Lenzburg
Nase pudern statt büffeln: «Klappe die erste» im Klassenzimmer

Aus dem Theater- wird ein Videokurs: Die Schülerinnen und Schüler der Bez verwandeln ihr Zimmer in ein professionelles Filmset. Der Plot ist eine Geschichte à la «Highschool Musical».

Janine Gloor
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Vor der Kamera echt zu wirken, ist gar nicht so einfach.

Vor der Kamera echt zu wirken, ist gar nicht so einfach.

Janine Gloor

Die Geschichte beinhaltet alles, was zum normalen Alltag einer Oberstufenschule gehört: eine zickige Mädchengruppe – natürlich mit Anführerin, eine stille Aussenseiterin und süsse Jungs.

Gespielt wird die Geschichte von den Schülerinnen und Schülern des Theater- und Videokurses der Bezirksschule Lenzburg, die dieses Jahr zum ersten Mal kein Theater einstudieren, sondern einen Film drehen. Wie jeweils die Theater wird auch der Film in der Woche vor dem Jugendfest im Munitionslager vorgeführt.

Filmdreh fördert Disziplin

Silvina führt bei der heutigen Szene Regie, sie erklärt kurz, wie das Schulzimmer aussehen soll, dann geht es los. Es werden Tische gerückt und herausgetragen, Scheinwerfer aufgestellt und Kabel verlegt. Jeder weiss, was zu tun ist.

Die Idee, dieses Mal einen Film zu drehen, stammt von Herbert Rinderknecht. Für den langjährigen Lehrer geht der pädagogische Effekt des Filmdrehs über das Schauspielern hinaus: «Die Schüler verpflichten sich, bei einem Prozess dabei zu sein, der zu einem Ende kommen muss. Man kann nicht einfach aussteigen. Besonders bei den Dreharbeiten merkt man schnell, welche einen etwas längeren Atem haben», sagt Rinderknecht. Die Jugendlichen lernen, vor und hinter der Kamera durchzuhalten und Verantwortung zu tragen.

Die Schüler sind eifrig dabei, die Szene vorzubereiten. Regisseurin Silvina muss ihre Augen überall haben. «Einen Film zu drehen, ist sehr viel Arbeit», gibt sie zu. Wie den meisten befragten Schülern fällt es ihr schwer, sich zwischen Film und Theater zu entscheiden, beides gefällt ihr. Einen Vorteil hat der Film jedoch: «Danach hat man etwas in der Hand.»

Zwei Profis mit an Bord

Nach etwa einer Stunde Vorbereitung trifft Heinz Gubler ein. Mit ihm und Rapper Oli Renggli, der für die Tontechnik zuständig ist, konnte Rinderknecht zwei Profis ins Boot holen. Gubler arbeitet gerne mit den Schülern zusammen: «Im Gegensatz zu ausgebildeten Schauspielern sind sie sehr natürlich», sagt er.

Noch ein letztes Mal die Nase gepudert, dann wird gedreht, Ton und Kamera laufen. In der Szene stellt der Lehrer der Klasse einen neuen Schüler vor. Die Mädchen sind entzückt. Jedoch nicht ganz so entzückt, wie sich das die Regie vorgestellt hat, die Szene wird wiederholt.

Sobald die Kamera aus ist, herrscht bei der Mädchengruppe, die sich auch privat gut zu verstehen scheint, fröhliches Stimmengewirr, das durch spontane Gesangseinlagen unterbrochen wird.

«Das ist es!», sagt Gubler. Diese Ausgelassenheit will er vor der Kamera sehen. Bei der nächsten Wiederholung klappt es schon besser, bei der nächsten muss Renggli die Girls gar ermahnen, nicht zu laut zu sein.

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