Knapp ein Jahr ist es her, als Greenpeace-Aktivisten auf dem Dach und an der Fassade beim Mammut-Hauptsitz in Seon protestiert hatten. Hintergrund der Aktion war der Vorwurf der Umweltorganisation, dass Mammut trotz Gesprächen und Protesten der Outdoor Gemeinde weltweit auf gefährliche Per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) setzt. PFC macht Outdoor-Kleidung wasserundurchlässig, die Substanzen sind aber schädlich und in der Natur kaum abbaubar.

Nun hat sich die Hauptlieferantin für Membranen und Beschichtungen für Outdoor-Marken dazu verpflichtet, künftig auf den Einsatz dieser gefährlichen Chemikalien zu verzichten. Die Firma Gore Fabrics, die auch Mammut beliefert, kündigt an, bis Ende 2020 einen Grossteil der wetterfesten Laminate ohne die schädlichen Substanzen zu produzieren – dazu gehören Jacken, Schuhe, Handschuhe und Accessoires. Bis Ende 2023 wird Gore ökologisch bedenkliche PFCs aus sämtlichen Vorprodukten für Outdoor-Kleidung ersetzen, wie Greenpeace in einer Medienmitteilung schreibt. 

Greenpeace-AktivistInnen besuchen Mammut Teil 1

Greenpeace-AktivistInnen besuchen Mammut Teil 1 (17. Februar 2016)

135'000 Personen haben die Petition an Mammut unterzeichnet und sie aufgefordert, auf PFCs in der Produktion zu verzichten. Greenpeace-AktivistInnen besuchen Mammut am Hauptquartier, um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen.

«Zeit für umweltfreundliche Technologien»

Stattdessen wolle Gore neue und umweltfreundlichere Technologien entwickeln – sowohl fluorfreie wie auch fluorierte Optionen würden geprüft. «Unsere Produkte waren schon immer sicher, doch Gore versteht die Befürchtungen hinsichtlich einer potentiellen Umweltverschmutzung mit dieser Gruppe von Chemikalien und sieht ein, dass die Zeit für neue und umweltfreundlichere Technologien gekommen ist», lässt sich Bernhard Kiehl, Chef für Nachhaltigkeit bei Gore Fabrics, in der Medienmitteilung zitieren.

Seit Beginn der Detox-Kampagne 2011 fordert Greenpeace die Textilindustrie auf, alle gefährlichen Stoffe aus ihren Lieferketten zu entfernen, seit 2015 auch die Outdoor-Branche. Nach einer intensiven und auf wissenschaftlichen Fakten beruhenden Diskussion zwischen Greenpeace und Gore konnten sie sich auf eine gemeinsame Definition ökologisch bedenklicher PFCs einigen.

Potenzial für entscheidende Wende

«Durch die eindeutige Definition ökologisch bedenklicher PFCs wird deutlich, dass PTFE nicht zu dieser Klasse gehört. Damit verfügt die Outdoor-Industrie über einen klaren Rahmen, der Gore Fabrics und seinen Kunden neue, umweltfreundliche Optionen für Produktinnovationen eröffnet», so Kiel.

Mirjam Kopp, Schweizer Leiterin der internationalen Detox-Outdoorf-Kampagne von Greenpeace ist erfreut über diesen Durchbruch: «Diese Entwicklung zeigt, dass es möglich ist, einen ganzen Sektor in relativ kurzer Zeit völlig umzuwandeln, wenn die relevanten Stakeholder willens sind, gemeinsam verantwortlich zu handeln», heisst es in der Medienmitteilung weiter. Der Entwicklungsplan von Gore habe das Potenzial, eine entscheidende Wende herbeizuführen, die dazu führen könnte, dass gefährliche PFC im Outdoor-Equipment bald der Vergangenheit angehören. (sam/sda)