Die Überquerung der Hauptstrasse zwischen dem Restaurant Seetal und dessen Parkplatz am nördlichen Ende von Beinwil am See gilt als gefährlich. Ganz besonders, seit 2013 eine 81-jährige Anwohnerin angefahren wurde und im Spital ihren Verletzungen erlag. Daran ist speziell tragisch, dass die Familie der Verstorbenen schon Jahre vorher für mehr Verkehrssicherheit an dieser Stelle gekämpft hatte.

«Schon meine Schwester wurde, als sie klein war, hier von einem Auto angefahren», erklärt der Sohn der Verstorbenen, Ruedi Bösiger. «Wir haben uns immer wieder für eine Verkehrsberuhigung eingesetzt.» Nach dem Tod der Mutter reichten die vier Geschwister eine Staatshaftungsklage ein. «Wir wollen keine Genugtuung», erklärt Bösiger. «Wir hoffen aber, dass ein Urteil zu unseren Gunsten ein Signal für die Behörden wäre.»

Schon vor Jahren ein Thema

Eigentlich will man schon lange etwas an der Situation ändern. Das sagt Gemeinderat Christoph Giger. Nebst dem Problem, dass Restaurantbesucher die Hauptstrasse ohne Fussgängerstreifen überqueren müssen, liegt die Stelle am Dorfeingang kurz nach Beginn der 50er-Zone.

Hier werden von der Regionalpolizei Lenzburg regelmässig Geschwindigkeitsübertretungen gemessen. Dazu kommt der mit Schranken gesicherte Bahnübergang, «dessen Elektronik nicht immer einwandfrei funktioniert», so Giger.

Doch die Verhandlungen harzten immer wieder: «Eine Möglichkeit zur Verbesserung der Verkehrssicherheit, die schon vor einigen Jahren erwägt wurde, ist eine rückwärtige Erschliessung», so Giger. Ein Kiesweg sollte hinter dem Restaurant Seetal über mehrere Grundstücke zum Bahnhof führen. «Damals wollten die Grundeigentümer jedoch den definitiven Erschliessungsplan für ihre Parzelle abwarten», erklärt Giger.

«Unserer Meinung nach löst eine rückwärtige Erschliessung nur einen Teil des Problems», sagt jedoch Ruedi Bösiger. «Noch immer müssten die Besucher des Restaurants ‹Seetal› die Strasse queren.» 

Gespräch mit möglicher Lösung

Auch nach der Staatshaftungsklage, die derzeit beim Kanton hängig ist, ist keine Lösung in Sicht. Nun hat sich jedoch ein Fernsehteam von Beobachter TV eingeschaltet und alle Parteien an einen Tisch gebracht. Man redet über Lösungsmöglichkeiten. Konkret wird aber nichts.

Der Standpunkt der Sektion Verkehrssicherheit des Kantons ist klar: Sie möchten einen ähnlichen Weg wie die Gemeinde einschlagen, denn: «Aus Sicht des Kantons erhöht etwa ein Fussgängerstreifen an dieser Stelle die Sicherheit nicht per se», so Daniel Schwerzmann, Leiter Verkehrsmanagement beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt.

«Ein Fussgängerstreifen, der wenig genutzt wird, wird von Autofahrern mit der Zeit nicht mehr beachtet – in der Meinung ‹es kommt ja keiner›.» Daher wäre es auch aus seiner Sicht sinnvoller, eine rückwärtig Erschliessung Richtung Bahnhof anzustreben. «Da diese aber über Privatgrund führen würde, müssen zunächst Gespräche mit den Eigentümern geführt werden. Zur Zeit kann ich hier über den Stand der Dinge nichts sagen.»

Nach dem Gespräch ist man bei Familie Bösiger «verhalten optimistisch». «Ich hoffe, der Besuch des Fernsehteams hat einen gewissen Anstoss gegeben», sagt der Neffe der Verstorbenen, Reinhard Wiederkehr. «Im Gespräch ist auch eine Verkehrsberuhigung weiter in Richtung Dorfausgang beim Quartier Widenmatt», sagt Ruedi Bösiger. Vielleicht könnte auch das schon eine Beruhigung bringen.

Die Sendung von Beobachter TV zum Thema wird am Sonntag um 18.15 Uhr auf SRF 1 ausgestrahlt.