Beinwil am See
Neuer Ammann: «Wir müssen unsere Gemeinde besser vermarkten»

Neuzuzüger Peter Lenzin wurde in Rekordzeit Gemeindeammann und hat klare Visionen für die Gemeinde. Er will die Ausgaben senken, den Steuerfuss mindestens halten und die Gemeinde durch besseres Marketing stärken.

Pascal Meier
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Peter Lenzin
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 Mit der Immobilienstrategie stehen Ausgaben von 30 Millionen Franken für die Gemeindebauten an. Durch Neuzuzüger und Firmen-Ansiedelungen sollen die Steuererträge steigen. Die Verschuldung könnte durch den Verkauf von Gemeindeland gebremst werden. Gleichzeitig möchte Peter Lenzin mit Synergien Ausgaben senken.
 Peter Lenzin möchte Böju stärker vermarkten, eventuell durch verstärkte Zusammenarbeit mit dem Gemeindeverband aargauSüd impuls. Das Ziel: Gute Steuerzahler anlocken sowie Firmen, die Arbeitsplätze schaffen, dank dem Erschliessen von guten Wohnlagen und mittelfristig tieferen Steuern.
 Wie alle Gemeinden im Aargauer Seetal leidet auch Beinwil unter dem wachsenden Verkehr auf der Strasse. Hier sind dem Gemeinderat weitgehend die Hände gebunden. «Die Hauptstrassen können nicht mehr ausgebaut werden», sagt Peter Lenzin. Handlungsspielraum gebe es aber bei der Seetalbahn mit den Verbindungen nach Luzern.
 Das alt ehrwürdige Restaurant/Hotel Löwen ist ein Dauerbrenner. Nach einem emotionalen Abstimmungskampf sagte die Bevölkerung schliesslich im Herbst 2012 Ja zum Umbau zur Gemeindeverwaltung. Kostenpunkt: 4,9 Millionen. Kritiker will er ins Boot holen.

Peter Lenzin

Pascal Meier

Von null auf Gemeindeammann. Kaum ein Lokalpolitiker hat in jüngerer Zeit einen Blitzstart hingelegt wie Peter Lenzin. Weil auch nach dem 1. Wahlgang im September ein fünfter Gemeinderat sowie ein Nachfolger von Ammann Johannes Eichenberger fehlte, warf Lenzin überraschend seinen Hut in den Ring und wurde im 2. Wahlgang still gewählt.

Und das als Neuzuzüger, der erst vor drei Jahren von Rudolfstetten nach Böju gezogen war. Eine «Ochsentour» sieht anders aus. «Mit 65 Jahren wollte ich niemand Jüngerem im Wege stehen und habe deshalb erst im 2. Wahlgang kandidiert», sagt Peter Lenzin.

Der 65-jährige Innerschweizer bringt auch ohne «Ochsentour» einen vollen Rucksack Erfahrung mit, vor allem aus der Wirtschaft: Zuletzt war er Geschäftsführer einer KMU in der Maschinenindustrie. In Rudolfstetten führte er die Orts-FDP und war Präsident der Finanzkommission. «Ich bin politisch interessiert und verfüge seit der Pensionierung über genügend Zeit», sagt Peter Lenzin. «Ich habe zudem einige Ideen für Böju.»

Beinwil braucht mehr Firmen

Das sind keine leeren Worte. Bereits vor der Wahl im Herbst hatte Peter Lenzin in der az seine Gedanken für Beinwil am See skizziert: Ausgaben runter, Steuerfuss halten oder senken, die Attraktivität der Gemeinde stärken.

Eine klare Ansage, die keinen Zweifel an seiner Entschlossenheit lässt. Peter Lenzin weiss, was er will – und sagt klipp und klar, wohin er mit Beinwil am See in den kommenden Jahren möchte. «Vor allem müssen wir unsere Gemeinde besser vermarkten und dadurch stärken.»

Heute, nach einem Monat als Gemeindeammann, sind einige dieser Ideen konkreter geworden. So möchte Peter Lenzin dem Gemeinderat vorschlagen, gute Wohnlagen zu erschliessen und Firmen anzulocken, was mehr Geld in die Steuerkasse spülen soll (siehe Bildergalerie).

Da Beinwil am See in naher Zukunft rund 30 Millionen Franken in die Gemeindebauten investieren muss, möchte Lenzin zudem mehr sparen und optimieren.

Vieles davon sind urfreisinnige Anliegen, die auch dem FDP-Politiker Lenzin wichtig sind. Das Wort «sparen» hört Peter Lenzin aber nicht gerne: «Das klingt negativ.» Allein durch Optimieren könne viel erreicht werden. Lenzin möchte etwa die Gemeindeverwaltung eher wie ein Unternehmen führen und den Bereichsleitern mehr Budgetverantwortung geben.

Gemeinderat ganz in FDP-Hand

Wird mit Peter Lenzin als Gemeindeammann in Beinwil nun alles dem Optimieren untergeordnet, zumal der Gemeinderat mit drei FDP-Vertretern fest in freisinniger Hand ist? Nein, sagt Lenzin: «In einem Dorf spielt Parteipolitik eine untergeordnete Rolle.»

Er selbst sei zwar sehr wirtschaftsliberal, «in sozialen Fragen zähle ich mich aber eher zum linken Flügel der FDP». So ist es Peter Lenzin auch ein Anliegen, dass Böju seine Identität behält.

Im Februar geht der Gemeinderat nun in Klausur und wird die eine oder andere Idee von Peter Lenzin diskutieren. Sind seine Kollegen auf der gleichen Linie? «Viele meiner Ideen sind noch Visionen, dem Gemeinderat aber bekannt. Ich denke, dass wir ähnliche Ansichten haben und gut zusammenarbeiten werden.»