Oberes Seetal
Neuer Gesamtschulleiter: «Mehrere Leute haben mir vom Job abgeraten»

Die Kreisschule Oberes Seetal hat turbulente Jahre hinter sich. Nun will der neue Gesamtschulleiter Michael Lutz die Kreisschule in eine ruhige Zukunft führen und sagt, wieso er den Job trotz Warnungen angenommen hat.

Pascal Meier
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Michael Lutz in seinem Büro in Meisterschwanden: «Mein Herz schlägt zu 100 Prozent für die Kreisschule.»

Michael Lutz in seinem Büro in Meisterschwanden: «Mein Herz schlägt zu 100 Prozent für die Kreisschule.»

Pascal Meier

An der Kreisschule Oberes Seetal gab es in den vergangenen Jahren Turbulenzen. Die drei Oberstufen-Standorte Fahrwangen (Bez), Sarmenstorf und Meisterschwanden (beide Sek/Real) funktionieren nicht als Einheit. Die Kreisschule kassierte deshalb 2011 bei der Schulevaluation eine «Rote Ampel». Das heisst: Die Vorgaben des Kantons sind hier nicht erfüllt. Zudem waren sich Gemeinderäte und Kreisschulpflege der vergangenen Amtsperiode nicht einig über die Schliessung eines Standortes, was Lehrer verunsicherte. Im März 2014 kündigte dann überraschend der Gesamtschulleiter – nach nur einem Jahr. Zu gross waren für ihn die Differenzen zwischen den Behörden und die Verunsicherung im Lehrerzimmer.

Seit den Sommerferien ist nun Michael Lutz Gesamtschulleiter – im Oberen Seetal ein bekanntes Gesicht: Der Gränicher unterrichtete von 1975 bis 1996 an der Bezirksschule Fahrwangen Sport. Jetzt steht er an der Spitze der Kreisschule. Nach den ersten zwei Monaten ist Lutz überzeugt: «Wir ziehen jetzt alle an einem Strick.»

Herr Lutz, als Gesamtschulleiter der Kreisschule Oberes Seetal stehen Sie vor schwierigen Aufgaben. Warum sagten Sie Ja zu diesem Job?

Michael Lutz: Mich hat die Aufgabe gereizt. Ich wusste, dass es kein Spaziergang wird. Mehrere Leute haben mir davon abgeraten. Das hat mich darin bestärkt, die Stelle anzunehmen.

Ihr Vorgänger hatte unter anderem deshalb gekündigt, weil Differenzen unter den Behörden die Lehrer verunsicherten. Man wisse nicht, wohin die Kreisschule steuert. Spüren Sie diese Unsicherheit?

Ich habe von solchen Problemen gehört, weiss aber wenig von der Vorgeschichte. Das ist gut so. Als Optimist richte ich den Blick nach vorne. Das hat sich bewährt. Ich habe nämlich eine völlig andere Situation angetroffen.

Was haben Sie angetroffen?

Hätte ich gar nichts von der Vorgeschichte gewusst, würde ich kaum etwas von Verunsicherung spüren. Im Gegenteil: Ich spüre bei den Lehrern einen grossen Willen, etwas zu verändern. Man wartete nur darauf, dass sich etwas bewegt und man mehr zusammenarbeitet. Das war bislang nicht der Fall. Ich merkte schnell: Hier ist vieles möglich.

Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit den Behörden? Diese waren sich in den vergangenen Jahren ja oft nicht einig.

Ich war an zwei Sitzungen der Kreisschulpflege und mein Eindruck ist sehr gut. Es wird engagiert nach vorne gearbeitet. Man sagte mir, dass Sitzungen noch nie so kurz und effizient waren. Das sind klare Anzeichen, dass ein Umdenken auf allen Ebenen stattfindet und man zusammenarbeitet. Ich bin überzeugt, dass sich der Schwung, den Lehrer und Schüler jetzt haben, auf alle an der Schule beteiligten Gremien übertragen wird.

Sie sprechen von Schwung. Lehrer sprechen von einem regelrechten Ruck, der mit Ihnen als neuer Gesamtschulleiter durch die Kreisschule gegangen ist. Sie konnten schon viel bewegen, heisst es.

Ja, es hat sich einiges bewegt – vor allem, weil Lehrer, Schüler und Schulpflege mitmachen. Wir haben am ersten Schultag eine Luftaufnahme mit allen Klassen realisiert. Das war das erste Mal, das die Kreisschule etwas gemeinsam machte, was für mich unverständlich ist. Den Schülern hat das gefallen, sie haben applaudiert. Erstmals haben zudem alle Standorte ein gemeinsames Motto: «Wir ziehen alle an einem Strick.»

Wie zeigt sich das im Schulalltag?

Die Skilager von Sekundar- und Realschule werden 2015 zusammengelegt. Ein Jahr später wird die Bezirksschule dazustossen. Zudem sind gemeinsame kulturelle und sportliche Anlässe geplant. Bereits eingeführt sind Unterrichtsteams über alle Standorte hinweg sowie die kollegiale Hospitation: Lehrer besuchen sich an allen Standorten. Das Kollegium unterstützt das. Zudem arbeite ich an allen Standorten. So können Probleme vor Ort gelöst werden.

Sie reden Klartext statt um den heissen Brei herum, sagen Lehrer. Ist das in Ihrem Job ein Vorteil?

Ich bin ein Mensch der wenigen Worte, das stimmt. Ich möchte anpacken und etwas bewegen – jetzt und nicht erst, wenn es zu spät ist. Ich bin überzeugt von der Kreisschule. Mein Herz schlägt zu 100 Prozent für unsere Schule.

Wohin genau wollen Sie mit der Kreisschule Oberes Seetal?

Die Kreisschule Oberes Seetal muss als solche wahrgenommen werden und nicht als drei autonome Standorte. Bislang existierte die Kreisschule nur auf dem Papier. Unter anderem deshalb erhielten wir 2011 eine «Rote Ampel» bei der externen Evaluation. Die einzelnen Standorte funktionieren, arbeiten aber nicht zusammen, wie es der Kanton von einer Kreisschule erwartet.

Wegen der «Roten Ampel» wird die Kreisschule derzeit vom Kanton begleitet. Im Mai 2015 findet die nächste Prüfung statt. Wird die «Rote Ampel» dann verschwinden?

Das kann ich noch nicht sagen. Ich hoffe es. Im Moment unternehmen wir grosse Anstrengungen, um dieses Ziel zu erreichen. Vieles lag seit der letzten Evaluation brach, wurde nicht angesprochen und nicht behandelt. Jeder Standort hatte ein anderes Qualitätsmanagement, unterschiedliche Formulare und andere Ämter, die unterschiedlich entschädigt werden. Es gibt viele Baustellen. Wir müssen jetzt die Schule von Grund auf zusammenführen. Weil die nächste Evaluation bald vor der Tür steht, bleibt dafür wenig Zeit. Bis Ende November müssen wir die dazu nötigen Dokumente abliefern.

Besteht nicht die Gefahr, dass die Standorte ihre Seele verlieren, wenn sie zusammengeführt werden? Die Schulen liegen in verschiedenen Bezirken und haben unterschiedliche Kulturen.

Wir arbeiten dort zusammen, wo es Sinn macht. Die Kreisschule muss eine Einheit werden, die Standorte aber sollen atmen können. Das ist den Lehrern wichtig. Jeder Ort hat Traditionen, die man aufrechterhalten soll. Ich stelle mir deshalb bei Entscheidungen immer die Frage: Betrifft das die Kreisschule oder den Standort? Es ist aber richtig, dass im Moment der Kreisschulgedanke und Gemeinsamkeiten Vorrang haben.

Die Anzahl Standorte gaben in den vergangenen Jahren zu reden. Drei Oberstufen-Standorte mit zum Teil nur wenigen Klassen sind nicht sinnvoll, war man sich einig. Die Gemeinden konnten sich aber 2012 nicht über die Aufhebung eines Standorts einigen. Wo steht die Diskussion heute?

Das ist Sache der Politik. Für mich als Gesamtschulleiter ist die Standortfrage momentan kein Thema, denn der Schulbetrieb funktioniert.

Die Sek-/Real-Oberstufe in Sarmenstorf führt damit weiterhin nur vier Klassen. Macht das wirklich Sinn?

Es ist speziell so zu arbeiten. Ich sehe momentan jedoch keine Probleme. Die Lehrer in Sarmenstorf arbeiten sehr effizient und stehen in engem Austausch. Zudem arbeiten die Lehrer über die Standorte hinweg: Heute kann man einen Meisterschwander Lehrer im Lehrerzimmer Sarmenstorf antreffen, was es zuvor kaum gab.

Der Kanton will bis 2022 eine der drei Bezirksschulen im Seetal schliessen. Treffen wird es Seon, Seengen oder Fahrwangen. Beunruhigt Sie das?

Das ist für mich noch zu weit weg. Wenn wir alle zusammenstehen und für unsere Bezirksschule kämpfen, bin ich sehr zuversichtlich. Deshalb ist es eminent wichtig, dass wir ein entsprechendes Bild gegen aussen abgeben: Das Schiff «Kreisschule Oberes Seetal» hat Fahrt aufgenommen.

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