Lenzburg

Neuer Leiter der Stadtverwaltung: «Unter dem Personal ist viel Leidenschaft für Lenzburg zu spüren»

Verwaltungsleiter Peter Baumli im Rathausgässli beim Eingang ins Rathaus.

Verwaltungsleiter Peter Baumli im Rathausgässli beim Eingang ins Rathaus.

Peter Baumli ist seit Anfang Februar Leiter der Stadtverwaltung Lenzburg. Im Gespräch mit der AZ spricht er über seine Eindrücke nach 100 Tagen im Amt und wie seine Familie auf seinen neuen Job reagiert.

Der erste Eindruck zementiert das Klischee fast ein wenig: Peter Baumlis frisch geweisseltes Büro im Lenzburger Rathaus hat genau die Ausstrahlung, die man bei einem hohen Militär erwartet. Gründlichkeit und Ordnung geben beim Luftwaffen-Oberst den Ton an.

Der Raum, in welchem der, seit Anfang Februar, neue Leiter der Stadtverwaltung arbeitet, ist eher karg ausgestattet, dominiert von einem weissen Bürotisch und zwei grossen Bildschirmen. An der langen Wand steht ein Sideboard. Hinzu kommt ein höhenverstellbares rundes Tischchen beim Eingang, hier lädt Baumli zum Gespräch.

Auch nach 100 Tagen im Amt liegen nur wenige Papierdokumente auf dem Pult, fein säuberlich gestapelt. Ein kleiner Farbtupfer sind die zwei in Lenzburger Blau gehaltenen Wassergläser. Peter Baumli macht keinen Hehl daraus, dass der Schein nicht trügt: Er bevorzuge klare Strukturen und eine durchdachte Arbeitsweise.

Und zwar nicht nur im Büro, auch im familiären Umfeld. Ist das mit einem 16-jährigen Sohn und einer 14-jährigen Tochter überhaupt möglich? Der 53-Jährige lacht. Mit einer klaren Aufteilung in eine Erwachsenenzone und eine Teenagerzone im gemeinsamen Haushalt halte Familie Baumli das Konfliktpotenzial diesbezüglich in Grenzen, erklärt er die Lösung.

Von Staufen nach Lenzburg

Im Gespräch zeigt sich Peter Baumli als humorvolle aufgeschlossene Persönlichkeit. Auf etwas diffizilere Fragen reagiert er spontan mit einem breiten Lachen. Beispielsweise wenn es darum geht, wie sich der langjährige Banker zu einer Tätigkeit in die Verwaltung locken liess. «Ich bin leidenschaftlicher Betriebswirtschafter und Generalist, der gerne in einem breiten Umfeld tätig ist», sagt er schliesslich.

Und das genau sei hier der Fall. In ähnlicher Form sei er zuvor lange Jahre in der Finanzindustrie tätig gewesen, sagt der diplomierte Organisator mit einem Global Executive MBA. Baumli betont, dass er sich in seiner Drehscheibenfunktion in der Bank nie als Banker vorgekommen sei.

Der Wechsel in die Lenzburger Stadtverwaltung wirkt sich spürbar aufs Familienleben im Hause Baumli aus: Neuerdings sitzt der Vater nämlich mit am Mittagstisch. Hobby-Mountainbiker Peter Baumli geniesst es, dass er mit dem Fahrrad aus dem Nachbardorf Staufen zur Arbeit nach Lenzburg radeln kann. Und ebenso, dass seine Spaziergänge mit dem Beagle «Rocky» sich nicht mehr nur auf die Wochenenden reduzieren müssen.

Familie Baumli wohnt seit 20 Jahren im Eigenheim in Staufen. So kurz die Distanz von Daheim ins Büro in der Lenzburger Altstadt, so gross ist die Differenz im Steuerfuss zwischen den zwei Nachbargemeinden. Mit 86 Prozent gehört Staufen zu den steuergünstigsten Aargauer Gemeinden und liegt damit 22 Prozent unter dem aktuellen Satz der Bezirkshauptstadt.

Baumli lässt sich vom leicht provokativen Unterton in der Aussage nicht beeindrucken. Bei den Menschen hüben und drüben sei gar kein Unterschied auszumachen, sagt er nach kurzem Überlegen. «Zudem hat Lenzburg mit seiner Zentrumsfunktion andere Kostenstrukturen als Staufen.»

Peter Baumli verheimlicht jedoch nicht, dass er sich seit geraumer Zeit vermehrt in Lenzburg aufhalte und dabei viele schöne Flecken kennen gelernt habe. Und er gesteht: «Ich bin schon ein wenig Fan der Stadt geworden.» Für die übrigen Familienmitglieder wohl fast etwas zu viel. Gerate er am Familientisch wieder einmal ins Schwärmen, erzählt Peter Baumli, komme es nicht selten vor, dass Frau und Kinder die Augen rollen und ihn auf die Schippe nehmen. «Du redest ja nur noch über Lenzburg.»

Kein Job im Rampenlicht

Dass es Baumli sozusagen den «Ärmel hereingenommen» hat, habe nicht zuletzt mit der Kultur in der Stadtverwaltung zu tun, sagt er. «Unter dem Personal ist viel Leidenschaft für Lenzburg zu spüren.» Das freut den neuen Chef. Etwas mehr gewöhnungsbedürftig sind für den Mann aus der Wirtschaft die Entscheidungswege in der Verwaltung. «Es geht alles so cheibe lang», bedauert Peter Baumli.

In der Stadt gibt es Kreise, für die der Job eines städtischen CEOs verzichtbar wäre. Das ist Peter Baumli auch schon zu Ohren gekommen. Er nimmts gelassen. Ein Verwaltungsleiter stehe halt nicht im Rampenlicht, arbeite weitgehend im Hintergrund.

«Er hat die Entscheidungsgrundlagen zu erarbeiten und anschliessend die Entscheide des Stadtrats umzusetzen.» Und als bekennender Fleischesser, der am liebsten ein schönes Stück Grilliertes auf dem Teller hat, bedient sich Peter Baumli für die einfache Umschreibung seiner Tätigkeit mit einer Metapher aus der Kulinarik. «Meine Aufgabe ist es, die Speisekarte vorzubereiten. Die Menüauswahl trifft der Stadtrat.»

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