalten: «Am meisten verkaufe ich das Filet-Stück, der Rest des Tieres muss aber auch verarbeitet werden. Mir ist es wichtig, dass das ganze Tier verarbeitet werden kann und nicht nur wenige Einzelteile.»

Weil Seon seit Jahren ohne Bäckerei auskommen muss, hat Martina Keller das Brotangebot ausgebaut, welches schon René Burkart eingeführt hatte. «Wir arbeiten mit der Bäckerei Gradwohl aus Staufen zusammen. Bei den Kunden ist das Angebot sehr beliebt, einige kommen sogar nur, um Brot zu kaufen.»

Regionalität und Qualität vor Quantität

Mit ihrem Sortiment und dem regionalen Angebot kommt die Familie Keller gut an. «Wir merken, dass wir auch vermehrt jüngere Familien haben, die bei uns einkaufen und auf Qualität setzen», erklärt Martina Keller. Trotzdem gebe es auch Personen, denen das Fleisch zu teuer sei. «Wenn ich mit meinem Sohn auf dem Spielplatz bin, höre ich schon mal, dass man das Fleisch bei grossen Anbietern billiger bekomme. Gerade in der heutigen Zeit, mit all den Extremen im Essverhalten, sollten Regionalität und Qualität vor Quantität stehen.»

Die Kunden haben gut auf den Wechsel von der Familie Burkart zur Familie Keller reagiert, so Samuel Keller. «Anfangs waren noch einige Ängste da, dass wir grosse Veränderungen vornehmen könnten. Aber wir können das Rad nicht neu erfinden. Wir wollen eine qualitativ gute Dorfmetzgerei sein.»

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