Die Schulstandortkonzentration ist abgeschlossen: Die Primarstufe ist auf das Schulareal Angelrain konzentriert, die Oberstufe ist im Lenzhard-Campus angesiedelt.

Stadtammann Daniel Mosimann kennt die Schule nicht nur aus der politischen Warte. Er hat früher als Lehrperson im Lenzhard-Campus unterrichtet. Das Foto zum Interview müsse nicht unbedingt dort aufgenommen werden, teilt er mit. Er lasse sich ganz gerne auf dem Schulareal Angelrain ablichten. Mit diesem Gespräch wird die Serie zur Schulrochade in Lenzburg abgeschlossen.

«Tschau Lenzhard» leuchtete es von den Lampions einer Lenzhard-Klasse am Jugendfest-Lampion-Umzug. Haben die vielen Abschieds-Lichter Sie berührt?

(Schmunzelt). Es war die ganz persönliche Botschaft einer ehemaligen Kollegin (Anm. der Redaktion: Stadtammann Mosimann war bis 2002 Schulleiter und Lehrer im Lenzhard-Campus).

Könnte man es als stillen Protest mit leuchtenden Lampionlichtern gegen die Neuorganisation betrachten?

Wenn man will, könnte man das so sehen. Ich möchte jedoch betonen, dass ein Grossteil der Lehrerschaft den neuen Strukturen von Anfang an positiv gegenüberstand und diese mitträgt. Das tun übrigens auch die wenigen, denen der Schritt etwas schwerer fällt.

Sie sind im Stadtrat für das Ressort Bildung zuständig und haben die Schaffung von Kompetenzzentren für die Ober- und Primarstufe angestossen. Sind Sie der Architekt dieser grossen Rochade?

Ja, das kann man so sagen. Man darf nicht vergessen: Diese Neuorganisation war die Folge der Entwicklungen in unseren Nachbargemeinden. Die ursprünglichen Pläne sahen anders aus. Nachdem Hunzenschwil, Rupperswil und Schafisheim vor vier Jahren die Beibehaltung der Oberstufen in den Lottengemeinden beschlossen und die Real- und Sekschüler nicht wie beabsichtigt nach Lenzburg zu schicken, war der Zeitpunkt gekommen, wo man sich ernsthaft Gedanken über die Zukunft der Schullandschaft in Lenzburg machen musste.

Weshalb hat man sich entschieden, die Schulstufen zusammenzulegen und ein Primarstufenzentrum im Angelrain sowie ein Oberstufenzentrum im Lenzhard anzusiedeln?

Durch den Wegfall der Nachbargemeinden hatten sich die Voraussetzungen in der Oberstufe geändert. Die Schülerzahlen sanken. Damit wäre das Bleicherain-Schulhaus für die Oberstufe eine Nummer zu gross geworden. Die Primarstufe hingegen erhielt durch den Wechsel des Schulsystems auf 6/3 mehr Schüler. Mit andern Worten hätte im Lenzhard für die Primarstufe Raum geschaffen werden müssen, der im Angelrain jedoch bereits vorhanden ist. Das hätte keinen Sinn gemacht. Bei den Überlegungen zur künftigen Schulraum-Planung hat sich gezeigt, dass mit der Schaffung von Stufen-Kompetenzzentren die vorhandenen Raumressourcen am effizientesten genutzt werden können.

Welche Vorteile hat diese Neuorganisation?

Für die Oberstufe ist es organisatorisch, pädagogisch und soziokulturell die beste Lösung. Lehrerpensen können ausgeglichen werden, da die Lehrpersonen auf allen Stufen eingesetzt werden können. Die schulstufenübergreifenden Freifächer können besser organisiert werden, wenn Real, Sek und Bez am gleichen Ort sind. Dieser Umstand, so hoffen wir, wird die immer wieder aufkeimende Rivalität unter den Schülerinnen und Schülern dieser Altersstufe entschärfen. Der Lenzhard-Campus wird ausgebaut, mit einer Aula ergänzt, und auch der Sportplatz wird saniert. Ich bin auch der Meinung, dass dies eine Aufwertung für das gesamte Westquartier bedeutet. Auf der Primarstufe ist sicher die Nähe zu den Tagesstrukturen hervorzuheben, die sich im Mühlematt-Schulhaus befinden.

Können Lehrerpensen eingespart werden?

Nein, es ist auch nicht das Ziel, Lehrerpensen einzusparen. Im Zentrum steht die optimale Nutzung der Räumlichkeiten.

Welches sind die grössten Nachteile dieser Standortkonzentration?

Ein Nachteil, der ins Feld geführt wird, ist der längere Schulweg für diejenigen Primarschüler, die aus dem Westquartier nun ins Angelrain-Areal gehen müssen. Bei der Oberstufe wird es wohl eine Herausforderung sein, bis sich die 450 Oberstufenschüler aneinander gewöhnt haben. Das ist sicher am Anfang nicht ganz einfach, aber es wurden und werden gemeinschaftsbildende Aktionen geplant, damit das Zusammenwachsen der neuen Oberstufe gewährleistet ist, beispielsweise mit einem speziellen Schuljahresbeginn.

Die Konsequenz der Neuorganisation: Lenzburg investiert über 25 Millionen Franken in neuen und Anpassung des bestehenden Schulraums. So viel wie noch nie.

Ich möchte klar festhalten: Diese Kosten sind nicht nur Auswirkung dieser neuen Strukturen. Die Sanierung des Bleicherain-Schulhauses steht seit 20 Jahren an und wurde immer wieder hinausgeschoben. Glücklicherweise muss man aus heutiger Sicht sagen. So können die baulichen Anpassungen den aktuellen Bedürfnissen entsprechend vorgenommen werden. Dank der Neuorganisation können wir hingegen auf den ursprünglich vorgesehenen Anbau und die Erweiterung des Mühlematt-Schulhauses verzichten. Auf der andern Seite wird der Lenzhard-Campus durch die zusätzlichen Investitionen aufgewertet.

Der Stimmbürger hat den Entscheid mitgetragen und den Verpflichtungskredit im Februar 2014 mit fast drei Viertel Ja-Stimmen genehmigt. Hat Sie das überrascht?

Ja, freudig überrascht.

Der Entscheid für die neuen Schulstufenzentren hat weder im Volk noch im Einwohnerrat grosse Wellen geworfen. Hätten Sie mehr Widerstand gegen das Projekt erwartet?

Wir mussten damit rechnen, dass die Aufhebung des langjährigen Bezirksschulstandorts, aus welchen Gründen auch immer, auf Widerstand stösst. Das war glücklicherweise nicht der Fall. In gewissen Kreisen wurde der Entscheid zwar bedauert, man hat die Notwendigkeit jedoch eingesehen. Ebenso bin ich überzeugt, dass der Stadtrat transparent und gut kommuniziert hat. Im Dezember 2012 habe ich den Einwohnerrat informiert. Gleichentags, aber bereits am Morgen wurde die Lehrerschaft ins Bild gesetzt. Sie hat grösstenteils positiv reagiert. Das war wichtig, alles andere hätte zum Schiffbruch für das Projekt führen können.

Gab es Momente, in denen Sie an Ihrer eigenen Courage gezweifelt haben?

(lacht). Doch, doch, es gab die eine oder andere schlaflose Nacht. Man stellt bisher Bewährtes auf den Kopf, das geht nicht spurlos an einem vorbei.

Blicken wir noch in die Zukunft. Die Bevölkerung der Stadt wächst in den kommenden Jahren um 30 Prozent. Ist die Schulinfrastruktur nun fit für dieses Wachstum?

Ich bin zuversichtlich, dass in Lenzburg genügend Schulraumkapazitäten für das anstehende Bevölkerungswachstum vorhanden sind. Diese Berechnungen basieren auf Schlüsselzahlen, die die Raumplanung für Schulraum im Verhältnis zur Bevölkerung bereithält. Ob sich die Schülerzahlen tatsächlich so entwickeln, ist jedoch schwer abzuschätzen. Fakt ist: Es ist ein Trend zu kleineren Wohnungen feststellbar, die nicht unbedingt für Familien geeignet sind.

Der Kanton Aargau steht vor grösseren Sparübungen, von denen auch die Bildung nicht ausgenommen wird. Sind mit diesen Kompetenzzentren die Voraussetzungen da, um das Einzugsgebiet für Schüler in Zukunft zu erweitern?

Nein. Die Lottengemeinden haben ihren eigenen Weg gewählt, dieser Zug ist abgefahren. Die Zusammenarbeit beschränkt sich auf die Bezirksschule. Die Schulraumplanung haben wir auf die Regionalschule Lenzburg ausgerichtet und nicht auf mögliche künftige Bedürfnisse unserer Nachbargemeinden.