Lenzburg
Neue Räume für die Sinne, die Bewegung und die Musik

Der Ergänzungsbau der Rudolf-Steiner-Sonderschule wurde am Freitag eingeweiht. Lang wurde dieser Moment der Fertigstellung herbeigesehnt. Noch können die Schülerinnen und Schüler nicht einziehen: Einige Detailarbeiten müssen fertiggestellt werden.

Carla Stampfli
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Einweihung Ergänzungsbau
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Der Ergänzungsanbau mit dem Erker, in dem die sechs individuellen Lernzimmer Platz finden.
Der Eingang des Ergänzungsbaus, das in das zweite Geschoss führt.
Architekt Christian Zimmermann (r.) beim Rundgang durch den Neubau
Die Hauptfassade des Ergänzungsbaus mit dem Erker, in dem die sechs Lernzimmer Platz finden.
Der abgestufte Hof, der in die erste Etage führt.
Der Blick von der Dachetage in das zweite Geschoss: Die grosszügige Treppenhalle.
Beton- und Holzkonstruktionen sowie einzelne Farbakzente charakterisieren den Neubau.

Einweihung Ergänzungsbau

EMANUEL PER FREUDIGER

Vom «Hitachi-Haus» zum Ergänzungsbau

Die Rudolf-Steiner-Sonderschule Lenzburg ist eine vom Kanton Aargau anerkannte sonderpädagogisch geführte Tagesschule. Im Gegensatz zu der Rudolf-Steiner-Regelschule in Schafisheim werden in Lenzburg Kinder und Jugendliche unterrichtet, die beim Prozess ihrer Sozialisierung und beim Einüben einer zielgerichteten Aufmerksamkeit mehr Unterstützung brauchen, als ihnen die Regelschule bieten kann.

Ihren Anfang hatte die Sonderschule am Juraweg 16, ehe sie 2002 das Gebäude an der Bahnhofstrasse 19 erwarb. 2003 startete der Umbau des im Volksmund genannten «Hitachi-Hauses», das im August 2004 offiziell eingeweiht wurde. Der Bedarf nach neuen Räumlichkeiten wuchs, ein Ergänzungsbau wurde nötig. 2011 begann die Planungsphase, 2012 folgte der Architekturwettbewerb und im Herbst 2013 der Spatenstich. Gestern fand nun die offizielle Einweihungsfeier statt. (ces)

Platz für drei Klassen

Ab 1. November wird die Rudolf-Steiner-Sonderschule, die von 67 Kindern und Jugendlichen im Alter von 7 bis 16 Jahren besucht wird, die neuen Räumlichkeiten beziehen. Denn noch fehlen einige Detailarbeiten: So etwa müssen das Treppengeländer und die Beleuchtung fertiggestellt werden. In dem von einem fünfeckigen Grundriss charakterisierten Neubau werden zwei Klassen sowie die Spezialklasse «Lernzimmer» Platz finden. Letztere richtet sich an Schüler mit einer Autismus-Spektrum-Störung und/oder an solche, mit ähnlich komplexem Betreuungsaufwand.

Lernzimmer als Rückzugsort

Im dritten Geschoss, das Architekt Christian Zimmermann während der Besichtigung als «Herzstück» bezeichnete, wird die Spezialklasse einziehen: Die Dachetage ist charakterisiert von einem hellen Gruppenraum mit sechs angeschlossenen individuellen Lernzimmern. Diese ermöglichen bei Bedarf den nötigen Rückzug. Ebenfalls Platz findet das Naturalienzimmer, in dem die Schüler naturwissenschaftliche Experimente durchführen können.

Im mittleren Stockwerk hingegen befinden sich zwei rund 70 Quadratmeter grosse Lernstuben, die eine besondere Raumgeometrie aufweisen. Die Form ist so angelegt, dass die Lernstuben auf verschiedene Arten bestuhlt werden können.

Abgestufter Hof belichtet Etage

Das erste Geschoss, das auf der Ebene der Bahnhofstrasse liegt, ist mit dem Hauptgebäude der Rudolf-Steiner-Sonderschule verbunden. Die unterirdisch angelegte Etage wird unter anderem durch den abgestuften Hof und die Treppenhalle belichtet. Hier sind Ruheräume, Musikzimmer, Werkstätten und Freizeiträume untergebracht.

Das neue Haus, so Schulleiter Martin Sutter, gebe den Schülern die Möglichkeit, eine Startposition fürs Leben einzunehmen, um später in die Welt hinauszugehen. Eine Basis, in der Handwerk und Kunst im Zentrum stehe. Denn Musik, Werken und Bewegung würden die Sinne und das Selbstvertrauen fördern.

In dem von Zimmermann Architekten Aarau realisierten Neubau, dem Hauptgebäude und dem «Satellit», der im ehemaligen Kindergarten Marktmatten untergebracht ist, finden nun insgesamt acht Sonderklassen der Rudolf-Steiner-Sonderschule Platz.