Früher mussten sich die Besucher des Museums Burghalde nach einer alten Holztür durch einen engen Gang schlängeln, der sie in ein kleines Zimmer führte, wo man sich auf Füsse trat und über den Tisch mit der Kasse stolperte. Kein würdiger Empfang. «Eher eine Abwehrhaltung«, sagt Museumsleiterin Christine von Arx. Nun hat das Museum einen neuen Eingang. Ein richtiges Portal, durch das man ins Museum schreiten oder schwellenlos gleiten kann. «Ich bin sehr froh, dass wir den Eingangsbereich neu gestaltet haben», sagt von Arx. «Wir haben nun viel mehr Platz für Gruppen und es gibt auch einen Shop sowie eine Garderobe mit Schliessfächern», sagt sie und legt schon bei der Beschreibung dieser eher profanen Neuerungen eine feurige Begeisterung an den Tag. Beim Rundgang durch das renovierte Museum nimmt diese Begeisterung noch zu. «Ich bin sehr zufrieden mit dem Resultat des Umbaus.»

Das Haus ist von innen kaum noch zu erkennen. Wo früher hell erleuchtete, von oben bis ganz unten gefüllte Vitrinen das Auge ermüdeten, dominieren dunkle Farben am Boden und an den Wänden. Und trotzdem wirken die Räume weiter und luftiger. Die Ausstellungsgegenstände werden weniger zahlreich präsentiert. Dafür auf viele verschiedene Arten. «Die Vermittlung ist heute eine ganz andere als 1985, als das Museum eingebaut wurde», sagt von Arx. Interaktiver und haptischer, weniger ist mehr. «Der Zugang zu den Objekten soll lebendig sein. Zum Beispiel bei der Archäologie sollen die Leute die Naturmaterialien spüren können.» Statt einfach vor einer Scheibe zu stehen, werden die Besucher in Zukunft Schubladen ziehen, Klappen und Schieber öffnen. In jedem Raum stellt ein grosses Stimmungsbild das Ambiente her.

6200 Jahre alte Gräber

Für die Ausstellung der Steinzeitgräber wurde die ehemalige Scheune auf der ganzen Höhe geöffnet und die Besucherinnen können neu von einer Galerie auf die Knochen hinunterschauen. In der Mitte werden die Einzelgräber ausgestellt und daneben ruht unter Glas eine uralte Neuheit des Museums. Es sind zwei 6200 Jahre alte Gemeinschaftsgräber vom Goffersberg, die Anfang August aus den Depots der Kantonsarchäologie und des Nationalmuseums nach Lenzburg transportiert wurden. «Wir waren mitten im Bau, als entschieden wurde, dass noch zwei Gräber kommen», sagt Urs F. Meier, Präsident der Stiftung Museum Burghalde. Es musste ein Nachtragskredit bewilligt werden, um die Gräber einbauen zu können. Nun liegen sie etwa 200 Meter von ihrem Fundort entfernt.

Anderthalb Jahre war das Museum geschlossen. Nun ist Endspurt, am 29. September wird es mit der neuen Ausstellung wieder eröffnet. Christine von Arx ist zufrieden. «Dafür, dass ein 400 Jahre altes Haus umgebaut wurde, ist alles reibungslos verlaufen.» Sie hat die Baustelle eng begleitet, auch der persönliche Bezug zu den Handwerkern war ihr wichtig. «Wir hatten sehr gute und motivierte Arbeiter», sagt sie. Auch Urs F. Meier hat die Arbeiter kennen gelernt, die sich an seinem Bijou zu schaffen machten. «Dadurch, dass wir sie persönlich wahrgenommen haben, waren sie motiviert und haben mitgedacht», sagt er. Das Haus mit Baujahr 1628 musste einiges über sich ergehen lassen. Ein neues Treppenhaus und ein Lift wurden eingebaut, dazu zwei Betonpfeiler, welche bis unter den Dachstock führen und die tonnenschwere Lüftung tragen.

Schweizweit einzigartig

Aufgebaut ist die Ausstellung chronologisch, im Foyer treten die Besucher in eine Landschaft, wo sich eben gerade der Gletscher zurückgezogen hat. «Eine Chronologie ist bei 15'000 Jahren Kulturgeschichte, die wir ausstellen, die sinnvollste Lösung», sagt von Arx. Nicht nur bei den ältesten Ausstellungsstücken gibt es Neues. Ganz zuunterst, in der Gewölbehalle, befindet sich die einzige permanente Ikonenausstellung der Schweiz. Zusätzlich zur Präsentation der kostbaren Heiligenbilder haben die Museumsverantwortlichen ein Atelier eingerichtet, in dem die Besucher sehen können, wie die Ikonen aus Naturmaterialien hergestellt werden. Mitten auf dem Rundgang durchs Museum wartet in der Dr. Hans Dietschi-Stube ein Aufenthaltsraum mit Kaffeemaschine und Sitzgelegenheiten zum Verschnaufen. Ganz oben, unter dem Dachstock befindet sich die Industriegeschichte. Für diesen Raum haben die Verantwortlichen etwas ganz Spezielles aus der Lenzburger Vergangenheit ausgegraben, das über den Köpfen der Besucher seine Runden drehen wird. Im Raum gegenüber ist eine Karte der Stadt auf den Boden gezeichnet. An zwanzig verschiedenen Orten ertönen Lenzburger Geräusche. Wem gelingt es, sie alle richtig einzuordnen?

Die neue Ausstellung im Museum Burghalde soll mit ihren Schätzen vom Mammut-Zahn bis zum Mammut-Seil Geschichten von Lenzburg erzählen, die den Ort ausmachen und Identität stiften. «Das hat bis jetzt gefehlt», sagt Urs F. Meier. So sollen zum Beispiel neue Bewohner «Im Lenz» im Museum erfahren, wie wichtig ihr Quartier für die Geschichte von Lenzburg ist. «Wir sind schliesslich kein gewöhnliches Ortsmuseum», sagt Meier.