Hallwilersee
Neue Schwanen-Präsidentin bestand «Seetaufe»

«Seetaufe bestanden» hiess es am Donnerstagabend für Priska Kaufmann. Zum ersten Mal präsidierte sie die Generalversammlung der Schwanenkolonie Hallwilersee.

Margrit Rüetschi (Text und Fotos)
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Die total zehn überlebenden Jungschwäne sorgten für eine leichte Bestandeszunahme auf dem See.

Die total zehn überlebenden Jungschwäne sorgten für eine leichte Bestandeszunahme auf dem See.

Als ehemalige Präsidentin der Meitlisonntagsvereinigung Fahrwangen vertauschte sie den Meitlisonntagsrock vor Jahresfrist sozusagen mit dem Schwanenkleid. Knapp und präzise führte die neue Präsidentin durch die Versammlung. Vom langjährigen Präsidenten und heutigen Ehrenpräsidenten Willi Lanz hat Priska Kaufmann im ersten Präsidialjahr den «Comment» gelernt und professionell durch die Vorstandssitzungen unter dem Jahr geführt. «Total gut» sei sie von ihren Kollegen aufgenommen und unterstützt worden, freute sich die neue Präsidentin.

Leichte Zunahme des Bestands

Der Verein Schwanenkolonie, dessen juristischer Sitz durch den Wohnort der neuen Präsidentin nun in Fahrwangen ist, zählt rund 760 Personen. Im vergangenen Jahr konnten 66 neue Mitglieder gewonnen werden. Mit Spannung wurde von den 278 Anwesenden der Jahresbericht von «Schwanenvater» Hans Häfeli erwartet. Wie würde sich der Bestand der Schwäne präsentieren, nachdem vor zwei Jahren 15 Schwäne auf Nimmerwiedersehen auf und davon geflogen sind?

«36 Schwäne waren im September 2010 auf dem Hallwilersee anzutreffen, heute sind es (mit den zehn Jungschwänen) deren 41», rapportierte Häfeli. Vier (erwachsene) Schwäne seien leider eingegangen. Fünf Kontrollfahrten wurden ausgeführt, die Inspektionsfahrt für die Schwanenfreunde erfolgte am 15. Mai 2011.

Viele natürliche Gefahren

Im Frühjahr wurden auf dem ganzen See 7 Nester gebaut, in 6 Nestern wurden Eier gelegt. «Gegenüber dem Vorjahr wurden wieder mehr Nester gebaut», hielt Häfeli fest. Insgesamt seien 32 Eier gelegt worden. Um den Bestand aufzustocken, seien in diesem Frühling, «gemäss dem Ratschlag des Kantons», keine Eier dezimiert worden.

Der Schwanen-Population drohen auch natürliche Gefahren. «Wir mussten leider vermehrt feststellen, dass Krähen die Eier anpicken und sie ausrauben», bedauerte der Schwanenvater. So konnten nur in fünf Nestern Jungschwäne schlüpfen. Total seien 19 Jungschwäne geschlüpft, wovon deren zehn heute noch leben. Die frisch geschlüpften Jungschwäne haben neben den Krähen auch andere Feinde wie Milane, Füchse und gar nicht «tolle» Hechte. «Wenn diese zuschnappen, geht es ganz schnell», wusste Hans Häfeli.

Leider vermehren sich in letzter Zeit auch die Verletzungen durch Fischersilk und Fischerangeln (Angelschnur). «Die Hobby-Angler sollten sich mehr auf die Fische konzentrieren und dazu beitragen, dass keine Schwäne und Enten verletzt werden», folgerte Hans Häfeli.

Im Strandbad Futter gesucht

Wie sehr sich die Hallwilersee-Schwäne an die Menschen gewöhnt haben, konnte im Sommer im Arbeiterstrandbad Tennwil beobachtet werden. Nachdem im nahen Ried ein Nest gebaut worden war, sorgten die Jungschwäne mit ihren Eltern im Sommer für den Jöh-Effekt. «Die Schwäne figurieren bei uns fast als Haustiere», schmunzelte Betriebsleiter Daniel Leuenberger an der Generalversammlung.

Das Ganze habe an sonnigen Tagen aber auch seine Schattenseiten. «Die Schwäne werden von den Gästen gefüttert und betrachten dies als Gewohnheitsrecht», äusserte sich Leuenberger. «Wenn sie kein Futter erhalten, werden sie aggressiv und holen sich die Häppchen von den Badetüchern.» Aus diesem Grund sei an die Badenden der Appell gegangen, Respekt vor der Aggressivität der Schwäne zu haben und die Tiere nicht mehr zu füttern. Wenn es auch schön sei, durch die Tiere Natur pur zu erleben, gehe die Sicherheit der Strandbad- und Campinggäste vor.

Seien zuerst drei Schwänchen anzutreffen gewesen, sei eines plötzlich verschwunden. Aus den für die Jungtiere vorgesehenen «Kosenamen» Tick, Trick und Track sei dann leider nichts geworden, sagt er.

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