Schloss Hallwyl

Nach dem Gewittersturm: Park beim Schloss Hallwyl wird wiederhergestellt

Vom einst stattlichen Ahorn vor dem Burggraben ist nur ein kümmerlicher Stumpf übrig geblieben.

Vom einst stattlichen Ahorn vor dem Burggraben ist nur ein kümmerlicher Stumpf übrig geblieben.

Die Gemeinde Seengen lag im Auge des Sturms – die Überreste der zerstörten Stieleichen im Schlosspark sollen stehen bleiben. Der heftige Gewittersturm vor zwei Wochen hat im Park des Schlosses Hallwyl schwere Schäden verursacht.

Rund 17 Bäume wurden beim Sturm entwurzelt oder zerstört, viele Baumkronen durch fallende Bäume beschädigt. Das Unwetter hatte eine enorme Kraft. Augenzeugen berichteten von einer tornadoähnlichen Windhose. Nicht nur im Park, auch in Seengen im Dorf gab es Verwüstungen. In den Gemeinden rundherum waren die Schäden seltsamerweise deutlich geringer. «Offenbar trafen genau in Seengen zwei Sturmereignisse aufeinander. Ein Unwetter kam von Mosen her über den See, ein zweites vom Wynental her. Hier im Schlosspark wütete der Orkan am heftigsten», erklärt Christoph Burger. Der Landschaftsarchitekt aus Küttigen hat die Schäden zusammen mit der Baumpflege begutachtet und arbeitet nun an der Überarbeitung und Anpassung des Parkpflegekonzepts.

Auf die Frage, wie es mit dem Park weitergehen soll, antwortet Burger: «Diesen Sommer sollte das Parkpflegekonzept überarbeitet werden. Das geschieht in regelmässigem Abstand etwa alle zehn Jahre — jetzt hat der Sturm die Situation natürlich grundlegend verändert.» Einschneidende Erneuerungen wird es aber nicht geben. Der Bestand soll weitgehend erhalten und sukzessive durch Ersatzpflanzungen wiederhergestellt werden. Im Park geschieht das durch das gezielte Setzen von Einzelbäumen, um die ursprüngliche Raumwirkung wiederherzurichten.

«Gott sei Dank sind einige markante Bäume im Sturm stehen geblieben», sagt Burger. Getroffen hat es nebst einem grossen Ahorn, der wegen seines Zustandes diesen Sommer gefällt werden sollte, auch die schönen Stieleichen am Waldrand. Die Überreste davon werden stehen bleiben. «Die Stieleiche ist unser ökologisch wertvollster Baum. In kaum einem anderen Baum finden sich so viele Lebewesen. Die schönen, ausladenden Baumkronen sind aber leider bei einigen Eichen verloren», sagt Burger. Umschlossen wird der Park vom Aabach, dem Burggraben und offenem Landwirtschaftsland. Der Schlosswald bildet den Abschluss zur Strasse hin. Die Durchblicke in die offene Landschaft erinnern an englische Landschaftsgärten, die mit ihren geschwungenen Wegen und grossen Rasenflächen im 19. Jahrhundert in Mode waren. Ob der Park tatsächlich einmal als englischer Garten angelegt wurde, ist heute schwer zu sagen. «Uns ist zwar ein solcher Plan erhalten. Ob dieser aber tatsächlich ausgeführt wurde, ist kaum zu rekonstruieren», sagt Burger.

Künstlicher Seespiegel

Nicht nur Bäume hat der Sturm zerstört, auch zwei der massiven Steinbänke im Park wurden von der Kraft des Unwetters zerschlagen. Bei den Aufräumarbeiten musste sehr vorsichtig gearbeitet werden. So wurde zum Beispiel auf einen Helikoptereinsatz verzichtet, um das sensible Gelände zu schonen. Der untere Teil des Parks war ursprünglich Sumpfland und wurde mit dem Erdmaterial aufgefüllt, das aus dem zwischenzeitlich zugeschütteten Burggraben gehoben wurde.

Trotzdem ist dieser Bereich immer noch sehr feucht. Im 14. Jahrhundert wurde der Hallwilersee bei der Erweiterung der Burganlage mit einem Wehr gestaut, um den Seespiegel anzuheben und dadurch den Burggraben mit Wasser zu füllen. Würde man die Schleusen bei der Mühle des Schlosses entfernen, würde sich der ganze See um etwa einen Meter absenken. «Wir sind hier in einer sehr speziellen Situation so nah am Wasser und am Rande des Hallwilersee-Schutzgebietes», sagt Burger.

Trotz der herben Verluste sieht er die Sturmschäden pragmatisch. «Es ist sehr schade um die jahrhundertealten Bäume. Aber was will man machen — in Versailles hat der Sturm Lothar 1999 auch fast den ganzen Schlosspark verwüstet. Nach so einem Ereignis muss man für die nächste Generation planen.»

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