Ein Duft von Holz und frischer Farbe weht einem beim Betreten des dreistöckigen Neubaus der Rudolf-Steiner-Sonderschule in Lenzburg entgegen. Der Ankunftsraum im zweiten Geschoss gibt einen ersten Eindruck über die Besonderheit des Innenausbaus: lichtdurchflutete Räume, sichtbare Holz- und Betonkonstruktionen und einzelne kräftige Farbakzente. Jörg Mayer, Präsident des Trägervereins, freute sich an der Einweihungsfeier am Freitag über den gelungenen Neubau. Er blickte auf eine lange Zeitspanne zurück, in der die Anzahl Lernmethoden, Ideen und Schüler gewachsen sind. «Der Bedarf war da, etwas Neues zu machen», sagte Mayer. Diesen Moment der Fertigstellung habe er lange herbeigesehnt.

Platz für drei Klassen

Ab 1. November wird die Rudolf-Steiner-Sonderschule, die von 67 Kindern und Jugendlichen im Alter von 7 bis 16 Jahren besucht wird, die neuen Räumlichkeiten beziehen. Denn noch fehlen einige Detailarbeiten: So etwa müssen das Treppengeländer und die Beleuchtung fertiggestellt werden. In dem von einem fünfeckigen Grundriss charakterisierten Neubau werden zwei Klassen sowie die Spezialklasse «Lernzimmer» Platz finden. Letztere richtet sich an Schüler mit einer Autismus-Spektrum-Störung und/oder an solche, mit ähnlich komplexem Betreuungsaufwand.

Lernzimmer als Rückzugsort

Im dritten Geschoss, das Architekt Christian Zimmermann während der Besichtigung als «Herzstück» bezeichnete, wird die Spezialklasse einziehen: Die Dachetage ist charakterisiert von einem hellen Gruppenraum mit sechs angeschlossenen individuellen Lernzimmern. Diese ermöglichen bei Bedarf den nötigen Rückzug. Ebenfalls Platz findet das Naturalienzimmer, in dem die Schüler naturwissenschaftliche Experimente durchführen können.

Im mittleren Stockwerk hingegen befinden sich zwei rund 70 Quadratmeter grosse Lernstuben, die eine besondere Raumgeometrie aufweisen. Die Form ist so angelegt, dass die Lernstuben auf verschiedene Arten bestuhlt werden können.

Abgestufter Hof belichtet Etage

Das erste Geschoss, das auf der Ebene der Bahnhofstrasse liegt, ist mit dem Hauptgebäude der Rudolf-Steiner-Sonderschule verbunden. Die unterirdisch angelegte Etage wird unter anderem durch den abgestuften Hof und die Treppenhalle belichtet. Hier sind Ruheräume, Musikzimmer, Werkstätten und Freizeiträume untergebracht.

Das neue Haus, so Schulleiter Martin Sutter, gebe den Schülern die Möglichkeit, eine Startposition fürs Leben einzunehmen, um später in die Welt hinauszugehen. Eine Basis, in der Handwerk und Kunst im Zentrum stehe. Denn Musik, Werken und Bewegung würden die Sinne und das Selbstvertrauen fördern.

In dem von Zimmermann Architekten Aarau realisierten Neubau, dem Hauptgebäude und dem «Satellit», der im ehemaligen Kindergarten Marktmatten untergebracht ist, finden nun insgesamt acht Sonderklassen der Rudolf-Steiner-Sonderschule Platz.