Erich Vock
«Natürlich braucht es auch Aargauer in Zürich»

Seitdem die ganze Welt dank Erich Vock weiss, wer Ricola erfunden hat, ist der im Aargau aufgewachsene Schauspieler international bekannt. Der Schauspieler über sein Verhältnis zu seinem Heimatkanton und warum es auch in Zürich Aargauer braucht.

Florian Müller
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«Natürlich braucht es auch Aargauer in Zürich»

«Natürlich braucht es auch Aargauer in Zürich»

Vock ist auch im Theater zu Hause: Während der Tournee des neuen Stücks «Huusfründe» begibt er sich als Co-Leiter und in einer Nebenrolle auch auf diversen Aargauer Bühnen zurück in heimatliche Gefilde. Grund genug für die az Aargauer Zeitung, den Schauspieler in seinem bescheidenen, aber gemütlich eingerichteten Büro mitten in Zürich zu besuchen.

Erich Vock, Sie haben in Baden die Schulen besucht und leben heute in Zürich. In welchem Verhältnis stehen Sie zu Ihrem Heimatkanton?

Erich Vock: Es ist vor allem geprägt von Erinnerungen. Ich bin im Aargau aufgewachsen und habe 23 Jahre dort gelebt. Zum Spass betone ich in Zürich gerne, dass ich Aargauer bin. Man darf aber auch nicht übertreiben. Baden ist 20 Kilometer von Zürich entfernt und wir machen schon einen Unterschied. Wenn wir aufder Welt keine anderen Probleme haben... Aber natürlich braucht es auch Aargauer in Zürich (lacht).Ich kenne die ganze Deutschschweiz und kann sagen, dass es keinen Kanton gibt, der so viele bespielbare und schöne Theater hat wie der Kanton Aargau. In diesem Sinne passt die Etikette «Kulturkanton» bestens.

Die Theatervielfalt im Aargau beinhaltet auch viele Laientheater. Wie beurteilen Sie als Profi deren Leistung?

Es liegt nicht an mir, dies zu beurteilen. Für den sozialen Zusammenhalt in Gemeinden ist es extrem wichtig, dass es Theater gibt, bei denen man die Schauspieler, die auf der Bühne stehen, persönlich kennt. Am besten gefallen mir Stücke, von denen man merkt, dass sie wirklich aus einer Gemeinde stammen. Sie zeigen die Leute von dort, deren Geschichte und den regionalen Dialekt. Dies mag ich als Zuschauer sehr.

Im Stück «Huusfründe» spielen Sie den Hausmeister. Was dürfen die Besucher von der Komödie erwarten?

Bei den bisherigen Aufführungen haben die Leute unglaublich viel gelacht. Aber es gibt im Stück auch besinnliche Momente. Charles Lewinsky ist ein Meister der Dialoge, die das Publikum während ganzer Passagen nach jedem einzelnen Satz zum Lachen bringen. Meine Rolle im Stück ist nicht sehr wichtig. Ich bin derjenige, der immer wieder stört. Als Angestellter der Hausverwaltung soll ich die ausgeflippte Trudi Roth zur Räson bringen, sodass sie ihre Miete endlich bezahlt. Aber ich habe nicht wahnsinnig viel Durchsetzungsvermögen.

Anlass des Stückes ist der 80.Geburtstag von Trudi Roth und Elisabeth Schnell. Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den älteren Schauspielerinnen? Hilft die grosse Erfahrung oder hemmt das Alter zwischendurch?

Allgemein gesagt bedeutet das Alter gleichzeitig einen Gewinn und einen Verlust. Es spielen ja auch noch Sylvia Lydi, 77, und Vincenzo Biagi, 78, mit. Zusammen bringen die vier Hauptdarsteller im Stück über 200 Jahre Bühnenerfahrung mit. Natürlich ist es so, dass wir etwas länger geprobt haben und es braucht mehr Zeit, bis alle alles auswendig können. Aber wir wollten, dass sich die Damen und Herren wohl fühlen. Im Vergleich mit der unglaublich grossen Erfahrung und der gleichzeitigen Gelassenheit sind diese Faktoren «quantité négligeable».

Neben Ihren Auftritten in Sitcoms kennen Sie die meisten Leute aus der Ricola-Werbeserie. Werden Sie oft darauf angesprochen?

Der Schweizer ist ja sehr zurückhaltend. Er spricht nicht an, er schaut an. Wenn ich auf Ricola angesprochen werde, sind es vor allem Theaterleute, die ich auch sonst kenne. Diese Werbung ist ein erfolgreicher Bestandteil meiner Karriere. Die Kampagne ist jetzt zwölf Jahre alt, dies ist eher selten in der Werbebranche. «Wer hats erfunden?» ist zum geflügelten Wort unabhängig vom Produkt geworden. Im Ausland identifiziert man sogar die Schweiz damit. Vor zwei Wochen haben wir in Budapest dafür gedreht, letztes Jahr in Hongkong. Und der Spot läuft seit einem Jahr auch in Asien. Dies ist eine Riesengeschichte.