Dürrenäsch
Neuer Ammann spricht Klartext: «Dürrenäsch ist keine steinreiche Gemeinde»

Dürrenäsch hat mit 8624 Franken das zweithöchste Pro-Kopf-Vermögen im Kanton Aargau. Der neue Gemeindeammann Markus Boos relativiert den Reichtum seines Dorfes jedoch. Sogar eine Steuererhöhung ist nicht ausgeschlossen.

Pascal Meier
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Markus Boos in seiner Garage: «Bei mir muss immer etwas gehen.»Pascal Meier

Markus Boos in seiner Garage: «Bei mir muss immer etwas gehen.»Pascal Meier

Nicht jeder freut sich über eine gute Schlagzeile. Denn diese kann trügen. Das war der Fall, als Markus Boos vor ein paar Tagen die Zeitung aufschlug und schmeichelhafte Worte über seine Gemeinde las: Mit einem Nettovermögen von 8624 Franken pro Kopf ist Dürrenäsch die zweitreichste Gemeinde im Kanton. Das muss doch den neuen Ammann von Dürrenäsch freuen! Zumal über die Hälfte der Aargauer Gemeinden verschuldet sind.

Markus Boos persönlich

Geburtsdatum: 13. Dezember 1962
Geschwister: Eine Schwester, einen Bruder
Zivilstand: verheiratet, 3 Kinder
Hobbys: Töff-Fahren, «mechen» in der Garage, Filme schneiden
Lieblingslektüre: Querbeet, u.a. von Douglas Preston und Lincoln Child
Lieblingsfilm: Viele, u.a. Matrix, Herr der Ringe
Lieblingsort in der Gemeinde: Der Dorfplatz und mein Zuhause
Grösster Wunsch: Gesund bleiben und alle gesteckten Ziele erreichen

Doch Markus Boos warnt vor zu viel Euphorie. «Das tönt, als wären wir eine steinreiche Gemeinde. Dies weckt Begehrlichkeiten und schnell wird der Ruf nach Steuersenkungen laut, was gefährlich ist.» Denn Reichtum sei flüchtig: «Sicher haben wir gute Steuerzahler, wir gehen aber auch haushälterisch mit dem Geld um.» Zudem sei der Bau einer neuen Mehrzweckhalle geplant. «Auch als sogenannt reiche Gemeinde müssen wir dafür den Steuerfuss um voraussichtlich 10 Prozent erhöhen», relativiert Boos die Rosen, auf denen Dürrenäsch derzeit gebetet ist.

Gemeindefusion ist kein Thema

Schwarzmalen will Markus Boos dennoch nicht. Für den neuen Gemeindeammann ist das Glas stets halb voll statt halb leer. Und er weiss zu schätzen, dass es Dürrenäsch bestens geht. «Ich habe das Glück, von meinem Vorgänger Hansjörg Hintermann eine funktionierende Gemeinde übernommen zu haben.» Mit drei Neuen müsse sich der Gemeinderat zwar noch einspielen. «In wichtigen Fragen sind wir aber ähnlicher Meinung. Die Stossrichtung des neuen Gemeinderates ist deshalb in etwa gleich wie jene des alten.»

Ein Thema, das auch den neuen Gemeinderat beschäftigen wird, ist die Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden. Seit Anfang Jahr wird das Steueramt mit Leutwil geführt. Weitere Kooperationen sollen folgen, am sinnvollsten mit den nächsten Partnern Leutwil und Teufenthal. Fusionen gegenüber ist Markus Boos aber abgeneigt: «Wir wollen und werden eigenständig bleiben.» Eine Fusion müsse gut überlegt sein und mache oft keinen Sinn. «Zwei kleine kranke Gemeinden ergeben noch lange keine grosse gesunde.»

Trotzdem dürfte das kleine Dürrenäsch mit seinen 1186 Einwohnern weiter unter Druck kommen, weil der Kanton Gemeinde-Fusionen vorantreibt. Und ein Magnet für Neuzuzüger ist Dürrenäsch trotz idyllischer Lage auf der Terrasse zwischen Seetal und Wynental nicht: Seit 1990 wuchs die Gemeinde durchschnittlich nur um fünf Personen pro Jahr. Tendenz leicht abnehmend. Markus Boos sieht dies nicht nur als Nachteil: «Der Gemeinderat ist der Meinung, dass es gut ist, wie es ist.»

Zudem sei es falsch zu glauben, dass es einer Gemeinde durch mehr Einwohner besser geht. Boos: «Wir wollen kein Wachstum um jeden Preis, sondern uns moderat entwickeln und dabei den ländlichen Charakter bewahren.» Auch gebe es wenig Bauland auf dem Markt. Dieses ist vorwiegend in Besitz von eingesessenen Dürrenäschern, die kaum Gründe für den Verkauf ihres Bodens haben.

Keine Ruhe auf der Verwaltung

In den Augen dieser gebürtigen Dürrenäscher ist Markus Boos immer noch ein Neuzuzüger – und der erste Gemeindeammann, der nicht im Dorf aufgewachsen ist. Boos war vor 17 Jahren vom Kanton Zürich nach Dürrenäsch gezogen und arbeitet als Projektmanager im Ingenieurbereich. Diesen Job will er auch als Gemeindeammann zu 100 Prozent ausführen. «Dank flexiblen Arbeitszeiten habe ich Spielraum. Ich werde aber nach ein paar Monaten Bilanz ziehen, ob das zeitlich funktioniert.»

Denn auch als Ammann dürften seine Hobbys, das Töfffahren und «mechen» in der Garage, nebst dem Familienleben nicht zu kurz kommen. Der Drang, ständig etwas bewegen zu wollen, ist bei Markus Boos gross. Das dürften auch die Angestellten der Gemeinde spüren: «Die Verwaltung wird auch mit dem neuen Ammann wenig Ruhe haben», so Boos.