Meisterschwanden

Nach dem Meitlisonntagstanz gefror der See

Beim Betrachten von alten Fotos tauchen bei Marie Koch Erinnerungen an die Meitlitage auf. margrit rüetschi

Beim Betrachten von alten Fotos tauchen bei Marie Koch Erinnerungen an die Meitlitage auf. margrit rüetschi

Beim Kramen in alten Fotos kommen bei der Kanada-Schweizerin Marie Koch viele Erinnerungen auf. Ihren ersten Umzug hat sie 1955 mitgemacht.

Väterchen Frost kann Marie Koch (73) beim heutigen Auftakt des Meitlisonntagbrauchs in den Seetaler Gemeinden Fahrwangen und Meisterschwanden nichts anhaben. Hohe Minustemperaturen ist sich die Bauersfrau aus Kanada her gewohnt.

Seit November lebt sie mit ihrem Mann Hans (79) in ihrem Winterdomizil an der Delphinstrasse in Meisterschwanden. Im Mai will das Ehepaar dann wieder nach Kanada zurückfliegen. Ihre drei Söhne bewirtschaften in der Nähe von Ottawa gut florierende Landwirtschaftsbetriebe, selber besitzt das Ehepaar Koch ein hübsches Haus in St. Pascal in der Nähe ihres Sohnes Hans.

Vom Munihübel nach Kanada

Die gepflegte Eigentumswohnung in Meisterschwanden steht in unmittelbarer Nähe des Munihübels, wo Hans und Marie Koch bis 1994 als Pächter den Spittelhof geführt haben. Mittlerweile besitzen die beiden die kanadische Staatsbürgerschaft, in Übersee fühlen sie sich zu Hause: «17 Jahre Fischerhof Meisterschwanden, 17 Jahre ‹Spittel› Meisterschwanden, 17 Jahre Kanadaaufenthalt», resümieren sie.

Eben erst sind sie aus dem Bündnerland zurückgekehrt, wo sie ein paar Ferientage eingeschoben haben. Fast ein bisschen langweilig sei es ihnen jetzt in der Schweiz, sagen sie. Man spürt, dass die beiden Zugvögel es richtig ersehnen, im Frühling wieder nach Kanada zurückfliegen zu können. Pflege des eigenen Gartens, Mithilfe auf dem Hof des Sohnes Hans ist beim rüstigen Ehepaar angesagt.

Seit 2001 leben Marie und Hans Koch während der Wintermonate in der Schweiz. So können sie den intensiven Kontakt mit den beiden Töchtern und deren Familien pflegen und auch den Kontakt zur Dorfbevölkerung von Meisterschwanden aufrechterhalten.

Erinnerungen kommen auf

Rund um den Meitlisonntag, der heute Donnerstag mit rassigen Trommelwirbeln und dem Männerfang eingeläutet wird, tauchen bei Marie Koch Erinnerungen auf, die durch die intensiven Erlebnisse in Kanada etwas in den Hintergrund gerückt sind.

So richtig habe sie mit dem Brauch nicht viel am «Meitsonntags-Hut» gehabt, meint die im Freiamt auf einem Bauernhof aufgewachsene Bauersfrau. Um richtig in Fahrt zu kommen, müsse man die Meitlitage wohl bereits mit der Muttermilch aufgesogen haben, vermutet sie.

Ganz konnte sich Marie Koch dem alten Seetaler Brauch aber nicht entziehen. «Als junge Hausangestellte in einem Bauernbetrieb in Meisterschwanden, später als junge Bauersfrau, wurde ich natürlich von allen Seiten fürs Mitmachen angegangen.» Ihr erster Umzug datiert aus dem Jahre 1955.

Nächte nie durchgetanzt

Auch an das sporadische Mitmachen am Meitlidonnerstag erinnert sie sich. Mit offenen Körben sei man früher auf Männerfang gegangen und manchmal von den Gefangenen zum Umtrunk nach Hause eingeladen worden. «Das haben die betreffenden Ehefrauen aber nicht immer goutiert und uns die kalte Schulter gezeigt», blickt Marie Koch zurück.

Richtig kalt sei es im Winter 1963 gewesen. «Da brauchten wir nach dem Meitlisonntagstanz im Restaurant Delphin einen zusätzlichen Tschoppen.» Anderntags sei der Hallwilersee vollständig zugefroren gewesen, weiss sie.

Sie habe die Nächte nie durchgetanzt und sei zeitig nach Hause gegangen. «Auf mich warteten fünf Kinder und die Mithilfe im Stall».

Apropos Stall erinnert sich Marie Koch, dass die Seetaler Kavalleristen, wie ihr Mann Hans, immer am Donnerstag ihre «Reitübung» durchgeführt hätten. «So wurde es zum Ritual, dass die wöchentliche Übung ausgeweitet und mit dem Meitlidonnerstagstanz abgeschlossen wurde.»

Froh seien die Meitli jeweils in den Jahren mit einem grossen Umzug gewesen, als sie auf die flotten Kavalleristen mit Ross und Wagen zurückgreifen konnten.

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