Beinwil am See/Birrwil
Nebel-Raser gibt keine Ruhe: Er will die Gefängnisstrafe umgehen

Bekir (Name geändert) will einfach keine Ruhe geben. Vor viereinhalb Jahren fuhr er einen Menschen zu Tode. Und noch immer versucht er, vor Gericht eine mildere Strafe zu erwirken.

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Ein riskanes Überholmanöver endete im Dezember 2013 mit einer heftigen Kollision.

Ein riskanes Überholmanöver endete im Dezember 2013 mit einer heftigen Kollision.

Kürzlich wollte Bekir (Name geändert) ein Bundesgerichtsurteil gegen ihn revidieren lassen, um um eine unbedingte Haftstrafe herumzukommen. Das ist zwar sein Recht, dürfte für die Angehörigen des Opfers aber nur schwer nachvollziehbar sein.

Passiert ist es am 17. Dezember 2013 gegen 6 Uhr morgens auf der Seetalstrasse zwischen Beinwil am See und Birrwil. Bekir, Anfang Dreissig, war mit seinem Audi unterwegs. Es war dunkel, die Fahrbahn feucht, die Temperatur lag um den Gefrierpunkt. Und: Es lag dichter Nebel über dem Seetal, die Sichtweite betrug nur etwa 50 Meter. Eigentlich könnte man auf dieser Strasse 80 km/h fahren.

Aber die beiden Autos, die an jenem Morgen vor Bekir fuhren, schöpften diese Limite nicht aus, sie waren vorsichtshalber mit nur etwa 40 km/h unterwegs. Bekir ging das zu wenig schnell. Er setzte mit etwa 70 km/h zum Überholen an – und erwischte den Rollerfahrer, der ihm entgegenkam und den Bekir nicht hatte kommen sehen. Der 61-Jährige starb zwei Tage später im Spital.

Das Bezirksgericht verurteilte Bekir im Juni 2016 der vorsätzlichen Tötung, der fahrlässigen Störung von Betrieben (der Seetalbahn, deren Betrieb wegen des Unfalls beeinträchtigt war) und der groben Verkehrsregelverletzung zu fünfeinhalb Jahren Haft. Dieses Urteil focht Bekir an: Primär ging es ihm darum, dass man ihn wegen fahrlässiger, nicht aber wegen vorsätzlicher Tötung verurteilen solle. Er forderte, seine Haftstrafe sei auf maximal 20 Monate bedingt zu beschränken.

Bekir wurde damit aber sowohl vom Verwaltungsgericht als auch vom Bundesgericht abgewiesen. Letzteres hielt Anfang Jahr aber unmissverständlich fest, dass Bekirs Überholmanöver «krass sorgfaltswidrig» gewesen sei, indem er sich «weder von den prekären Wetter- und Sichtverhältnissen noch von dem auf dem linksseitigen Bahntrassee fahrenden Zug davon abhalten liess, zwei Personenwagen zu überholen». Er habe die Frontalkollision in Kauf genommen, also mindestens eventualvorsätzlich gehandelt.

Dieses Urteil wollte Bekir revidieren lassen. Sein Anwalt argumentierte, das Bundesgericht habe die wesentliche Tatsache unberücksichtigt gelassen, dass die Fahrerin der überholten Autos mehrfach gesagt hatte, die Sicht sei zwar stark eingeschränkt gewesen, man habe den Gegenverkehr aber gut erkennen können. Das Bundesgericht befand aber, sowohl in den vorinstanzlichen als auch im bundesgerichtlichen Verfahren seien die Aussagen der Autofahrerin ausführlich gewürdigt worden.

Sinngemäss befand das Bundesgericht, nur, weil man Bekirs Argumenten nicht gefolgt sei oder diese nicht in seinem Sinne ausgelegt habe, müsse das Urteil noch nicht falsch sein. Die 5,5 Jahre Gefängnis unbedingt bleiben also weiterhin bestehen. (NRO)

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