Im Januar 2015 wurden auf der Kantonsstrasse zwischen Schafisheim und Seon in zwei Bereichen elektronisch gesteuerte Wildwarnanlagen installiert, die die Strassenbenützer auf die Gefahr von kreuzenden Wildtieren, konkret von Rehen, aufmerksam machen sollen.

Der Kanton liess sich die Einrichtungen rund 150'000 Franken kosten. Die Funktionsweise ist, von aussen betrachtet, denkbar einfach. Passiert ein Reh die unsichtbaren Sensorschranken, wird ein Signal ausgelöst und die Autofahrer werden durch Leuchttafeln auf die potenzielle Gefahr aufmerksam gemacht.

Weniger als vorher, aber zu viel

Die Bilanz nach gut einem Jahr Betrieb sieht für die Verantwortlichen eher ernüchternd aus. Offensichtlich hat die eingesetzte Technik noch nicht optimal funktioniert, denn Reto Fischer von der Abteilung Wald im Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU), muss festhalten, dass im letzten Jahr auf der fraglichen Strecke 6 Rehe durch Kollisionen mit Motorfahrzeugen zu Tode kamen.

Diese Fallwild-Quote liegt laut Fischer zwar um rund die Hälfte unter den Werten früherer Jahre auf diesem Abschnitt, aber deutlich über den Erwartungen. Die Reduktion der Wildtier-Unfälle hier am Zugang zum Seetal fällt im Vergleich mit den ersten beiden derartigen Anlagen im Kanton an der Westgrenze und im Fricktal deutlich schlechter aus. Fischer: «In Murgenthal verzeichneten wir seit 2011 nur noch ein einziges Fallwild.»

Während Fischer bei einer ersten Bilanz nach zwei Monaten Betrieb «keine Kenntnis von Betriebsstörungen» hatte (az vom 16. März 2015), sieht die Situation inzwischen anders aus. Die wegen eines Missverständnisses zuerst nicht eingebaute Auslösungsaufzeichnung verzeichnet für den Abschnitt, der näher bei Schafisheim liegt, lediglich 70 Auslösungen.

Inzwischen hat man die Ursachen für diese äusserst tiefe Zahl eruiert. Die neue Art der Sensoren, die hier zum Einsatz kam, verlangt eine andere Programmierung der Steuerungsanlage. «Dies ist inzwischen erfolgt», so Fischer zur az.

Nebel hat Einfluss

Dass die richtige Kalibrierung durchaus anspruchsvoll ist, zeigt sich bei der Warnanlage, die näher bei Seon liegt. Dort hat das Aufzeichnungsgerät im Jahr 2015 1800 Auslösungen registriert. Diese Zahl kann ebenfalls nicht mit der Zahl der traversierenden Rehe korrespondieren. Reto Fischer, diplomierter Umweltingenieur bei der Sektion Jagd und Fischerei, hat eine Vermutung: «Der viele Nebel hier und auch leichter Nieselregen können die Sensoren beeinträchtigen.»

Aus diesem Grund hat man hier «einige Verbesserungen vorgenommen», wie Fischer festhält. Eine effektive Bilanz, wie gut sich die gesamte Anlage über ein Betriebsjahr bewährt, wird man also frühestens Anfang 2017 ziehen können.

Auch der zuständige Betreuer beim Kanton hofft, dass dann die Kinderkrankheiten überwunden sind. Reto Fischer: «Einen solch harzigen Start hatten wir bisher noch nie.»