Unterschlupf

Nach Turnhallen-Brand: Holderbank singt und turnt wieder – dank Nachbarn

Mitte Dezember verlor die Gemeinde Holderbank durch einen Brand die Turnhalle. Vereine finden bei Nachbarn Unterschlupf.

Als am Freitagabend, 14. Dezember, an der Dorfweihnacht in der Turnhalle die Bevölkerung zum Weihnachtslied «Stille Nacht» anstimmte, ahnte niemand, dass hier zum letzten Mal gefeiert werden würde. Nur wenige Tage später, in der Nacht vom Montag auf den Dienstag, haben sich Flammen in das historisch wertvolle Walmdach gefressen und die über 100-jährige Turnhalle bis auf die Grundmauern zerstört.

Das Ereignis hat die Gemeinde tief getroffen. Die Turnhalle war sozusagen das Epizentrum des Dorfes: Hier hatten die Gemeindeversammlungen und die Vereinsanlässe stattgefunden: Auf der Bühne wurde geturnt, konzertiert, Theater gespielt und vorgeführt, was zuvor wochen- und monatelang in der Halle geübt worden war. Auch Gemeindeammann Herbert Anderegg war der Schreck in die Glieder gefahren, und er liess den Emotionen freien Lauf. «Ich könnte ‹lätschen›, wenn ich an die Halle denke», sagte er wenige Tage nach dem Brand in dieser Zeitung. Damit drückte er wohl die Gefühlslage vieler Holderbanker aus.

Holderbank: Dorfleben leidet unter dem Turnhallen-Brand

Holderbank: Dorfleben leidet unter dem Turnhallen-Brand

19. Dezember

Wie sehr die nun in Schutt und Asche liegende Turnhalle Holderbank beschäftigt, wird auch in der aktuellen Ausgabe der Dorfzeitung «Holori» sichtbar. Schwarz auf weiss zeigt sich die Fassungslosigkeit über das Geschehene: Kaum ein Beitrag, der nicht einen Zusammenhang zum Brandereignis herstellt. «Die Welt war noch in Ordnung», heisst es im Bericht über die Weihnachtsfeier. Emotionsgeladen und einem Nachruf auf die abgebrannte Halle gleich kommt das vom Gemeindeammann geschriebene «Holori»-Vorwort.

Nur wenige Monate vor dem Brand habe die Holderbanker Turnhalle mit ihrer historisch wertvollen Holzdecke die Titelseite der Zeitschrift «Kunst + Architektur» geziert, schreibt Herbert Anderegg. Und er erinnert daran, dass er als Mitglied des Turnvereins in den vergangenen 45 Jahren unzählige Male die Seilzüge der Dachluken bedient und die Luken geöffnet hat. «Und auch wieder geschlossen, wenn der Luftzug im leichten Turntenue spürbar wurde.» Von den Luken sind nur noch die Binder, spezielle Teile der Dachkonstruktion, übrig geblieben.

Holderbank (AG): Turnhalle in Vollbrand

Holderbank (AG): Turnhalle in Vollbrand

19. Dezember

Doch: Nicht nur von Verlust ist im «Holori» die Rede. Auch über kleine Wunder wird berichtet, die im Zusammenhang mit der Feuersbrunst passiert sind. Zum Beispiel jene Geschichte mit den Turnsäckli, die den Brand überstanden und scheinbar unversehrt am Garderobenhaken hängen.

Lafarge-Holcim bot Hilfe für Neujahrs-Apéro

Trotz des riesigen Verlustes ist Holderbank nicht im Schock erstarrt. Umgehend wurde ein Krisenmanagement installiert und die Zukunft an die Hand genommen. Unter anderem galt es, Lösungen für die verschiedenen Hallennutzer zu suchen. Zudem stand mit dem Neujahrs-Apéro schon bald der nächste Dorfanlass an. Und so kam es, dass die Musikgesellschaft am 1. Januar in den Räumen des Zementmultis Lafarge-Holcim aufspielte. Dorthin hatte die Feier kurzfristig verlegt werden können. «Wir haben unglaublich viele Solidaritätsbekundungen erfahren und spontane Unterstützung erhalten», blickt Anderegg auf die vergangenen Wochen zurück.

Nachdem der Turnunterricht für die Schule gesichert war, ging es darum, auch für die verschiedenen Vereine Übergangslösungen zu finden. Von der Situation betroffen sind im Wesentlichen vier Vereine: Die Musikgesellschaft, der Gemischte Chor, die Bogenschützen und die vier Riegen des Turnvereins.

Gemeinden stellen Räume zur Verfügung

In der Zwischenzeit haben die Vereine Unterschlupf gefunden. «Der Holderbanker Vereinsbetrieb kann aufrechterhalten werden», zeigt sich der Gemeindeammann auf Anfrage zufrieden. Die Musikgesellschaft probt in einem Musikraum im Gemeindesaal Möriken. Der Gemischte Chor singt in der Aula der Schule Brunegg. Die Theaterproben für den Unterhaltungsabend im April finden im Effingerhort statt. Der Unterhaltungsabend geht in der Turnhalle Brunegg über die Bühne. Diese wird auch den Holderbanker Bogenschützen als Übungslokal dienen. «Sie werden allerdings wohl erst im nächsten Winter davon Gebrauch machen können, da die Infrastruktur verbrannt ist», erzählt Anderegg. Die turnenden Vereine dürfen in der kommenden Zeit die Hallen vom Effingerhort, die Turnhalle in Möriken und die Halle in Wildegg benutzen. «Die Solidarität von befreundeten Vereinen und die Unterstützung von den Nachbar- und weiteren Gemeinden haben uns besonders gefreut. Dafür möchten wir uns bedanken», sagt der Gemeindeammann.

Holderbank soll auf jeden Fall wieder eine Halle bekommen. Darüber lässt Herbert Anderegg keine Zweifel aufkommen. «Natürlich bauen wir wieder auf», hat er der Bevölkerung am Neujahrs-Apéro versichert. Zudem habe der Brand keinen Einfluss auf die Neubauabsichten der Gemeinde. Die Pläne für ein neues Schulhaus mit Turnhalle sind weit fortgeschritten. Ein Projektstopp kommt für Gemeindeammann Anderegg nicht in Frage (AZ 7.1.).

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