Der Rupperswiler Gemeinderat geht mit einem Appell an die Öffentlichkeit. Im «Lenzburger Bezirksanzeiger» ruft er die Stimmbürger der Gemeinde auf, dem revidierten Finanzausgleich und der neuen Aufgabenteilung zwischen Kanton und Gemeinden zuzustimmen. Über die beiden Vorlagen wird im Februar abgestimmt.

Der Appell ist nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich sind aber die Hintergründe: Sagt das Volk am 12. Februar Ja, muss Rupperswil nicht mehr jeden Tag 500 Franken für den Dirnenmörder Tobi B. zahlen. Dieser hatte 2008 als 17-Jähriger in Aarau eine Prostituierte ermordet. Er wurde zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, die Maximalstrafe im Jugendstrafrecht. Doch nach dem 22. Geburtstag blieb Tobi B. hinter Gittern: Er hat eine Persönlichkeitsstörung. Das psychiatrische Gutachten attestiert ihm zudem sexuellen Sadismus mit Rückfallgefahr.

Deshalb wurde eine fürsorgerische Unterbringung in der Strafanstalt Lenzburg angeordnet – und für diese muss Rupperswil zahlen: Die Gemeinde hat das Pech, dass Tobi B. im Dorf gewohnt hat. Im Sommer 2014 schickte der Kanton dafür eine Rechnung von 350 000 Franken. Der Gemeinderat wehrte sich bis vor Verwaltungsgericht. Erfolglos. Rupperswil hat bis heute über 700 000 Franken für Tobi B. bezahlt. Noch verheerender ist: Die Psychiater rechnen mit einer Therapiedauer von bis zu zwölf Jahren. Das würde Rupperswil in der Theorie insgesamt 2,2 Millionen Franken kosten.

Zwei Fälle kosten 2 Steuerprozente

Vielleicht kommt Rupperswil aber mit einem dunkelblauen Auge davon. Der neue Finanzausgleich soll Gemeinden mit sehr hohen Sozialausgaben entlasten. Konkret: Eine Gemeinde muss nur noch maximal 60 000 Franken pro Jahr für einen Fall von materieller Hilfe zahlen. Sind die Kosten höher, zahlen dafür alle Gemeinden solidarisch, abhängig von der Bevölkerungszahl.

Rupperswil müsste demnach für Tobi B. jährlich 120 000 Franken weniger als die 180 000 Franken zahlen. Ein zweiter Sozialfall, der die Gemeinde 70 000 Franken kostet, würde das Sozialbudget ebenfalls weniger stark strapazieren. «Der Finanzausgleich würde Rupperswil stark entlasten», sagt Ammann Ruedi Hediger. «Die beiden Fälle entsprechen 2 Steuerprozenten.»

Das Grundproblem bleibt jedoch trotz Finanzausgleich, wie Hediger ergänzt: «Es ist nicht korrekt, dass eine einzelne Gemeinde so viel Geld zahlen muss, um die Allgemeinheit vor einem verwahrten Täter zu schützen. Da sind auch 60 000 Franken zu viel.»