Das Schild auf dem grossen Platz vor dem ehemaligen Bauernhaus ist unübersehbar: «Gmües-Egge» offen: Salate und Lauch, steht darauf. Die Fenster des früheren Ökonomieteils des Hofes sind beleuchtet. Vor vielen Jahren waren hier Pferdeboxen untergebracht. Sie mussten längst weichen. Seit ein paar Monaten ist hier mit einfachen, aber wirkungsvollen Mitteln ein Hofladen eingerichtet. Die Auslage besteht aus aufgestapelten grünen Harassen. In der obersten sind die aktuellen Angebote amächelig ausgelegt: Salate, Gurken, Peperoni, Rüebli, Zwiebeln, Chnobli, Äpfel, Birnen, frische und gedörrte, Orangen, Zitronen usw.

Während im Volg gleich über der Hauptstrasse die Türen sich nur noch für die Räumung des Ladens öffnen, gehen die Leute mit der Einkaufstasche in der Hand jetzt in den «Gmües-Egge» zu Marianne Barmettler. Bisher hat die Gemüse-Produzentin vor allem saisonales Gemüse und Früchte verkauft, teilweise aus eigenem Anbau. Nach der Schliessung der einzigen Einkaufsmöglichkeit im Dorf hat Barmettler «das Angebot um Produkte erweitert, die man im Haushalt täglich braucht». Hinter der Glasscheibe eines riesigen Kühlschrankes lagern Milch, Butter, Süssgetränke, selbst ein paar Sandwiches. Im Regal daneben liegen frisches Brot und Kleingebäck. Der Honig kommt von einem Imker aus dem Dorf. «Eigentlich könnte man hier direkt zmörgele», sagt Marianne Barmettler und lacht.

Martha Schneeberger ist die erste Kundin, die am frühen Morgen in den Laden tritt. Sie ist froh um die neue Einkaufsmöglichkeit im Dorf. «Ich komme täglich in den ‹Gmües-Egge› und kaufe frisches Gemüse, Brot und Milch ein.» Die rüstige 73-Jährige versorgt mittags seit vielen Jahren regelmässig ein Dutzend hungrige Mäuler mit einer warmen Mahlzeit. Heute gibt es Spaghetti Bolognese, Gemüse und Salat. «Man muss den Männern etwas Rechtes auftischen», sagt sie bestimmt.

Die Ammerswiler Bevölkerung hat aufgeatmet, weil Marianne Barmettlers «Gmües-Egge» die verloren gegangene Einkaufsmöglichkeit zumindest teilweise kompensiert. Für eine neue Lösung gekämpft hat eine Interessengruppe mit Marianne Pfändler. Das Komitee hat in der Dorfbevölkerung zudem abgeklärt, wer nicht mehr genug mobil ist, um die grossen Einkäufe in den Nachbardörfern selber zu erledigen. Mit dem Ergebnis ist Marianne Pfändler zufrieden. Die Nachbarschaftshilfe funktioniere gut. «Es haben sich feste Fahrgemeinschaften gebildet, die ihren Einkauf ausserhalb des Dorfes untereinander individuell organisieren.»

Schon kommen die nächsten Kunden in den «Gmües-Egge». Viele von ihnen sind in kurzer Zeit Stammkunden geworden. Auch jene, die morgens als Muntermacher nicht unbedingt ein Rüebli suchen. Wie dieser junge Mann, der zielstrebig zum Kühlschrank eilt, eine Dose Energydrink herausholt und aus dem Brotgestell einen Schoggi-Gipfel klaubt. Sein Tag beginnt jeden Morgen im «Gmües-Egge».