Man schrieb den 11. Februar 1864, als 16 Bürger der Gemeinde Beinwil am See die Gründungsurkunde der Liebhabertheatergesellschaft Beinwyl unterschrieben. Ihr erstes Stück hiess «Gemma von Arth», als Zugabe gab sie «Das Landhaus an der Heerstrasse» zum Besten.

Seit dem ersten Theaterstück der Theatergesellschaft sind 150 Jahre ins Land gezogen und die Theatergesellschaft hat 108 Produktionen auf dem Buckel. Wahrlich ein Grund zum Feiern: An diesem Wochenende steigt das Geburtstagsfest während der Operette «Der Vogelhändler» im Löwensaal (heute Samstag und morgen Sonntag). Wie die Feier aussieht, bleibt vorerst ein Geheimnis. Der Präsident der Theatergesellschaft Hansruedi Bürgi verrät soviel: «In den Spielpausen gibts für unser Publikum eine Überraschung.»

Historischer Rückblick

Vor 150 Jahren spielte die Theatergesellschaft noch im Kinderlehrsaal im Schulhaus, dem heutigen Gemeindehaus. Die erste Aufführung soll 700 Franken eingebracht haben, sagt der heutige Aktuar Ralf Mengwasser, der in alten Protokollen geblättert hat.

Anfangs hätten bis zu fünf Aufführungen pro Saison stattgefunden. «Mit diesen Aufführungen wurden der Bevölkerung und auswärtigen Besuchern die langen Wintertage verkürzt.»

1877 übernahm das Gründungsmitglied Hans Rudolf Merz den «Löwen». Er schlug der Theatergesellschaft vor, an den vorhandenen Tanzsaal des Gasthofes einen Theateranbau zu erstellen. Die Kosten wurden durch die Theaterleute übernommen mit einem Darlehen von 3000 Franken. 40 Mitglieder hafteten solidarisch für das Darlehen.

Theatereinweihung im Winter

Am 1. Januar 1878 weihte man das neue Theater ein. «Die Aufführungen fanden fast ausnahmslos in dieser Jahreszeit statt», weiss Ralf Mengwasser. Dies wurde zur Tradition der Theatergesellschaft. Bereits 1886 konnte der Bank das Darlehen zurückbezahlt werden.

Schon damals strömten die Zuschauer aus dem ganzen Kanton zur Spielsaison herbei. «Es war der Gesellschaft wichtig, die Zuschauer mit vergnüglichen Stücken zu unterhalten», erzählt der Aktuar. 1887 kamen derart viele Besucher, dass man die Direktion der Seetalbahn um Extrazüge bat.

Dabei musste die Theatergesellschaft dem Fahrpersonal eine Spesenvergütung von 15 Franken auszahlen. 1897 hätten sich die Verantwortlichen an Schillers Wilhelm Tell gewagt, sagt der Aktuar. «Acht Aufführungen sowie zwei Kinderaufführungen waren nötig, um die Zuschauermassen zu bewältigen.»

Alle hätten von diesem Erfolg profitier: die Gesellschaft, die Bäckereien, die Metzgerei und auch die Seetalbahn. Ein dreitägiger Ausflug ins Appenzellerland war der Lohn der Mitwirkenden.

Requisiten verbrannt

Am 7. Mai 1903 war ein schwarzer Tag für den Löwenwirt und die Gesellschaft. Der ganz «Löwen» fiel den Flammen zum Opfer, nur das Parterre blieb verschont. Die Szenerien und Requisiten der Gesellschaft verbrannten. Sie waren ungenügend versichert. Doch die Theaterleute starteten unverzüglich eine Sammlung, die stolze 3223 Franken ergab.

Zudem übernahm die Theatergesellschaft die Kosten für die Anschaffung einer neuen Bühneneinrichtung, der elektrischen Beleuchtung, des Schnürbodens, der Zugvorrichtung, der Kulissen, des Vorhangs und der Dekorationen für über 9000 Franken.

Der Erste Weltkrieg zwang die Leitung des Theaters zu einem Unterbruch in der Tätigkeit. Aber bereits 1918 wurde die Theatertradition fortgesetzt, teils mit Klassikern, teils mit Volksstücken.

Fernsehen kam ins Dorf

1937 beschlossen die Mitglieder ins Fach des Musiktheaters zu wechseln, erzählt Ralf Mengwasser. Als erste Operette führten sie «Das Walzermädel von Wien» auf – sie wurde ein Erfolg und die Theatergesellschaft beschloss, alle zwei Jahre eine Operette mit teils professioneller Besetzung aufzuführen: «Gräfin Mariza», «Die Gold’ne Meisterin», «Maske in Blau», der «Graf von Luxemburg» – die Besucher liebten die Musiktheater im Beinwiler «Löwensaal. Mit dem «Weissen Rössl» erreichten die Theatergesellschaft 2004 einen Rekord mit 13 500 Besuchern, sagt der Aktuar.

Ein weiterer Höhepunkt in der Geschichte der Theatergesellschaft gab es 2010: Das Schweizer Fernsehen produzierte unter dem Titel «Ein Dorf spielt Operette» eine dreiteilige Fernsehsendung.

4 Jahre inaktiv

Nach dieser Spielzeit musste das Bühnenhaus des Löwensaals dringend renoviert werden. 2012 plante man, «den Vogelhändler aufzuführen», doch wurde die Aufführung wegen der Renovation abgesagt. Vier Jahre lang hörte man nichts mehr von der Theatergesellschaft.

Mitte Januar dieses Jahres öffnete sich der Vorhang erstmals wieder und die Theatergesellschaft holte die Operette «Der Vogelhändler» nach. An der Premiere war auch Regierungsrat Urs Hofmann zu Gast. Er zeigte sich begeistert von der Aufführung und meinte: «Schön, dass im Aargau die Operettentradition gepflegt wird.»

Zu hoffen bleibt, dass die Theatergesellschaft ihr Publikum weitere 150 Jahre erfreuen wird.