Seengen

Nach über 50 Jahren: Das letzte Jahrzehnt der Kläranlage im Schlattgebiet

Die Kläranlage der ARA Hallwilersee steht seit 1964 im Schlatt in Seengen.

Die Kläranlage der ARA Hallwilersee steht seit 1964 im Schlatt in Seengen.

Bis im Jahr 2030 soll im Bereich der heutigen ARA Langmatt in Wildegg die «ARA Seetal» realisiert werden. Dann wird das Abwasser der Region in Möriken-Wildegg aufbereitet werden.

Trotz der beeindruckenden Grösse der Anlage mit ihren mehreren Becken geht oft vergessen, was die Anlage leistet. Noch bis vor 60 Jahren wurde das Abwasser aus der Region ungefiltert und ungereinigt in die Gewässer geleitet. Diese waren mit dem Schmutz überfordert, es entstanden stinkende Kloaken. Erst im Jahr 1955, mit dem neuen Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer und der Verunreinigung änderte sich die Situation. Das Gesetz listet einen Katalog mit Massnahmen auf, welche zur Gesundung und Gesundhaltung der Gewässer in der Region notwendig sind.

In der Region schlossen sich zehn Gemeinden zum Abwasserverband ARA Hallwilersee zusammen. 1964 konnte die Kläranlage im Seenger Schlatt eröffnet werden. Die Kläranlage ist 365 Tage im Jahr in Betrieb und dies täglich 24 Stunden. «Das ist ein Fakt, den die Menschen häufig nicht wahrnehmen», sagt Eduard Frey, Präsident der ARA Hallwilersee.

Eine 30 Kilometer lange Gewässerstrecke

Der Abwasserverband sammelt und reinigt das Abwasser aus den zehn angeschlossenen Gemeinden und somit von 18'473 Einwohnern.

Dabei entstehen grosse Mengen an Nebenprodukten. Jährlich werden so etwa 130 Tonnen Rechen- und Siebgut aus dem Abwasser gefischt. Hinzu kommen 20 Kubikmeter Sand aus dem Sandfang und rund 1200 Tonnen Klärschlamm. Nebst dem Tagesgeschäft, das im ganzen Jahr nie Pause macht, fallen auch immer wieder Neuerungs- und Sanierungsarbeiten an der Anlage an. «Momentan wird gerade die komplette Steuerung ausgewechselt», so Eduard Frey. Die Arbeiten sollen bis spätestens Ende des Jahres fertig sein. «Durch die neue Steuerung können wir die Rückhaltebecken der Gemeinden von der Anlage in Seengen aus bewirtschaften», so Frey. Gibt es nur auf der einen Seeseite viel Regen, könne man den Befehl geben, dass einzelne Becken entleert werden, ohne dass man vor Ort sein muss.

Grössere Erneuerungen oder Investitionen werden bei der Anlage im Schlatt jedoch nicht mehr vorgenommen. Bis im Jahr 2030 soll im Bereich der heutigen ARA Langmatt in Wildegg die «ARA Seetal» realisiert werden. Geplant ist, dass das Abwasser aller angeschlossenen Gemeinden über einen Sammelkanal nach Möriken-­Wildegg fliesst. Dadurch entsteht eine 30 Kilometer lange Gewässerstrecke, die nicht mit gereinigtem Abwasser in Berührung kommt. «Darum ist es jetzt wichtig, zu entscheiden, welche Massnahmen an den Anlagen noch umgesetzt werden», sagt Eduard Frey. «Im Fokus steht dabei immer, dass die Anlage tadellos funktioniert, das Gewässerschutzgesetz eingehalten werden kann und die Sicherheit aller Beteiligten gewährleistet ist.»

«ARA Seetal» ist auch für die Natur von Vorteil

Der Präsident der ARA Hallwilersee ist ein Befürworter der geplanten Grossprojekte: «Bei der ARA Seetal muss man langfristig denken. Auch wenn zu Beginn hohe Investitionen getätigt werden müssen, wird auf längere Zeit Geld gespart.»

Geld sparen die einzelnen Gemeinden vor allem dadurch, dass grosse Anlagen effizienter sind als kleinere. Die jährlichen Kosten werden also sinken. Werden die bisherigen vier ARAs im Aargauer und Luzerner Seetal – Hochdorf, Moosmatten (Mosen), Hallwilersee (Seengen) und Langmatt (Wildegg) – an einem Ort konzentriert, könne man von einem grossen Einsparungspotenzial ausgehen.

Auch der Hallwilersee und der Baldeggersee profitieren direkt vom Mega-Projekt: «Wenn der Zusammenschluss zu Stande kommt, werden die beiden Seen einen viel tieferen Phosphorgehalt aufweisen, als dass es jetzt der Fall ist», sagt Frey. Dies unter anderem auch, weil durch die Umsetzung des Projektes ARA Seetal nicht mehr gereinigtes Abwasser der ARA Hitzkirchtal in den Hallwilersee gelangen wird. Somit fällt der Phosphoreintrag von 0,25 Tonnen pro Jahr weg. Bevor das Generationenprojekt realisiert werden kann, muss jedoch zuerst noch darüber abgestimmt werden und dies in jeder Gemeinde, die daran beteiligt ist.

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