Lenzburg

Neue Geschäftsführer vom Schloss Lenzburg: «Wir sind sportlicher geworden»

Die neuen Geschäftsführer des Schloss Lenzburg sprechen mit der AZ über ihren aussichtsreichen und sportlichen Job.

Bis vor kurzem wurde in diesem Raum im Nordtrakt der «Lenzburg» gewohnt und gegessen – Christine Ziegler hat das Zimmer kurzerhand in ein Büro umfunktioniert. Zumindest für den Moment. Ob es nur vorübergehend ist, kann die neue Geschäftsleiterin von Schloss Lenzburg nicht sagen. «Es ist so vieles im Fluss, wir sind immer noch im Findungsprozess», sagt sie und lacht.

Mit «wir» meint Ziegler sich und ihren Partner René Marty. Seit gut zwei Monaten teilen sich die 49-jährige Marketingspezialistin und der 45-jährige gelernte Elektromonteur und Lichtdesigner Bett und Schreibtisch.

Gemeinsam sind sie für die operativen Geschäfte von Schloss Lenzburg zuständig. Sie hätten sich den Schritt lange und gut überlegt, sich schliesslich zugetraut, mit den Freuden und allenfalls auch den Leiden des partnerschaftlichen Lebens und Arbeitens klarzukommen, sagen sie. Zwei Schreibtische in zwei Räumen ermöglichten ungestörtes Arbeiten und erspare unnötige Friktionen, sind sie sich einig, zumal das bisherige Büro kaum Raum für zwei Arbeitsplätze biete.

Bernerhaus vermieten

«Die Aussicht, die wir von hier oben geniessen, übertrifft jegliche Vorstellungen», erzählt René Marty und schmunzelt. Er lächelt deshalb, weil das Paar sich während der langen Sonnenperiode der vergangenen Wochen regelrecht zwingen musste, hin und wieder einen Blick über die dicken Schlossmauern hinaus zu werfen in die Weiten des Aaretals und des Juras. «Wir sind derart konzentriert auf die vielen neuen Aufgaben, die hier auf uns warten, und haben unseren Blick stark nach innen gerichtet.» Doch jetzt spürten sie den Boden unter den Füssen, sagen sie. «Wir kommen langsam an, es geht aufwärts», sagt Ziegler.

Das muss es auch. Schon bald ist der Startschuss in die neue Schlosssaison: Am 30. März öffnet Museum Aargau die Tore auf der «Lenzburg». Dann muss nicht nur das Schloss, sondern müssen auch die übrigen Gebäude blitzsauber gereinigt bereit sein: Ritterhaus, Bernerhaus und das kleine Torhaus beim Schlosseingang: Ein Jahr lang wurden die drei Gebäude saniert, die Arbeiten stehen kurz vor dem Abschluss.

Das Bernerhaus, bis vor kurzem Sitz des Stapferhauses, muss künftig zusätzlich zum Ritterhaus «bespielt» werden. Die Vermietung der Räume gehört zu Ziegler und Martys Aufgaben. Das neue Schlossbistro in dieser Liegenschaft, das ebenfalls bei der Saisoneröffnung seinen Betrieb aufnimmt, ist an die «Krone» verpachtet.

Martys Mobil klingelt. Ein Handwerker steht vor dem zugesperrten Anlieferungsportal auf der gegenüberliegenden Schlossseite und verlangt Einlass. René Marty tippt kurz zwei, drei Zahlen ins Mobil, das vor ihm auf dem Tisch liegt, und schon öffnet sich das Tor, ohne dass Marty irgendwelche Schalter betätigen musste. «Eine Errungenschaft der ersten Monate», sagt er zufrieden und macht klar, wer von den beiden für das Technische zuständig ist.

In seinem angestammten Bereich hat der Elektrofachmann bereits einige Neuerungen vorgenommen. Wie steht es im Brandfall? Genügt auch hier ein kurzes Tippen auf den Mobil-Display? René Marty lacht und schüttelt den Kopf. «Bei einem Brandalarm wäre ich dann sehr rasch auf den Beinen.» Und mit einem Augenzwinkern hält er fest, dass er sich der laufenden Bauarbeiten wegen mit der Alarm-Thematik bereits gut arrangiert habe.

Wohnsitzfrage ungelöst

Wie will Marketingspezialistin Ziegler neue Impulse setzen, immerhin hat sie dafür zu sorgen, dass die Räume, die nicht vom Museumsbetrieb belegt sind, immer gut genutzt werden? Pläne sind da, den Event-Mix ausbauen, sagt Ziegler. Ein Konzept zuhanden des Stiftungsrats ist bereits in Arbeit. Über verschiedene Social-Media-Kanäle soll inskünftig ein neues, junges Publikum angesprochen werden.

Das Bernerhaus erschliesst neue Nutzungsmöglichkeiten, die über Hochzeiten, Geburtstage, grössere und kleinere Firmenfeste hinausgehen. Bei der Vermietung von Räumen ist Christine Ziegler aufgefallen, dass die Leute gut gelaunt seien. «Wir treffen hier auf viele fröhliche Menschen.» Das habe wohl mit den geplanten Festivitäten und der Vorfreude darauf zu tun.

Ende Monat geht es dann so richtig los. Ziegler und Marty sehen dem Trubel relativ gelassen entgegen: «Wir dürfen auf ein solides Erbe bauen», sagt Ziegler und windet ihren Vorgängern ein Kränzchen. Renate und Peter Jud hätten ihnen viel Wissen weitergegeben und sie in die hintersten Ecken der historischen Schlossanlage geführt.

Eines ist den neuen Geschäftsführern dabei besonders in Auge gestochen. «Uns ist aufgefallen, wie unglaublich schnell unsere Vorgänger durch Schloss und Gelände marschieren.» Die Weitläufigkeit des Arbeitsplatzes hat auch bei Ziegler und Marty erste Konsequenzen. «Wir sind sportlicher geworden», halten die beiden unisono fest.

Der Arbeitsweg von Daheim am Fusse des Schlossbergs trägt das Seine dazu bei. Ob das Paar tatsächlich in seinem Eigenheim, nicht weit vom Schloss entfernt, wohnen bleibt oder auf dem Schloss Wohnsitz nimmt, ist noch unklar. Der Entscheid soll Mitte Jahr fallen. Dann, wenn Ziegler und Marty die ersten Erfahrungen mit Grossveranstaltungen gemacht haben.

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